Hallenbad in Oberschleißheim droht Schließung – Ist im April schon Schluss?

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Dem Hallenbad in Oberschleißheim droht die Schließung. © G. Förtsch

Die Gemeinde Oberschleißheim kann die Kosten für das Hallenbad nicht mehr stemmen. Eine Arbeitsgruppe suchte vergeblich nach Alternativen zur drohenden Schließung im April.

Oberschleißheim – Als kleiner Bub hat Markus Böck im Hallenbad in Oberschleißheim schwimmen gelernt. Jahrzehnte später steht er als Bürgermeister (CSU) vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Er wird das Hallenbad wohl zusperren müssen – wie es aussieht, bereits zum 1. April diesen Jahres. Der Unterhalt ist zu teuer für die klamme Gemeinde. „In der aktuellen Situation sehe ich keine Möglichkeit, das Hallenbad zu halten“, sagt Böck im Gespräch mit dem Münchner Merkur.

Der Finanzausschuss diskutiert die prekäre Situation kommende Woche ein letztes Mal. Im aktuellen Haushaltsentwurf der Verwaltung scheint die Schließung unausweichlich. Den laufenden Betriebskosten von knapp 730 000 Euro stehen lediglich Einnahmen von 220 000 Euro gegenüber – für das Jahr 2025 bleibt ein Defizit von rund 500 000 Euro, bilanziert Böck. Hinzu komme, dass eine Sanierung immer näher rückt. Dem Schwimmbad aus dem Jahr 1972 droht das Aus.

„Ich weiß nicht, wie lange die Technik noch hält“, sagt Böck. Ausgaben, mal größer, mal kleiner, würden ohnehin immer wieder anfallen. Eine Sanierung – Böck sprach im Gemeinderat vor Weihnachten von etwa 300 000 Euro – scheint zum aktuellen Zeitpunkt nicht stemmbar. Ein herber Schlag für die Oberschleißheimer. Doch nicht nur sie nutzen das Hallenbad.

Zu den Nutzern zählen auch die Schulen und Vereine aus Schleißheim und den Nachbarkommunen Garching, Haimhausen und Karlsfeld (beide Kreis Dachau) sowie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die eigenen Mitarbeiter und auch Rettungsschwimmer. All diese würden ab April vor verschlossener Tür stehen. „Die Alternativmöglichkeiten gehen gegen Null“, sagt Böck. Kapazitäten im Umland seien absolute Mangelware.

In der aktuellen Situation sehe ich keine Möglichkeit, das Hallenbad zu halten.

Auch die Arbeitsgruppe Hallenbad, die in der Ratssitzung vor Weihnachten ins Leben gerufen worden ist, kam in den zwei Treffen seither zu keinem Ergebnis. Laut Böck wurden sämtliche Alternativen und Möglichkeiten geprüft und durchgerechnet. Im Raum standen eine Querfinazierung und ein möglicher Investoreneinstieg für einen Neubau – ohne Ergebnis. Auch eine höhere Kostenbeteiligung der Nachbarkommunen sei nach Rücksprache nicht möglich.

Zudem sei ungewiss, ob die jeweiligen Nutzer weiterhin zahlen, wenn man die Bahnkosten drastisch erhöhe. Auch ein Gebührenanstieg für den einzelnen Besucher wurde dem Rathauschef zufolge diskutiert. Doch die kalkulierten 18 Euro, statt der bisher veranschlagten vier Euro, seien „sozial nicht realistisch“, sagt Böck. Dass das riesige Defizit durch die Gebührenerhöhung gedeckt werden könne, sei schlichtweg utopisch.

Einen allerletzten Hoffnungsschimmer für Oberschleißheims Hallenbad und seine Badegäste gibt es allerdings noch: den Finanzausschuss nächste Woche. „Was sich in den Gesprächen ergibt, wird man sehen“, sagt Böck. Er ist sich der „emotionalen und gesellschaftlichen Bedeutung des Hallenbads“ für seine Kommune und auch darüber hinaus bewusst. „Alle Chancen werden geprüft“, versichert er auf Facebook – das Thema ist „ausdrückliche Chefsache“.

Böck-Vertreter und SPD-Bürgermeisterkandidat Harald Müller hat einen Vorschlag, wie die Gemeinde das Aus verhindern könnte: „Mit einer sicher zumutbaren stärkeren Kostenbeteiligung von Schulen, Vereinen oder gewerblichen Betrieben aus den angrenzenden Kommunen, die bei uns regelmäßig Schwimmbahnen belegen, könnte das Defizit weiter erheblich gesenkt werden.“ Das klare Ziel der SPD: „Wir möchten versuchen, den Betrieb des Hallenbades aufrechtzuerhalten.“ Damit auch künftige Generationen dort schwimmen lernen. Wie einst Bürgermeister Böck.