Nach neun Monaten im Frauenhaus: Maria kämpft mit ihrer Familie um die Existenz

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Die Geretsriederin (27) ist völlig überlastet. Auf dem Tisch stapeln sich die Rechnungen, das Geld im Monat reicht kaum für Lebensmittel. (Symbolbild) © Ute Grabowsky/photothek.net/Imago

Die 27-Jährige floh mit ihren Kindern ins Frauenhaus. Nun lebt sie in einer fast leeren Wohnung und hofft auf eine bessere Zukunft.

Zwei Betten, eine Couch und ein kleiner Korb mit Spielsachen: Maria M. steht in ihrer fast leeren Wohnung. Die beiden Räume bieten viele Möglichkeiten – und gleichzeitig keine einzige. Auf dem Tisch stapeln sich die Rechnungen, das Geld im Monat reicht kaum für Lebensmittel.

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Neue Wohnung ist ein Hoffnungsschimmer

Maria M. ist zierlich, aber sie hat kräftige Schultern. Sie stellt sich ihrer schwierigen Situation. Denn: „Es ist besser als sterben.“ Seit dem Sommer hat sie ihre Zwei-Zimmer-Wohnung in Geretsried. Sie ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber noch lange nicht das Happy End.

Eine richtige Ausbildung hat die 27-Jährige nie gemacht. Sie heiratete ihren Traummann, bekam zwei Kinder und hatte einen Teilzeitjob, der sich gut mit der Familie vereinbaren ließ. Das Leben im Münchner Westen war gut. Wäre da nicht die Gewalt gewesen. „Es ist immer schlimmer geworden“, sagt Maria M. Aus Sicherheitsgründen sind ihre persönlichen Angaben geändert.

Ihr Mann liebte Miriam (7) und Elias (5), betont die junge Mutter. Für sie versuchte sie über die Jahre, die Ehe zu retten. „Die Kinder brauchen doch einen guten Vater“, sagt Maria M. Den Kindern tat er nie etwas. Sie schlug er immer öfter. „Ich habe es vor ihnen versteckt, aber am Ende haben sie es doch gemerkt.“ Das Paar stritt über Kleinigkeiten. „Alles, was ich gemacht oder gesagt habe, hat er in den falschen Hals bekommen.“

Zu dritt in einem Zimmer

Vor gut einem Jahr packte Maria M. ein paar Klamotten zusammen und suchte Unterschlupf in einem Frauenhaus in der Landeshauptstadt. Monatelang wohnte sie mit ihren beiden Kindern in einem Zimmer, sah andere Mütter kommen und gehen. „Es war sehr schwer. Wenn wir Freundschaft geschlossen haben, waren sie wieder weg, und wir mussten von vorne anfangen.“

Die Wohnung in Geretsried hat das Frauenhaus vermittelt. Die Miete liegt über dem Betrag, den das Jobcenter zahlt. „Das wird von unserem Essensgeld abgezogen“, erklärt Maria M. Trotzdem ist sie froh, dass ihre kleine Familie endlich etwas gefunden hat, wo sie ankommen kann. Sie hofft, dass ihre Kinder und sie selbst bald Freunde finden. Und dass sie nach und nach ihr Zuhause einrichten kann.

Für die kleine Küchenzeile hat sie sich Geld von einer Freundin geliehen. Außerdem steht noch eine Rechnung für das Frauenhaus aus – die Kosten trägt hauptsächlich das Jobcenter, in den ersten Wochen dort war sie allerdings noch angestellt und muss knapp 2000 Euro selbst zahlen. Ganz oben auf dem Wunschzettel steht ein zweites Kinderbett – solange schläft Elias bei seiner Mutter. Ein Schlafzimmer müssen sich die Drei ohnehin teilen. Die Kinder träumen von ihren Fahrrädern und der Lego-Eisenbahn, die sie früher hatten. Für sich selbst möchte Maria M. nichts haben. Sie ist glücklich über ihren Topf, die Pfanne und die Glühbirnen an der Decke. Richtige Lampen können warten. Sie träumt von einer Ausbildung, um eine vernünftige Arbeit zu finden. „Mit Kindern oder alten Menschen. Das ist mir eigentlich egal. Ich mag alle gerne.“