Die U5-Verlängerung ist jetzt förderfähig und rückt in greifbare Nähe

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Die U-Bahn U5 auf dem Weg nach Neuperlach (hier am Heimeranplatz). © Sigi Jantz

Die U5-Verlängerung nach Ottobrunn kostet rund eine Milliarde Euro. Der Bund könnte bis zu 90 Prozent der Kosten übernehmen.

Ottobrunn – Die Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 von Neuperlach über Neubiberg nach Ottobrunn und Taufkirchen will Weile haben. Doch das Projekt ist in eine greifbare Nähe gerückt. Das wurde jetzt bei einem CSU-Infoabend im Ottobrunner Wolf-Ferrari-Haus deutlich, bei dem rund 170 Besucher von Landrat Christoph Göbel einen Überblick über Planungsstand, Zeitachsen und etwaige offene Fragen erhielten. Aus Sicht von Bürgermeister Thomas Loderer war weniger eine einzelne Trasse von Bedeutung, als vielmehr ein ernstzunehmender Zeitplan, die klare Orientierung auf eine Streckenführung durch Ottobrunn und der Wechsel von Vision zu belastbarer Technik.

Die U5-Verlängerung findet großes Interesse: Das zeigte sich am Abend mit der CSU Ottobrunn, Landrats Christoph Göbel (r,), Bürgermeister Thomas Loderer (l.) sowie Gästen.
Die U5-Verlängerung stößt auf große Resonanz in Ottobrunn: Das zeigte sich am Abend mit der CSU, Landrat Christoph Göbel (r,), Bürgermeister Thomas Loderer (l.) sowie Gästen. © CSU

Das Projekt hat die Phase der Sinnfragen hinter sich gelassen. Durch die geänderte Methodik der sogenannten standardisierten Bewertung gilt die U5-Verlängerung inzwischen als förderfähig. Mehrere Varianten erreichen ein Nutzen-Kosten-Verhältnis über 1,0. Eine Schlüsselzahl, denn damit ist erstmals die formale Voraussetzung erfüllt, um Bundes- und Landesmittel in Anspruch nehmen zu können. Ohne diese Schwelle wäre jede weitere Planung politisch und finanziell kaum zu rechtfertigen gewesen.

Wie die U5 durch Ottobrunn führen könnte

Die Unterschiede zwischen den Varianten liegen vor allem im konkreten Verlauf durch den Ort Ottobrunn. Bei der Ost-Nord-West-Variante würde die Strecke nach dem zentralen Bereich weiter nach Norden ausschwenken und erst anschließend Richtung Campus geführt. Die Varianten Ost-West und Ost-Mitte verlaufen direkter, mit kürzerer Führung zwischen Ortszentrum und dem Bereich des Luft- und Raumfahrtcampus. Abweichungen gibt es vor allem bei der Lage eines zusätzlichen Bahnhofs und bei der Frage, wie eng die Trasse an bestehende Bebauung heranrückt. Welche Linienführung sich am Ende als praktikabel erweist, ist offen.

Inhaltlich ist man mitten in der Klärung. Eine festgelegte Linienführung gibt es nicht. Untersucht werden derzeit drei Trassenvarianten (siehe Kasten und Grafik), die alle eine Ost-Führung haben. „Ost bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die U-Bahn durch Ottobrunn geführt würde und nicht westlich oder mittig am Ort vorbeiläuft“, wie Bürgermeister Thomas Loderer gegenüber dem Münchner Merkur im Nachgang erklärt. Frühere West- und Mittelvarianten gelten als obsolet, weil sie für Ottobrunn kaum Fahrgastpotenzial erschließen würden.

Bislang standen vor allem verkehrliche Fragen im Vordergrund. Jetzt rückt die bautechnische Seite in den Fokus. In einer laufenden Machbarkeitsstudie wird geprüft, welche der verbliebenen Trassen geologisch, technisch und genehmigungsrechtlich am besten umsetzbar ist. Erste Ergebnisse sollen im September vorliegen und zeigen, wo Risiken, Mehrkosten oder technische Hürden liegen könnten.

Dabei spielt auch die lokale Ausgangslage eine Rolle. Ottobrunn gilt aus bautechnischer Sicht als vergleichsweise günstig, wie Bürgermeister Loderer weiter ausführt: „Der Grundwasserstand ist tief, der Untergrund tragfähig.“ Das eröffnet Möglichkeiten für kostengünstigere Bauweisen, etwa in offener Bauweise oder mit kürzeren Tunnelabschnitten. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Länge einer Trasse allein wenig über ihre Kosten aussagt. „Geologie, Bauverfahren und sensible Bereiche entlang der Strecke sind entscheidender als Kilometerzahlen.“

Der Zeitrahmen bleibt dennoch lang gesteckt. Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie folgen Vorplanung, Entwurfsplanung und Genehmigungsplanung. Hinzu kommt ein Planfeststellungsverfahren, das allein mehrere Jahre dauern kann. Ein Planfeststellungsbeschluss wird frühestens für die Mitte der 2030er-Jahre genannt. Loderer: „Von einem baldigen Spatenstich kann also keine Rede sein.“ Er selbst werde ihn als aktiver Ottobrunner Bürgermeister sicher nicht mehr begleiten.

Aber die Weichenstellung will er maßgeblich mitverantworten. Die aktuell genannte Grobkostenschätzung liegt bei rund einer Milliarde Euro. Vorläufig. Bei einer Förderquote von bis zu 90 Prozent wäre der kommunale Eigenanteil überschaubar, setzt aber voraus, dass alle formalen Schritte erfolgreich vonstatten gehen.