„Ultimative Sünde“: Aktion bei Nobelpreis-Verleihung brüskiert Trump – und entscheidet über Venezuelas Zukunft

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Donald Trump zeigt kein Interesse daran, María Corina Machado in Venezuela an die Macht zu bringen. Das hängt wohl mit dem Friedensnobelpreis zusammen.

Washington, D.C./Caracas – Nach Donald Trumps Entführung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro ist unklar, wer das lateinamerikanische Land künftig regieren wird. Die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Machado soll jedenfalls nicht die Nachfolge Maduros antreten. Das machte US-Präsident Trump nach der Nacht-und-Nebel-Aktion in der venezolanischen Hauptstadt Caracas bei einer Pressekonferenz klar.

US-Präsident Trump
US-Präsident Trump droht nicht nur Venezuela. © Alex Brandon/AP/dpa

Laut einem Bericht der Washington Post, soll Trump die Oppositionspolitikerin auch deshalb ablehnen, weil sie den Friedensnobelpreis angenommen habe. Der US-Präsident soll Insidern zufolge die Annahme des Preises als „ultimative Sünde“ bezeichnet haben – obwohl Machado den Nobelpreis Trump widmete. In einer Pressekonferenz am Samstag erklärte der US-Präsident über die venezolanische Oppositionsführerin: „Es wäre sehr schwer für sie, die Führungsrolle zu übernehmen.“ Trump fügte hinzu, Machado habe „nicht die Unterstützung und den Respekt des Landes“.

Zukunft Venezuelas ungewiss – Interimspräsidentin Rodríguez betont Kooperationsbereitschaft

Der US-Präsident erklärte, die USA werde nun die Führung in Venezuela übernehmen. Wie genau das jedoch aussehen könnte, wirft Fragen auf. Aktuell kontrollieren Maduros Verbündete nach wie vor die Regierung in Caracas. An Bord der Air Force One sagte Trump vor der Presse: „Was wir machen wollen, ist die Ölkrise zu beenden, das Land aufzubauen und dann Wahlen abzuhalten.“ Einen Zeitrahmen oder eine konkrete Vorgehensweise nannte Trump für sein Vorhaben jedoch nicht.

Die ehemalige Vizepräsidentin Venezuelas und aktuelle Interimspräsidentin Delcy Rodríguez zeigte sich unterdessen bereit, mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten. In einer Erklärung in den sozialen Medien schrieb Rodríguez: „Wir laden die US-Regierung ein, mit uns an einer Agenda der Kooperation zu arbeiten, die auf eine ⁠gemeinsame Entwicklung ​im Rahmen des Völkerrechts ausgerichtet ist, um ein dauerhaftes gemeinschaftliches Zusammenleben zu ⁠stärken.“

Während die Zukunft Venezuelas weiterhin ungewiss ist, drohte Trump Kolumbien ebenfalls indirekt mit einer militärischen Intervention. „Kolumbien ist ebenfalls sehr krank, regiert von einem kranken Mann, der gerne Kokain herstellt und es in die Vereinigten Staaten verkauft, und er wird das nicht mehr lange tun“, erklärte Trump an Bord seiner Regierungsmaschine. Auf Nachfrage, ob das US-Militär auch in Kolumbien intervenieren könnte, sagte Trump vage: „Hört sich für mich gut an.“

Trump droht nach Einführung Maduros Kolumbien mit US-Intervention

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro reagierte auf die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump scharf. Die Äußerungen seien eine „illegitime Drohung“, er werde sie genau prüfen, schrieb Petro auf X. Sollte gegen ihn selbst vorgegangen werden, warnte Petro vor schweren Folgen. „Sollten sie den Präsidenten festnehmen, den ein Großteil meines Volkes schätzt und respektiert, werden sie den Volksjaguar entfesseln.“ Damit dürfte Petro den Zorn des Volkes meinen – der Jaguar, die größte Raubkatze Südamerikas, ist in den Regenwäldern des Landes beheimatet.

Zugleich rief der Staatschef die Sicherheitskräfte zur Loyalität auf. „Jeder Soldat in Kolumbien hat ab sofort einen Befehl: Jeder Kommandant der Sicherheitskräfte, der die Flagge der USA der Flagge Kolumbiens vorzieht, wird auf Befehl der Basis, der Truppe und mir sofort aus der Institution entlassen.“ Er habe Vertrauen in sein Volk: „Der Befehl an die Sicherheitskräfte lautet, nicht auf das Volk zu schießen, sondern auf den Angreifer.“

Militäraktion in Venezuela: Trump beruft sich auf die Monroe-Doktrin

Nach der Militäraktion in Venezuela und der Entführung Maduros berief sich Trump in einer Pressekonferenz auf die knapp 200 Jahre alte Monroe-Doktrin (1823). Die nach dem damaligen Präsidenten James Monroe benannte Doktrin zielte ursprünglich darauf ab, eine Einmischung europäischer Mächte in die Angelegenheiten der USA zu untersagen. Die Doktrin sollte die amerikanische Unabhängigkeit sicherstellen und verhindern, dass europäische Staaten auf dem Kontinent Kolonien errichten. 1904 ergänzte Präsident Theodore Roosevelt die Doktrin um die „Roosevelt Corollary“.

Roosevelt formulierte in dem Zusatz den alleinigen Anspruch der USA für Interventionen in den südamerikanischen Staaten, sollten die Interessen der USA gefährdet sein. In seiner Pressekonferenz am Samstag bezeichnete Trump die Doktrin als „Donroe-Doktrin“ in Anspielung auf seinen Namen. „Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird niemals wieder infrage gestellt“, so der US-Präsident. Washington habe die im 19. Jahrhundert geprägte Monroe-Doktrin über die US-Vorherrschaft in den Amerikas vernachlässigt. „Wir haben sie in gewisser Hinsicht vergessen. Sie war notwendig, aber wir haben sie vergessen. Wir werden sie nicht mehr vergessen.“ (Quellen: Washington Post/Reuters/dpa) (sischr)