Traditionell haben die St. Vitus-Schützen Stockdorf, die Hubertusschützen Planegg und die Buchendorfer Raubwildschützen das neue Jahr begrüßt.
Stockdorf – Es gab eine Zeit, da fand das alljährliche Böllerschießen von St. Vitus am Sportplatz des TV Stockdorf statt. Das änderte sich vor genau 17 Jahren. Bei einer Weihnachtsfeier kam man überein, den Veranstaltungsort in Richtung Osten zu verlegen, ans sogenannte Waldbergerl am Ende der Fleckhamerstraße, näher zu den Bürgern. Die Bürgermeisterinnen Brigitte Servatius (Gauting) sowie Christine Borst (Krailling) übernahmen die Schirmherrschaft, und die Hubertusschützen Planegg sowie die Raubwildschützen Buchendorf schlossen sich an. „Seitdem ergänzen wir als Würmtaler Böllerschützen uns sehr gut“, so Ludwig Eulenlehner von St. Vitus.
Am Donnerstag war es wieder so weit. Gegen 16 Uhr kamen die Böllerschützen aus den drei Orten zusammen, um das Neue Jahr auf traditionelle Weise zu begrüßen. Mitgebracht hatten sie neben zwölf Hand- und Schaftböllern auch drei Kanonen. Insgesamt wurde zehnmal geschossen, zunächst Salut (alle zusammen), dann in Reihe, erst schnell, dann langsam. Etwa 100 Zuschauer schauten sich das Ganze an und ließen sich hinterher neben dem Glühwein auch die fränkischen Bratwürste schmecken, die die Stockdorfer Feuerwehr zur Verfügung gestellt hatte.
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Eulenlehner selbst bediente die kleinste der drei Kanonen. Mit ihr verbindet er eine eigene Geschichte: 2006 löste sich wegen Nachwuchsproblemen der Veteranenverein Maria Eich auf. Die wunderschön bestickte Fahne ging ins Planegger Archiv, und genauso wäre es der Kanone aus dem Jahr 1956 ergangen, wenn der 67-Jährige nicht Interesse angemeldet hätte. Kurios: Der vorletzte Schützenmeister von Maria Eich hatte keinen Führerschein, weshalb er die Kanone mit Luftreifen versah und sie auf dem Moped hinter sich herzog. „Das habe ich zurückgebaut und sie wieder aufgemöbelt“, so Eulenlehner. Der Name der Kanone, passend zu Planegg: Lisl. Nach St. Elisabeth.
Der ehemalige Waffenmeister der Polizei macht keinen Hehl daraus, dass der Brauch des Böllerschießens inzwischen von vielen argwöhnisch betrachtet wird. Das kann er auf gewisse Weise nachvollziehen, wenn man sieht, wie leichtsinnig viele Menschen an Silvester mit Feuerwerk und Raketen umgehen. „Ich war einmal wegen der Aussicht am Olympiaberg in München. Aber ich bin sofort wieder gegangen, das konnte ich nicht mitansehen“, erzählt er. Böllerschützen hingegen unterliegen einer ganzen Reihe von Auflagen nach dem Sprengstoffgesetz, die penibel einzuhalten sind. „Wir sind keine verrückten Knaller, wir wollen einfach eine uralte Tradition pflegen.“
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Was viele nicht wissen: Sämtliches technisches Gerät – also auch die Lisl – wird alle fünf Jahre auf Sicherheit geprüft. Zuständig ist das Beschussamt in München, das eine Außenstelle in Schrobenhausen betreibt. Auch bei den Schützen selbst prüfen die Behörden regelmäßig, ob es Gründe gibt, die dagegen sprechen, dass sie ein sogenanntes Knallgerät bedienen. Streng geregelt ist auch die Aufbewahrung des Schwarzpulvers, das am 1. Januar zum Einsatz kommt. „Die Kontrollen sind zum Teil noch strenger als bei scharfen Waffen“, so der Stockdorfer.
Das Neujahrsschießen ist nicht die einzige Gelegenheit, bei der man die Böllerschützen hören und sehen kann. Sei es bei Beerdigungen, Fronleichnamsprozessionen oder beim Maibaum-Aufstellen: Wenn man sie ruft, sind sie zur Stelle und pflegen eine Tradition, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Dabei treten sie stets in ihrer Tracht mit Schützenwesten und Lederhose auf. Ein Muss ist aus praktischen Gründen der Hut: „Wenn die Pulverreste im Haar landen, ist das nicht so angenehm“, scherzt Eulenlehner. Inten werden sie auch „Böllerflöhe“ genannt. Am Dienstag, Heilig-Drei-König, haben die Würmtaler Böllerschützen in Buchendorf ihren Auftritt, und zwar um 16.15 Uhr an der Keltenschanze. Ludwig Eulenlehner und seine Lisl sind auch dabei.