Aßlinger hilft in Sierra Leone: Spendenloch bedroht OP-Einsätze

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„Kämpft wie ein Löwe“: Der kleine Ali leidet an einer unbekannten Krankheit. Laborassistentin Doris kümmert sich um den elfjährigen Buben. © Globolab

Der Aßlinger Nils Niederstebruch war wieder in Sierra Leone im medizinischen Hilfseinsatz. Doch der extreme Rückgang der Spendengelder bereitet ihm große Sorgen.

Im vergangenen November waren die Vereine Orthopedics for the Developing World (ODW) und Globolab wieder auf Hilfseinsatz im westafrikanischen Sierra Leone. Wie schon seit vielen Jahren flogen auch Mediziner und OP-Schwestern aus dem Ebersberger Land mit. In der afrikanischen Subsahara kümmerte sich etwa der Aßlinger Bio-Ingenieur Nils Niederstebruch wieder um zahlreiche unterversorgte Menschen – und so einige Technik-Probleme. Das Ziel: Menschen helfen und einheimische Ärzte sowie Krankenpfleger bei bestimmten Krankheitsbildern unterstützen.

Das Team in Sierra Leone um den Aßlinger Bio-Ingenieur Nils Niederstebruch (rotes T-Shirt), der sich seit vielen Jahren mit der Organisation „Globolab“ nach Afrika reist.
Das Team in Sierra Leone um den Aßlinger Bio-Ingenieur Nils Niederstebruch (rotes T-Shirt), der sich seit vielen Jahren mit der Organisation „Globolab“ nach Afrika reist. © Globolab

Gleich am ersten Tag wartete auf die Mediziner dabei eine besondere Überraschung: „In der Klinikleitung wehte plötzlich ein völlig anderer Wind“, erzählt Niederstebruch in seinem Nachbericht. Während die letzten Klinikleiter den Organisationen „das Leben schwer gemacht haben“, herrschte jetzt ein engagierter, offener Umgang – zur Freude des Hilfseinsatz-Teams.

OP-Leuchten-Drama und viele Patienten

Allerdings machten dafür zwei gespendete OP-Leuchten Probleme: „Ich musste den OP-Saal sperren, da die Lampen jederzeit hätten herunterfallen können“, erinnert sich der Aßlinger. Bei jeweils rund 200 Kilogramm Gewicht wäre eine medizinische Versorgung sonst ein tödliches Unterfangen gewesen. Nur mit größter Mühe habe eine der Lampen später wieder befestigt werden können. „Wir hatten unglaubliches Glück, dass dabei niemand zu Schaden kam“, heißt es im Bericht.

Indessen hatten sich dutzende kranke Menschen nicht einmal drei Euro für den Transport in die Klink leisten können. „Sie kommen dann oftmals viel zu spät“, betont der Globolab-Mitarbeiter. „Dann sind der Arm, der Fuß oder das Bein nicht mehr zu retten.“ Auch in diesem Einsatz wurden wieder Antibiotika-Resistenz-Tests durchgeführt. Dabei stellte das Team ungewöhnlich viele Resistenzen fest – erstaunlicherweise sogar bei einem Antibiotikum, das erst seit kurzer Zeit im Land verfügbar ist, so Niederstebruch. Ältere Medikamente seien hingegen wieder wirksamer geworden.

Bekannte Gesichter und ein Spezialfall

Beim jüngsten Einsatz begegneten die Mediziner wieder einige bekannte Gesichter. Geheilte Patienten, die voller Stolz ihre geschlossenen Wunden vorzeigten. Darunter auch ein Mann, der vor ein paar Jahren mit einer schwer infizierten Bisswunde auf der Brust in die Klinik kam. Mittlerweile war die Wunde vollständig ausgeheilt.

Dennoch: Mit dem 11-jährigen Ali haben die Mediziner einen neuen Spezialfall bekommen. „Der kleine Junge leidet an einer uns unbekannten Krankheit, die sich mit Pusteln auf der Haut manifestiert“, berichtet Niederstebruch. Die Pusteln seien regelmäßig aufgeplatzt, was zu schweren Infektionen führte. „In den Wunden haben wir drei Keime gefunden“, sagt der Aßlinger fassungslos. Glücklicherweise sprang ein Antibiotikum an. Zuvor musste der Bub aufgrund der katastrophalen Wundversorgung aber im OP von eingewachsenen Verbänden befreit werden. „Ali ist tapfer wie ein Löwe, ganz ruhig und für ein Kind unglaublich leidensfähig. Er ist uns sehr ans Herz gewachsen“, schwärmt der Bio-Ingenieur über den Jungen.

Rund 40 Patienten hat Globolab in dem zweiwöchigen Einsatz auf Antibiotika-Resistenzen getestet, viel Proteinpulver für die Wundheilung verteilt, eine OP-Leuchte aufgehängt – „und viel Freude mit der neuen Klinikleitung gehabt“, resümiert der Aßlinger. Allerdings: „Der extreme Rückgang an Spendengeldern macht mich etwas unruhig.“ Nach einer aktuellen Hochrechnung seien die Einsätze der Organisation nur noch für die kommenden drei Jahren finanziell abgesichert. Und: „Großes Einsparpotenzial sehe ich nicht“, sagt der Bio-Ingenieur. Er hofft daher auf mehr Spendenbereitschaft.

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