Trump droht nach Venezuela: „Brauche“ Grönland, „Kolumbien ist sehr krank“ und Kuba „riesiges Problem“
Nach Venezuela droht Donald Trump nun auch Kolumbien und Kuba. Selbst ein Nato-Partner rückt in den Fokus des US-Präsidenten.
Washington, D. C. – Die Mehrheit der Völkerrechtler ist überzeugt: Der Angriff der USA auf Venezuela missachtet die regelbasierte Ordnung der UN-Charta. Doch US-Präsident Donald Trump machte in einem Telefoninterview mit The Atlantic klar, dass nach Venezuela auch andere Länder Ziel einer US-Intervention werden könnten. Dabei hat der Republikaner offenbar schon konkrete Länder im Visier: „Wir brauchen Grönland, absolut. Wir brauchen es zur Verteidigung“, so der US-Präsident. Und er drohte auch Kolumbien.
Das lateinamerikanische Land sei „sehr krank“ und werde von einem „kranken Mann“ regiert, der es liebe, „Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen, und er wird das nicht mehr lange tun“, sagte der US-Präsident am Sonntag (4. Januar) gegenüber Journalisten in der Air Force One. Auf die Frage eines Reporters, ob er einen Militäreinsatz gegen die kolumbianische Regierung durchführen würde, antwortete der US-Präsident laut Reuters: „Das klingt für mich gut.“
Auch Kolumbien und Kuba rücken in den Fokus von US-Präsident Trump: „Riesiges Problem“
Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro hatte die US-Intervention in Venezuela scharf verurteilt. Am Sonntag wies er auf X die US-Vorwürfe bezüglich des Drogenhandels zurück. „Kolumbien - für immer frei“, schrieb er am Ende. Im vergangenen Jahr warf Petro Washington vor, bei einem Einsatz gegen mutmaßliche Drogentransporte in der Karibik einen unschuldigen Fischer getötet zu haben. „Die USA haben das nationale Territorium Kolumbiens verletzt und einen ehrlichen, hart arbeitenden Kolumbianer ermordet“, schrieb der Präsident damals auf der Plattform X. „Wir erwarten Erklärungen von der US-Regierung.“
Neben Kolumbien haben die USA offenbar auch Kuba im Blick. US-Außenminister Marco Rubio, der selbst kubanische Wurzeln hat, hatte die Regierung in Havanna zuletzt gegenüber NBC News als „riesiges Problem“ bezeichnet. Würde er in Havanna leben und wäre er Teil der Regierung, wäre er besorgt. „Ich denke, es ist kein großes Geheimnis, dass wir keine großen Fans des kubanischen Regimes sind“, so Rubio weiter. Kubas Regierung habe schließlich den entmachteten venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro unterstützt.
„Über Kuba werden wir bald sprechen“, sagte der US-Präsident am Samstag vor Journalisten. Militärische Maßnahmen gegenüber dem wirtschaftlich geschwächten Land ziehe er aber nicht in Betracht. Kuba sehe ohnehin so aus, als sei es kurz vor dem Zusammenbruch. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel übte scharfe Kritik an den USA. „Unsere Friedenszone wird gerade brutal angegriffen“, schrieb er am Samstag auf X. Der US-Angriff auf Venezuela sei „Staatsterror“ und die internationale Gemeinschaft müsse dringend auf die „kriminelle Attacke der USA“ reagieren, so Miguel Díaz-Canel weiter.
Grönland wehrt sich gegen Gebietsansprüche – und sieht USA als Sicherheitsrisiko
In den vergangenen Monaten hatte Trump immer wieder mit der Übernahme Grönlands gedroht. Nach der Militäraktion in Venezuela hatte die Ehefrau des stellvertretenden Stabschefs im Weißen Haus, Katie Miller, auf der Plattform X eine Karte Grönlands in US-Farben mit dem Wort ‚Soon‘ (‘Bald‘) gepostet. Die dänische Ministerpräsidenten Mette Frederiksen forderte den US-Präsidenten daraufhin „dringend auf, die Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk einzustellen, die sehr deutlich gesagt haben, dass sie nicht zum Verkauf stehen.“
Die USA hätten kein Recht Grönland zu übernehmen, teilte die Ministerpräsidentin in einer per E-Mail versandten Erklärung mit. „Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten sagt, ‚wir brauchen Grönland‘, und uns mit Venezuela und einer Militärintervention in Verbindung bringt, ist das nicht nur falsch. Es ist respektlos“, erklärte auch Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen. Dänemarks Geheimdienst stufte einem CNN-Bericht zufolge die USA bereits vor einiger Zeit als potenzielles Sicherheitsrisiko ein – ein Novum unter Nato-Staaten.
Die Lage Grönlands in der Arktis macht die Insel geostrategisch bedeutsam. In der im vergangenen November veröffentlichten nationalen Sicherheitsstrategie betont die Trump-Regierung die Notwendigkeit einer westlichen Hemisphäre, „die frei bleibt von feindseligen äußeren Eingriffen oder dem Besitz von Schlüssel-Ressourcen und die kritische Lieferketten unterstützt; und wir wollen sicherstellen, dass wir weiter Zugang haben zu Orten von entscheidender strategischer Bedeutung“. (Quellen: dpa, AFP, CNN, Reuters, X, The Atlantic) (bme)