Die Tötung einiger Paviane im Nürnberger Tiergarten hat im vergangenen Jahr immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Auch die Justiz ist seither eingebunden. Nun gibt es Nachwuchs.
Nürnberg – Nur wenige Monate nach der Tötung mehrere Tiere im Nürnberger Tiergarten: Die Guinea-Paviane haben Nachwuchs bekommen. Das Jungtier kam bereits am 30. November zur Welt und ist bereits für Besucher zu sehen, wie der Tiergarten mitteilte. Zuvor hatten die Nürnberger Nachrichten darüber berichtet.
Nachwuchs bei den Pavianen im Nürnberger Tiergarten
Im vergangenen Juli hatte der Tiergarten zwölf gesunde Paviane aus Platzmangel töten lassen. Diese umstrittene Entscheidung hatte bundesweit für Empörung gesorgt und zu zahlreichen Strafanzeigen geführt. In den vergangenen 30 Jahren habe der Bestand der Guinea-Paviane wahrscheinlich bereits um 20 Prozent abgenommen, so der Tiergarten.. „Daher möchten wir auf jeden Fall an der Haltung und auch der Zucht der Art festhalten.“
Aus genetischen und gesundheitlichen Gründen sei es wichtig, dass sich die Tiere vermehrten, betont der Tiergarten. Ebenso sei Fortpflanzung bedeutend für das Sozialleben der Tiere. Ziel sei eine sozial funktionierende, gesunde, vielfältige und fortpflanzungsfähige Gruppe. „Deshalb und wegen negativer Erfahrungen mit Verhütungsmitteln wird seit 2018 die Fortpflanzung nicht mehr unterbunden.“
Die Tötung der zwölf Paviane im Juli hatte heftige Reaktionen ausgelöst. Der Tiergarten hatte jahrelang vergeblich nach einem neuen Zuhause für die Tiere gesucht, bevor er sich zu diesem drastischen Schritt entschloss. Tierschützer halten diese Praxis, die auch in anderen Zoos bereits zur Anwendung kam, für rechtswidrig und erstatteten Strafanzeige. In den sozialen Medien hatte es zahlreiche Hasskommentare gegeben, darunter auch Morddrohungen gegen Tiergartendirektor Dag Encke, seinen Stellvertreter und Beschäftigte des Tiergartens allgemein. Seither ermittelt die Polizei in diesen Fällen.
350 Strafanzeigen nach Tötung vom zwölf Tieren
Trotz der anhaltenden Kritik hält der Tiergarten an seiner umstrittenen Praxis fest. „Die Gruppe setzt sich aktuell in einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis aus älteren, erfahrenen Tieren, jüngeren, geschlechtsreifen Tieren und Jungtieren zusammen“, betonte der Tiergarten nun. „Grundsätzlich versuchen wir immer, überzählige Tiere in geeignete Haltungen abzugeben.“ Wenn dies nicht gelänge, bleibe die Tötung einzelner Individuen eine Option.
Zunächst werde aber die rechtliche Bewertung der Strafanzeigen abgewartet, bevor neue Entscheidungen gefällt würden. Bei der Nürnberger Staatsanwaltschaft waren nach der Tötung im Sommer rund 350 Strafanzeigen gegen den Tiergarten wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingegangen. Die Behörde prüft seither, ob nach Paragraf 17 ein vernünftiger Grund für die Tötung der Tiere vorlag. (Quellen: dpa, Tiergarten Nürnberg, Nürnberger Nachrichten)