Die Initiative will mehr Frauen für die Politik gewinnen. In Bayern sitzen nur in zehn Prozent der Rathäuser Bürgermeisterinnen.
Landkreis – „Kommunalpolitik macht Spaß, sich zu engagieren bringt was, weil man etwas bewegen kann.“ Mit dieser Botschaft beschloss die Anzinger Bürgermeisterin Kathrin Alte ihren Vortrag im Café „Stimmt So“. Nach Hebertshausen war Alte nicht als Rathauschefin gekommen, sondern als Mitinitiatorin der überparteilichen Initiative „Bavaria ruft“. Ziel dieser 2024 gegründeten Aktion ist es, mehr Frauen für eine Engagement in der Kommunal- und Landespolitik zu motivieren. „Denn Frauen sind zwar gleichberechtigt, aber in der Politik nicht gleichermaßen vertreten“, sagte Alte.
Nur eine einzige Bürgermeisterin
Ein Blick in die Rathäuser im Landkreis Dachau bestätigt, dass Frauen bisher unterrepräsentiert sind in der Kommunalpolitik: Aktuell gibt es keine Bürgermeisterin, in den zurückliegenden Jahrzehnten war erste und bisher einzige Rathauschefin von 2002 bis 2008 Elisabeth Kraus in Petershausen. Bei der anstehenden Kommunalwahl streben sechs Frauen auf den Chefsessel im Rathaus, nämlich Johanna Baumann (CSU, Röhrmoos), Sabine Decker (SPD, Röhrmoos), Romy Kauschinger (Linke, Dachau), Tanja Lademann (Team Zukunft, Altomünster), Susanne Strauß (Grüne, Petershausen) und Dagmar Wagner (Wählergemeinschaft Eisolzried-Lauterbach-Kreuzholzhausen, Bergkirchen).
Auf ihrer „Roadshow“ machte die Initiative jetzt auch Station in Hebertshausen. Dort waren unter den gut 30 fast ausschließlich weiblichen Gästen viele Kandidatinnen aus dem Landkreis Dachau, die sich am 8. März um ein kommunalpolitisches Ehrenamt bewerben.
Nur in zehn Prozent der bayerischen Rathäuser sitzt eine Bürgermeisterin
Warum es die Initiative „Bavaria ruft“ überhaupt braucht? Weil nur in zehn Prozent der bayerischen Rathäuser eine Bürgermeisterin sitzt, der Frauenanteil in den Stadt-, Kreis- und Gemeinderäten gerade einmal 27 Prozent beträgt, informierte Mitinitiatorin Alte in einem engagierten Impulsvortrag. Wenn es im aktuellen Tempo weitergehe, dauere es noch 400 Jahre bis gleich viele Frauen wie Männer in den Rathäusern vertreten seien. „Dafür hat die Demokratie keine Zeit.“ Für die Kommunalwahl sind die Listen bereits aufgestellt, „aber die Bewerberinnen müssen noch gewählt werden“. Also gab Alte Tipps, wie Kandidatinnen ihre Netzwerke nutzen, Kontakte aufbauen, ihre Themen und sich als Bewerberin im Ort stärker bekannt machen. Sie bestärkte die Kandidatinnen im Raum, „zu zeigen, was man tut“. Die Initiative „Bavaria ruft“ biete „Vernetzung, Unterstützung und Empowerment“ unter dem Motto: „Gemeinsam sind wir stärker.“
Frauen, die sich politisch engagieren, unterstützt auch die Initiative „Frauen in die Politik“, die Mitinitiatorin Marlene Greinwald vorstellte. Und die Dachauer Bezirksrätin Stephanie Burgmaier (CSU) erklärte, warum der Landkreis in Sachen Beteiligung der Frauen „um Jahre voraus ist“. Weil es nicht nur den interfraktionellen Frauentreff im Dachauer Kreistag gibt, sondern auch die Möglichkeit für paritätisch besetzte Doppelspitzen bei den Fraktionen im Kreistag. „Da sind wir in Bayern die ersten und einzigen, das hat sich etabliert.“
Bei einem Podiumsgespräch stellten dann die drei Bürgermeisterkandidatinnen Johanna Baumann (CSU, Röhrmoos), Sabine Decker (SPD, Röhrmoos) und Dagmar Wagner (Wählergemeinschaft Eisolzried-Lauterbach-Kreuzholzhausen) sowie die Bergkirchner Kreistagskandidatin Karin Beittel (Grüne) ihre Vita, ihre Motivation und ihre Wahlprogramme vor. „Haben Sie das Gefühl, man bewegt was?“, lautete eine der Fragen aus dem Publikum. Durchaus, waren sich die vier Bewerberinnen einig. Weil es bei Kommunalpolitik stets um Dinge geht, die direkt vor der Haustür sichtbar sind. Wie wollen die Bewerberinnen die Demokratie stärken? „Miteinander reden und das Miteinander stärken“, sagte Karin Beittel. Gremien wie der runde Tisch Seniorenarbeit seien wichtig, so Sabine Decker. Mit den Bürgern im Gespräch sein, ihnen das Gefühl geben, „gehört und wertgeschätzt zu werden“, betonte Dagmar Wagner. Es gelte, hinter den Entscheidungen zu stehen und diese zu transportieren, erklärte Johanna Baumann.
Weitere Nachrichten aus der Region Dachau lesen Sie hier.