Zoff um berühmte Alpen-Berghütte: Millionen-Investition in Südtirol lässt Wogen hochgehen

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Die Förderung für eine Berghütte mit einem historisch belasteten Namen sorgt in Südtirol für Aufruhr. Laut zuständigen Stellen ist eine Sanierung aber unumgänglich.

Bozen – Hoch oben in den Sextner Dolomiten, wo täglich bis zu 2.000 Wanderer den spektakulären Blick auf die Drei Zinnen genießen, brodelt ein Konflikt, der weit über die Berggipfel hinausreicht. Die geplante Millionen-Investition in die dortige Schutzhütte lässt die Wogen zwischen Politik und Traditionsvereinen hochgehen.

Die Dreizinnenhütte.
Die Dreizinnenhütte sorgt für Aufsehen. © IMAGO/imageBROKER/Michael Weber

Fast vier Millionen Euro will das Land Südtirol in die Infrastruktur der Dreizinnenhütte investieren. Das Geld fließt laut Rai Südtirol in Abwasserleitungen, Stromversorgung und Glasfaseranschluss über eine 4,8 Kilometer lange Trasse. Was nach einer normalen Modernisierung klingt, entpuppt sich als Politikum mit historischen Dimensionen.

Abwasser-Problem wird zur politischen Bombe in Südtirol – Millionen-Entscheidung

Der Südtiroler Schützenbund schlägt Alarm. Landeskommandant Christoph Schmid stellt kritische Fragen: „Wieso wird – im Vergleich zu den Ausgaben für andere lokale Hütten – für eine Hütte der Cai-Sektion Padua so viel Geld ausgegeben?“ Zuletzt gab es in Südtirol auch Aufregung um ein Tageslimit.

Die Hütte trägt einen Namen, der für viele Südtiroler schmerzt: Rifugio Antonio Locatelli. Antonio Locatelli war faschistischer Politiker und Militärpilot, der im Abessinienkrieg eingesetzt wurde und vom faschistischen Regime propagandistisch als Held gefeiert wurde. Die ursprünglich 1883 vom Deutsch-Österreichischen Alpenverein errichtete Hütte wurde nach dem Ersten Weltkrieg enteignet und dem italienischen Alpenverein CAI Padua übertragen. Darüber berichtet die Neue Südtiroler Tageszeitung.

Föderung der Drei Zinnen Hütte „schwer nachvollziehbar“ – Land verteidigt Finanzierungsmodell

Christoph Schmid bringt das Dilemma laut Südtirol News auf den Punkt: „Gerade vor diesem historischen Hintergrund ist es schwer nachvollziehbar, warum ausgerechnet eine Hütte mit dieser belasteten Geschichte und im Eigentum einer CAI-Sektion außerhalb Südtirols in einem solchen Ausmaß aus Landesmitteln gefördert wird.“

Die Landesregierung wehrt sich gegen die Vorwürfe. Ressortdirektor Daniel Bedin erklärt die Kostenaufteilung: „Das Land 1,5 Millionen Euro, Edyna 1,8 Mio. Euro, Cai Padova 600.000 bis 700.000 und die Gemeinde Sexten den Rest“. Entscheidend sei der Standort auf Südtiroler Boden, nicht der Eigentümer.

Tourismuslandesrat Luis Walcher betont das Umweltthema als Hauptgrund. Das Abwasserproblem habe Priorität gehabt, da die veraltete Kläranlage aus dem Jahr 2001 den steigenden Besucherzahlen nicht mehr gewachsen ist. Georg Simeoni, Präsident des Südtiroler Alpenvereins, sieht eine politische Dimension: „Es ist insofern eine politische Entscheidung, als dass man auch andere Hütten entsprechend fördern könnte, die den Sektionen des Alpenvereins oder des CAI in Südtirol gehören“.

Ungleichbehandlung sorgt für Unmut

Der Schützenbund kritisiert, dass heimische Alpenvereinshütten bei ähnlichen Projekten deutlich geringere Zuschüsse erhalten. Schmid wirft der Politik vor: „Wer Millionen an Steuergeld in eine Hütte investiert, die einem Verein außerhalb Südtirols gehört, einen offen faschistischen Namensgeber trägt und bis heute nicht bereit ist, ihre Geschichte kritisch aufzuarbeiten, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, politisch blind oder bewusst geschichtsvergessen zu handeln.“ Die Bauarbeiten sollen trotz der Kontroverse 2026 beginnen. (Quellen: Rai Südtirol, Die Neue Südtiroler Tageszeitung, Südtirol News) (cgsc)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/zoff-an-beruehmter-berghuette-millionen-investition-an-dolomiten-denkmal-94137921.html