Landtagswahl in Baden-Württemberg: Ton im Wahlkampf spitzt sich zu – „Gescheiterter Ampelminister“

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Die Nachfolge von Kretschmann wird zum offenen Duell. Özdemir und Hagel treten gegeneinander an. Ein CDU-Spitzenpolitiker mischt sich ein.

Stuttgart – In Baden-Württemberg zeichnet sich ein offener Machtkampf um die Nachfolge von Ministerpräsident Winfried Kretschmann ab. Bei der Landtagswahl am 8. März 2026 treten mit Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) zwei sehr unterschiedliche Spitzenkandidaten gegeneinander an. Hagel kann sich aktuell auf die Parteistärke der CDU im Bundesland stützen und bekommt prominente Unterstützung.

Cem Özdemir, (r, Die Grünen), Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026, spricht bei bei der 35. Mitgliederversammlung des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg bei einer Podiumsdiskussion. Links steht Manuel Hagel (CDU-Spitzenkandidat).
Die beiden Spitzenkandidaten auf dem Podium: Cem Özdemir (Grünen, r) und Manuel Hagel (CDU) (Archivbild). © picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

„Cem Özdemir ist ein gescheiterter Ampelminister, der aus dieser Zeit nichts vorzuweisen hat“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Steffen Bilger (CDU), dem Tagesspiegel. Er ist ebenfalls Vorsitzender des CDU-Bezirks Nordwürttemberg. „Und die Menschen merken, dass er im Wahlkampf ganz anders redet als früher und auch ganz anders als seine Partei.“

„Sie kennen ihn“: Cem Özdemir spielt zur Landtagswahl in Baden-Württemberg auf Beliebtheit

Cem Özdemir, früherer Bundesminister und prominentes Gesicht der Grünen, spielt im Wahlkampf offensiv seine Bekanntheit aus. Auf Wahlplakaten heißt es selbstbewusst: „Sie kennen ihn“. Im Hintergrund ist der noch amtierende Ministerpräsident Kretschmann zu sehen – die Botschaft ist eindeutig: Wer die Realpolitik der Grünen in Baden-Württemberg der vergangenen Jahre fortsetzen will, soll Özdemir wählen.

Kretschmanns pragmatischer Kurs war über Jahre hinweg ein Erfolgsmodell, auch über klassische grüne Milieus hinaus. Özdemir versucht, genau daran anzuknüpfen – in einer Phase, in der die Grünen bundespolitisch weiterhin mit einem Imageproblem nach dem Ende der Ampel-Koalition zu kämpfen haben. Nach den Abgängen von Robert Habeck und Annalena Baerbock sucht die Partei auf Bundesebene weiterhin nach einer neuen Erzählung, die in der Breite Anklang findet.

Im Duell mit Hagel würde Özdemir Stand Oktober 2025 gewinnen. Bei einer fiktiven Direktwahl würden sich 41 Prozent für Özdemir entscheiden, aber nur 17 Prozent für Hagel. Im Vergleich zum Mai 2025 stieg Özdemirs Beliebtheit damit um drei Prozentpunkte. Da der Ministerpräsident allerdings nicht direkt gewählt wird, ist der Ausgang für die neue Ministerpräsidentschaft in Baden-Württemberg noch vollkommen offen.

„Neuer Schwung“: CDU-Sprössling Hagel will sich zur BaWü-Landtagswahl behaupten

Manuel Hagel, 37 Jahre alt und Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, ist landesweit deutlich weniger bekannt als Özdemir (60 Jahre). Von den Grünen ertönt immer wieder die Kritik, Hagel habe zu wenig Erfahrung, um Ministerpräsident zu sein. Bilger verteidigt ihn dennoch entschieden: Hagel habe als Fraktionschef maßgeblich zu einer „konstruktiven und stabilen Zusammenarbeit“ im Land beigetragen und bringe die nötige Expertise für das Amt des Ministerpräsidenten mit.

Er stellte Hagel als Gegenentwurf zu der Kontinuität dar, mit der Özdemir versucht zu überzeugen: „Baden-Württemberg braucht aber neuen Schwung an der Regierungsspitze, nachdem das Land zuletzt zu sehr von seiner Substanz gelebt hat.“ Özdemir kritisierte in der Vergangenheit die „Methode Merz“, die Hagel anwende: Viel versprechen, wenig halten.

CDU liegt in Umfrage zur Landtagswahl Baden-Württemberg vorn – Grüne ist nur Dritte

Im jüngsten Wahltrend zur Landtagswahl in Baden-Württemberg von Infratest/dimap für den SWR und die Stuttgarter Zeitung vom 16. Oktober 2025 liegt die CDU mit 29 Prozent klar vorn. Das könnte Hagel den nötigen Schwung aufs Podest bringen. Die Grünen folgen mit einigem Abstand (20 Prozent), noch davor liegt die AfD mit 21 Prozent. CDU und Grünen hatten in dem Bundesland beide eine Zusammenarbeit mit der AfD abgelehnt. Die SPD liegt bei zehn Prozent, Linke (sieben Prozent) und FDP (fünf Prozent) bilden das Schlusslicht. Das BSW würde mit aktuell drei Prozent in der Umfrage nicht den Sprung in den Landtag schaffen.

Partei Umfragenergebnisse zur Landtagswahl BaWü (Stand: 16. Oktober 2025)
CDU 29 Prozent
AfD 21 Prozent
Grünen 20 Prozent
SPD 10 Prozent
Linke 7 Prozent
FDP 5 Prozent
BSW 3 Prozent
Sonstige 5 Prozent

Fest steht: Winfried Kretschmann tritt 2026 nicht mehr an, und mit ihm endet eine Ära grüner Regierungsführung im Südwesten. Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg finden am 8. März statt. Gewählt werden kann ab 16 Jahren. (Quellen: Tagesspiegel, SWR, dpa, eigene Recherche) (lismah)

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