Ein gutes Viertel der Befragten ist vor der Landtagswahl Baden-Württemberg dafür, dass mit der AfD koaliert wird. Wie sehen das die Parteien?
Stuttgart – Stuttgart – Jeder Zweite im Ländle gegen eine Brandmauer zur AfD: Wenige Wochen vor der Landtagswahl Baden-Württemberg ist jeder Zweite in dem Bundesland einer Umfrage zufolge offen für eine Zusammenarbeit anderer Parteien mit der AfD. Die Hälfte der Befragten sprach sich in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa für verschiedene Formen der Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten aus.
BW-Landtagswahl 2026: Ein Viertel in Umfrage für Zusammenarbeit mit der AfD
Knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) gab an, andere Parteien sollten von Fall zu Fall entscheiden, wie sie mit der AfD umgehen wollen und bei einzelnen Fragen oder Gesetzesvorhaben mit der AfD zusammenarbeiten. Gut ein Viertel (26 Prozent) der Befragten sprach sich sogar dafür aus, dass die Parteien generell bereit sein sollten, mit der AfD Koalitionen einzugehen. 42 Prozent der Befragten lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD generell ab. Acht Prozent hatten keine Meinung zu der Frage.
Ähnliche Ergebnisse hatte im Februar 2025 eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des SWR erbracht. Damals war die Zustimmung zur Brandmauer mit 47 Prozent noch etwas höher als jetzt – und auch schon damals zeigte sich rund die Hälfte der Befragten offen für eine Zusammenarbeit anderer Parteien mit der AfD.
Vor Baden-Württemberg-Wahl: Parteien im Südwesten schließen Zusammenarbeit mit AfD aus
Die Parteien im Südwesten stehen allerdings fest zur Brandmauer gegenüber der AfD. Alle relevanten Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der Partei, die im Südwesten vom Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, bereits ausgeschlossen. Die Rechtspopulisten, die in aktuellen Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 20 Prozent auf Platz 3 kämen, dürften also die größte Oppositionsfraktion werden.
Die AfD tritt in Baden-Württemberg mit ihrem Landeschef, dem Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier, zur BaWü-Landtagswahl an. Der 34-Jährige bezeichnet sich selbst als „Ministerpräsidentenkandidat“, hat aber eigentlich keine Chancen auf den Posten an der Spitze der Landesregierung. Sollte er nicht Regierungschef werden, was nur mit einer absoluten Mehrheit der AfD möglich wäre, will er seinen Job als stellvertretender Fraktionschef der AfD im Bundestag in Berlin behalten. Für den Landtag kandidiert er nicht.
Umfrage zur BW-Landtagswahl 2026: Wenig Zustimmung für konkrete Koalitionen
Auch bei der Frage, welche Koalitionen die Befragten nach der Landtagswahl bevorzugen würden, schneidet eine Zusammenarbeit mit der AfD gar nicht so schlecht ab. Demnach würde jeder fünfte Befragte nach der Wahl eine Koalition zwischen CDU und AfD bevorzugen. Die CDU hat diese rechnerisch wohl mögliche Zusammenarbeit jedoch wiederholt kategorisch ausgeschlossen.
Eine Zusammenarbeit von CDU und Grünen, die nach aktuellen Umfragen sonst die einzig rechnerisch mögliche wäre, ist mit 21 Prozent nur leicht beliebter. Wenig Zustimmung bei den Befragten bekommen die derzeit rechnerisch eher unrealistische Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP (13 Prozent) und die Ampel aus Grünen, SPD und FDP (7 Prozent). Viele Befragte wünschen sich dagegen keine der genannten Koalitionen oder haben keine Meinung zu der Frage.
Vor Baden-Württemberg-Wahl: Mehr als jeder Vierte findet FDP im Landtag wichtig
Für die FDP, die in Umfragen derzeit nur ganz knapp über der Fünf-Prozent-Hürde liegt, gibt es dennoch etwas Hoffnung. Grundsätzlich findet es mehr als jeder vierte Befragte (28 Prozent) wichtig, dass die Partei auch im neuen Landtag vertreten ist. Wählen würden die Liberalen Umfragen zufolge aber derzeit deutlich weniger Menschen. 62 Prozent der Befragten wäre es dagegen wenig oder überhaupt nicht wichtig, dass die Partei in ihrem Stammland auch weiterhin im Parlament vertreten ist.
Für die repräsentative Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov vom 14. bis 22. Januar 1.028 Wahlberechtigte ab 16 Jahren in Baden-Württemberg. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,3 und 3,1 Prozentpunkten. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. (Quelle: dpa) (frs)