Stundenlang in Eiseskälte von Baum eingeklemmt: spektakuläre Rettungsaktion in Oberbayern

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Bei Waldarbeiten hat sich ein Wildsteiger in der klirrenden Kälte seinen Fuß unter einem Baum eingeklemmt. Nach zwei Stunden hörten Urlauber seine Hilferufe.

Wildsteig – Freitagnachmittag (2. Januar) in Wildsteig: Die Temperaturen liegen im einstelligen Minusbereich, es weht ein eisiger Wind. In einem Waldstück ist ein 34-jähriger Wildsteiger gegen 15 Uhr mit Forstarbeiten beschäftigt. Der Mann ist allein. Als er gerade einen Baum beiseilen möchte, passiert das Unglück: Der Baum kommt ins Rutschen, der rechte Fuß des Wildsteigers wird unter dem Stamm eingeklemmt. Der Mann kommt nicht mehr raus, er steckt fest. Ein Notruf ist nicht möglich, in dem Gebiet gibt’s kein Handynetz.

Zahlreiche Feuerwehrler aus Wildsteig, Rottenbuch, Bad Bayersoien und von der Kreisbrandinspektion waren im Einsatz.
Zahlreiche Feuerwehrler aus Wildsteig, Rottenbuch, Bad Bayersoien und von der Kreisbrandinspektion waren im Einsatz. © Feuerwehr Wildsteig

Mann musste stundenlang in der Eiseskälte in Oberbayern ausharren

Der Wildsteiger hatte nur eine Möglichkeit: lautstark um Hilfe schreien. Doch seine Rufe wurden zunächst nicht erwidert. Es vergingen Minuten, dann sogar Stunden. Der Mann musste in seiner misslichen Lage eine gefühlte Ewigkeit in der Eiseskälte ausharren. „Er hat circa 300 Meter vom nächsten Weg entfernt gelegen“, berichtet Wildsteigs Vize-Feuerwehrkommandant Marius Schmid im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Gegen 17 Uhr näherten sich schließlich zwei Männer der Unfallstelle. Die beiden Männer machen Urlaub in Bad Bayersoien und unternahmen an besagtem Freitagnachmittag einen Winterspaziergang. Die Urlauber hörten die Hilferufe des Wildsteigers und eilten sofort zu ihm. Helfen konnten sie ihm zunächst nicht, Handynetz hatten sie auch keines.

Urlauber schnappte sich Bulldog und fuhr Richtung Hof

Einer der Männer hatte schließlich die zündende Idee: Er löste die Seilwinde vom Bulldog des Wildsteigers ab und düste mit dem Gefährt in Richtung seines Hofs.

Einem Wildsteiger Feuerwehrler, der ihm unterwegs begegnete, kam das Ganze ein bisserl komisch vor – schließlich gehörten Fahrer und Bulldog doch überhaupt nicht zusammen. Er hielt den Mann an. Der Urlauber erklärte dem Feuerwehrler die missliche Lage, dieser setzte daraufhin sofort einen Notruf ab und eilte mit seinen Kameraden zur Unfallstelle.

45 Rettungskräfte waren im Einsatz

„Als wir ankamen, war der Zustand des Mannes relativ stabil“, erklärt Vize-Kommandant Marius Schmid. Insgesamt rund 45 Einsatzkräfte aus Wildsteig, Rottenbuch, Bad Bayersoien und von der Kreisbrandinspektion konnten den eingeklemmten Mann schließlich mithilfe einer Motorsäge befreien.

Der Mann hat wahnsinniges Glück gehabt.

Der stark unterkühlte Wildsteiger wurde nach der Bergung mit dem Rettungshubschrauber ins Murnauer Unfallklinikum geflogen. Wie die Polizei Schongau mitteilt, hat der Mann bei dem Unfall eine Fraktur am Fuß und Weichteilverletzungen erlitten.

Eines ist klar: Ohne die beiden Spaziergänger und ihr couragiertes Handeln wäre die Geschichte wohl ganz anders ausgegangen. Das betont auch Feuerwehrler Marius Schmid: „Der Mann hat wahnsinniges Glück gehabt.“