Eine dicke Schneedecke versiegelt die Natur. Vor allem Rotkehlchen leiden jetzt Hunger. Erfahren Sie hier, wie Sie Bodenfresser im Winter retten.
Wenn sich Deutschland unter eine weiße Decke hüllt, herrscht in unseren Gärten eine trügerische Stille. Doch der Schein trügt: Für unsere heimische Vogelwelt ist eine geschlossene Schneedecke der Beginn eines dramatischen Wettlaufs gegen die Zeit. Amsel, Meise und Rotkehlchen stehen vor einer doppelten Herausforderung. Sie müssen ihre Körpertemperatur von rund 40 Grad gegen die eisige Kälte verteidigen – ein Prozess, der enorme Energie kostet. Gleichzeitig versperrt der Schnee den Zugang zu ihrer natürlichen Nahrung am Boden.
So helfen Sie heimischen Vogelarten nach dem Wintereinbruch
Ohne menschliche Hilfe verlieren kleine Vögel wie die Blaumeise in einer einzigen Frostnacht bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts. Finden sie am nächsten Morgen nicht sofort energiereiches Futter, droht der Kältetod. Doch Vorsicht: Gut gemeintes Füttern kann ins Gegenteil umschlagen, wenn man die Bedürfnisse der verschiedenen Arten nicht kennt. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie zur echten Überlebenshilfe werden.
Es gibt drei Gruppen, die man beim Futter der heimischen Vögel unterscheidet
Nicht alle Vögel sind gleich. Ornithologen unterscheiden grob zwischen drei Gruppen, die Sie unterschiedlich bedienen müssen. Die erste Gruppe sind die Körnerfresser (Der „Harte Kern“). Zu dieser Gruppe gehören Finken (Buchfink, Grünfink), Sperlinge und Gimpel. Ihr kräftiger Schnabel ist ein perfektes Werkzeug, um harte Schalen zu knacken. Sonnenblumenkerne (schwarz oder gestreift), Hanfsaat und hochwertige Futtermischungen sind für sie das perfekte Menü. Sie kommen gut mit klassischen Futtersilos oder Futterhäusern zurecht.
Die Weichfutterfresser (Die „Sensiblen“) stellen die zweite Gruppe dar. Hier wird es kritisch. Rotkehlchen, Amseln, Zaunkönige und Heckenbraunellen haben feine, spitze Schnäbel. Sie können harte Sonnenblumenkerne nicht öffnen. Wenn Sie nur Körner anbieten, können diese Vögel inmitten von Futter verhungern. Zudem suchen sie ihre Nahrung fast ausschließlich am Boden – genau dort, wo jetzt Schnee liegt. Haferflocken (Tipp: In Sonnenblumenöl tränken, damit sie nicht im Magen kleben und mehr Energie liefern), Rosinen, getrocknete Beeren, Obststücke (Äpfel/Birnen) und Mehlwürmer sind für sie perfekt.
Sie benötigen eine Bodenfutterstelle. Kehren Sie eine Fläche unter einer Hecke schneefrei oder nutzen Sie spezielle Bodentische. Wichtig: Der Platz muss Schutz vor Katzen bieten.
Die dritte Gruppe der Allesfresser (Die „Akrobaten“) sind Meisen, Kleiber und Spechte. Sie sind sehr flexibel und lieben fettreiches Futter, das sie hängend anfliegen können. Meisenknödel, Erdnussbruch und Talgringe sind für sie perfekt, um durch harte Winter zu kommen.
Lebenswichtiger Hinweis: Kaufen Sie Meisenknödel niemals in Plastiknetzen. Vögel können sich mit ihren Beinen darin verheddern, was zu schweren Verletzungen oder zum Tod führt. Nutzen Sie Drahtspender oder legen Sie die Knödel ohne Netz aus.
Auch die großen Gäste wie Eichelhäher, Elstern und andere Rabenvögel sollten nicht vergessen werden. Sie sammeln ganze Nüsse. Bieten Sie ihnen ganze Erdnüsse (ungesalzen) oder Maiskörner an. Sie werden beobachten, wie der Häher die Nüsse im Kehlsack sammelt und wegträgt – er legt Vorräte an.
Sauberkeit rettet Leben und Wasser ist ein wichtiger Faktor
Ein schmutziges Futterhaus ist gefährlicher als gar keines. Durch Kot übertragen sich tödliche Krankheiten wie Salmonellen. Bei feuchtem Winterwetter vermehren sich Keime explosionsartig. Die Goldene Regel: Nutzen Sie Futtersilos (Säulen). Hier rutscht das Futter trocken nach, und die Vögel können nicht im Essen herumlaufen. Wenn Sie herkömmliche Futterhäuser nutzen, fegen Sie diese täglich aus. Reinigen Sie sie wöchentlich mit heißem Wasser.
Vögel verdursten im Winter oft eher, als dass sie verhungern, besonders wenn sie nur trockenes Körnerfutter fressen. Zudem müssen sie ihr Gefieder waschen, damit es isoliert. Schnee zu fressen kostet sie wertvolle Körperwärme. Der Trick: Stellen Sie eine Schale mit lauwarmem Wasser auf. Damit es nicht sofort gefriert, legen Sie einen Tischtennisball hinein. Der Wind bewegt den Ball und hält die Oberfläche länger eisfrei. Oder nutzen Sie ein Grablicht unter einem Tontopf als „Fußbodenheizung“ für die Wasserschale.
Wie gut kennen Sie unsere heimischen Vögel? Versuchen Sie doch einfach unser Vogel-Quiz einiger in Deutschlands Gärten vorkommender Vögel.
No-Gos: Was auf keinen Fall gefüttert werden darf
Viele Menschen meinen es gut, wenn sie die Vögel mit altem, geriebenem Brot oder Speiseresten füttern. Allerdings birgt dies große Gefahren für die gefiederten Freunde.
- Kein Brot: Es enthält Salz, quillt im Magen auf und liefert kaum Energie. Salz ist für Vögel Gift.
- Keine Speisereste: Gewürzte oder gesalzene Reste sind tabu.
Helfen Sie mit Verstand. Ein naturnaher Garten und eine durchdachte Fütterung sind der beste Schutz für unsere gefiederten Freunde. Wenn Sie jetzt starten, bleiben Sie dabei – die Vögel verlassen sich bis zum Frühjahr auf Ihre Hilfe.