Warum verbergen so viele Häuser in Deutschland tote Katzen?

  1. Startseite
  2. Deutschland
  3. Baden-Württemberg

Kommentare

In Baden-Württemberg stößt man bei Renovierungen immer wieder auf skelettierte Tiere aus vergangener Zeit. Hinter den gruseligen Funden steckt ein grausamer Brauch.

Stuttgart – In Baden-Württemberg häufen sich mysteriöse Funde, die beim Wiederherrichten alter Häuser ans Tageslicht kommen: Allein im Landkreis Ludwigsburg dokumentierte Historikerin Dr. Petra Schad, ehemalige Stadtarchivarin in Markgröningen, 64 Katzenskelette und Katzenmumien in 42 Gebäuden (Stand: November 2024).

Zwei der mumifizierten Katzen fanden Zimmerleute 1999 bei der Sanierung des 1414 erbauten Fachwerkhauses am Marktplatz 2 in Markgröningen. Auch die Eigentümer eines um 1617 fertiggestellten Fachwerkhauses in der Mühlstraße 21 in Vaihingen an der Enz stießen während Instandsetzungsarbeiten auf zwei Katzenmumien. Und im alten Pfarrhaus am Stadtkirchenplatz in Ludwigsburg entdeckten Handwerker ebenfalls tote Katzen, hier waren es drei. Die brüchigen Überreste der kleinen Vierbeiner lagen versteckt hinter Mauern oder unter Dielenbalken – stumme Zeugen eines brutalen Brauchs, wie Wissenschaftler herausfanden.

Opfer sollten das eigene Haus vor Unglück schützen

Wie man heute weiß, handelt es sich bei den Tieren im Fundament um sogenannte „Bauopfer“. Archäologen und Volkskundler bestätigen, dass die Katzen zu diesem Zweck absichtlich eingemauert wurden – nicht nur bei der Errichtung von Wohnhäusern, sondern auch in Kirchen, Burgen oder Brücken. Jeder Neubau forderte im Volksglauben mindestens ein Bauopfer.

Der schaurige Brauch sollte „böse Mächte“ vom neuen Gebäude und seinen Bewohnern fernhalten, und damit Unheil wie etwa einen Brand. Man bettete die Opfer auf angeblich magisch bedeutsame Stellen, wo Hexen- oder dämonische Kräfte der Überzeugung nach eindringen und den Bau hätten schwächen können. Das waren: Türschwellen (heikle Grenze zwischen Innen- und Außenwelt), Kaminböden (ungeschützter Eingang durch den Schornstein), tragende Balken (Zentrum des Hauses).

Viele Tiere warf man lebendig in die Baugrube

Die ersten Bauopfer gab es in der frühen Jungsteinzeit (ca. 6.000 vor Christus), als die Menschen sesshaft wurden. Zumindest bis in die Antike starben für Neubauten noch Menschen. Später milderte man das Ritual ab, nun diente das Leben von Tieren als Ersatzopfer. Mal wurden sie lebendig begraben, mal vorher getötet. Neben Katzen fanden auch Hunde, Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen oder Hühner ihren Weg ins Gemäuer – die meisten in Mittelalter und Neuzeit, aber vereinzelt wurden Tiere noch bis ins 19. Jahrhundert für den Aberglauben ermordet.

Bauopfer: Ein mumifizierter Hund, entdeckt allerdings nicht in Baden-Württemberg, sondern auf Schloss Burgk im Thüringer Schiefergebirge.
Bauopfer: Ein mumifizierter Hund, entdeckt allerdings nicht in Baden-Württemberg, sondern auf Schloss Burgk im Thüringer Schiefergebirge. © Wikipedia/Geisler_Martin/CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0

Sogar Spielkarten dienten als Bauopfer

Er beschränkte sich nicht auf Deutschland. Forscher dokumentieren derartige Funde nicht nur quer durch Europa – in englischen Landhäusern oder spanischen Klöstern – sondern auf der ganzen Welt.

Heute finden sich die ehemaligen Schutzgeister als Ausstellungsobjekte wieder: Immer mehr Museen machen sie der Öffentlichkeit zugänglich. So zeigte etwa das Rheinische Landesmuseum Trier im Jahr 2024 einen römischen Keramikbecher, der Monate zuvor an der Trierer Südallee bei einer Grabung aufgetaucht war. Er enthielt Getreidebrei mit Fischsoße – ein Speiseopfer für die Götter der Unterwelt, das diese gnädig stimmen sollte.

Auch Eier, Geld, Schuhe, Puppen oder Spielkarten dienten als Bauopfer. Offenbar dachte man, dass selbst Götter und Teufel Unterhaltung schätzen.

(Quellen: Rheinisches Landesmuseum Trier, agd-markgroeningen.de, eigene Recherche.)

Sie interessieren sich für Archäologie? Unlängst machte der Fund eines sensationellen Friedhofs in Stuttgart Schlagzeilen, im Folgenden geht es um den weltweit ältesten Schmuck seiner Art, den Archäologen in Baden-Württemberg aufspürten; und hier erfahren Sie von einem Schatz, der im Bodensee entdeckt wurde.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/deutschland/baden-wuerttemberg/warum-verbergen-so-viele-haeuser-in-deutschland-tote-katzen-94139665.html