Monatelang hüteten sie ihr Geheimnis. Doch die Kür zum Grafinger Prinzenpaar verlief alles andere als appetitlich für die beiden.
Grafing – Verdeckte Tanzproben, abendliche Stoffladen-Besuche und eine heimliche Dessert-Probe: Die Geheimniskrämerei von Celina Gaar und Julian Sewald hat bei Familie, Freunden und Bekannten – und damit quasi in ganz Grafing – in den vergangenen Monaten für wilde Spekulationen gesorgt. „Jeder dachte, wir hätten uns verlobt“, erinnert sich die 31-jährige Dentalhygienikern jetzt lachend. „Wir haben sogar Glückwünsche bekommen“, ergänzt ihr Freund Julian.
Derweil hat das Paar seit diesem Sommer ein ganz anderes, aber freilich genauso spektakuläres Geheimnis gehütet: Als neues Prinzenpaar der Grafinger Faschingsbären stehen die beiden im Mittelpunkt der bevorstehenden närrischen Saison. Wie traditionell üblich fiel der langersehnte Vorhang zum Faschingsauftakt am 11.11. „Bis dahin war es echt schwierig, dass nichts rauskommt“, gesteht Celina Gaar, nun bekannt als Celina I., schmunzelnd.
Jeder dachte, wir hätten uns verlobt.
Mitten im Faschingstreiben hatte sie ihren Julian Anfang 2025 gefragt, ob er denn nicht ihr Prinz sein möchte. Denn der 32-jährige Grafinger habe sich in den zurückliegenden närrischen Zeiten nie so recht ins aktive Faschingsgewusel stürzen können. Wegen zweier Kreuzbandrisse, die er sich während seiner (Profi-)Fußballkarriere – wie er selbst scherzhaft erzählt – beim TSV Grafing zugezogen hatte, sei er etwa für die männliche Varieté-Tanzgruppe „Kuschelbärenbande“ bisher verletzungsbedingt ausgefallen. „So können wir jetzt trotzdem mitten im Geschehen sein – hoffentlich ohne große Verletzungsgefahr“, sagt die Prinzessin mit einem schmunzelnd-mahnenden Blick in Richtung ihres Prinzen.
Doch ganz so leicht wird es dem frisch gekürten Prinzenpaar von den durchaus umtriebigen Faschingsbären nicht gemacht. Da sich noch ein weiteres Paar um die Krone beworben hatte, fiel die Entscheidung beim traditionellen Krapfenessen. Ein ungenießbares Geschmackserlebnis in gleich doppelter Hinsicht. Denn nicht nur war ein Krapfen mit Senf statt Marmelade gefüllt, sondern die kugelrunden Gebäcke entsprangen auch noch dem Tiefkühlfach eines Discounters. „Es war Sommer und in ganz Grafing hatte kein Bäcker einen Krapfen“, erinnert sich Prinz Julian I. ungläubig. Als „glücklicher“ Senf-Krapfen-Esser-Gewinner umfasst er das folgende Gaumenvergnügen so: „Es war nicht gut – und jeder weitere Biss hat die Sache nicht besser gemacht.“ Ein wahrlich närrischer Einsatz.
Auf das Prinzenpaar, dessen Liebe einst übrigens erst am Bärenball so richtig Fahrt aufgenommen hat, kommt jetzt eine durchaus stressige Zeit zu: Kostümproben, Tanzkurs, Fotoshooting, Auftritte. Jedes Wochenende steht etwas auf dem Terminplan. Organisatorische Unterstützung erhalten Celina I. und Julian I. dabei von ihrem Hofnarren, Pfief dem Schaumigen. Der 32-jährige Sachbearbeiter, auch unter dem bürgerlichen Namen Daniel Bauer bekannt, hatte sich bei den Narrenspielen gegen eine starke Auswahl durchgesetzt – und ist seither der wandelnde Kalender des Prinzenpaares. Nahezu jeden Termin, möge er noch so weit in der Zukunft liegen, hat der Schaumige längst im Hinterkopf.
Das schelmische Organisationstalent hält sein Prinzenpaar damit auf Faschingskurs. Und sollte Prinz Julian I. nach einer durchzechten Narrennacht einmal verschlafen, so klingelt ihn der Schaumige eben einfach aus dem Bett, wohnt er doch sogar im gleichen Haus.