Professor begeistert 350 Gäste mit Vortrag über Künstliche Intelligenz

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Mehr als 350 Gäste waren am Donnerstagabend ins Tölzer Kurhaus zum Neujahrsempfang der IHK München und Oberbayern, des Wirtschaftsforums Oberland und der Handwerkskammer für München und Oberbayern gekommen. © Karl Bock

Beim IHK-Neujahrsempfang in Bad Tölz ging es um KI-Chancen. Ein KI-generierter Song bildete den überraschenden Höhepunkt des Abends.

Bad Tölz – Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Klaus Josef Lutz an der Spitze der Münchner IHK vom Gastronomen Peter Inselkammer abgelöst wurde, nachdem bei ersterem eine Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft stattgefunden hatte. Beim Neujahrsempfang von IHK-Regionalausschuss, Wirtschaftsforum und Handwerkskammer am Donnerstagabend im Tölzer Kurhaus war das zumindest im offiziellen Teil kein Thema. Von außen betrachtet war der dreistündige Abend ein voller Erfolg, denn mehr als 350 Gäste aus dem Kreisgebiet fanden sich ein. Neben Sekt, Fingerfood und Networking ging es vor allem um den Vortrag von Prof. Dr. Christian Stummeyer aus Ingolstadt über den „Megatrend KI – Chancen für mittelständische Unternehmen und öffentliche Verwaltung“. Nicht wenige Besucher waren überrascht „wie weit sich das Ganze schon entwickelt hat“.

Sprach über den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Unternehmen: Prof. Dr. Christian Stummeyer.
Sprach über den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Unternehmen: Prof. Dr. Christian Stummeyer. © Karl Bock

Handwerker, Freiberufler, Vertreter der Politik, von Behörden, Banken und Sparkasse begrüßte Wirtschaftsforums-Aufsichtsratsvorsitzender Kilian Willibald, darunter Handwerkskammer-Präsident Franz Xaver Peteranderl, viele Landkreis-Bürgermeister und Ehrengäste aus Nachbarlandkreisen. Besonders ging er auf Landrat Josef Niedermaier ein, der bei der Wahl nicht mehr antritt. Willibald wollte seine von großem Beifall begleitete Würdigung von Niedermaiers 18-jähriger Tätigkeit als Landrat aber nicht als Verabschiedung verstanden wissen. Zuvor hatte der Unternehmer bedauert, dass für den Mittelstand anders als für die Industrie von der Regierung keine Rettungsschirme aufgespannt würden, ganz aktuell treibe die Familienunternehmen – in seinem Fall in vierter Generation – die Diskussion um die Erbschaftssteuer um, was heftigen Beifall im Saal hervorrief.

Künstliche Intelligenz unverzichtbar

Mit dem Verweis auf einem Bericht im Münchner Merkur mit dem Titel „KI wird für Unternehmen zum Risiko“ vor etwa einer Woche leitete Willibald zum Hauptthema des Abends über, dem Vortrag von Prof. Dr. Christian Stummeyer, einem der führenden Digitalexperten von der Technischen Hochschule Ingolstadt. Der redegewandte „Prof.“, wie er sich selbst bezeichnete, brannte einen über einstündigen Vortrag ab, der in einem KI-generierten Song zum Motto des Abends endete. Tosender Beifall war dem smarten Berater von Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen sicher. Manchem Zuhörer war schon vorher zeitweise die Luft weggeblieben, als Begriffe wie Google Board, Llama 2 oder OpenAI GPT nur so auf die Ohren niederprasselten, von Reasoning war da ebenso die Rede wie von Textumwandlung in Videos.

Vortrag auch für den Laien geeignet

Dabei war Stummayers lebendiger Vortrag auch für den Laien geeignet und präsentierte anschauliche Beispiele. So ergaben Untersuchungen, dass sich im Jahr 2024 über 60 Prozent der Ehepaare online kennengelernt haben. Längst ist die Künstliche Intelligenz über einfache Antworten hinaus. Waren Chatbots noch die erste Stufe, gefolgt von Reasoners und Agents, strebt man nun Innovators und in drei bis sechs Jahren AGI, die Artificial General Intelligence, an. Dies alles sei, so der Wissenschaftliche Leiter des Bayerischen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz AININ in Ingolstadt, unverzichtbar auch für mittelständische Betriebe, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Den Einwand des Missbrauchs wollte er nicht gelten lassen: „Sie können mit einem Spaten den Garten umgraben oder einen Menschen erschlagen. Das ist bei der KI genau so.“ Er resümierte: „Wir brauchen Mut, Offenheit und Neugierde – und lebenslanges Lernen.“

Zum Abschluss ein KI-Song

War es zuvor um Texte, Bilder, Videos und in einem kurzen Abschnitt auch um Robotik gegangen, so kam es am Ende des Vortrags zu einer Weltpremiere, der Uraufführung eines mit ChatGPT komponierten Songs über Themen des laufenden Neujahrsempfang, einem Popsong, bei dem der Refrain „Bad Tölz, wir gehen gemeinsam voran“ lautete. Der löste trotz seines monotonen Rhythmus und eher bescheidener Aussage Begeisterung im Saal aus.

Eine Diskussion über das Gehörte schloss sich an, nur einige wenige Besucher verließen aber schon vorzeitig den Saal und erfreuten sich nach so viel digitaler Welt an der „echten“ Kälte und einem sternenklaren Himmel im Kurpark von Bad Tölz und versuchten beim Heimgehen, den Kopf wieder frei zu bekommen.