Trotz Gesprächen zum Ende des Ukraine-Kriegs will Kiew weiter mobilisieren. Denn schon jetzt sind Putins Verluste an der Front höher als auf ukrainischer Seite.
Kiew – Während die ersten direkten Gespräche zwischen Kiew und Moskau seit Monaten in Abu Dabhi begonnen haben, gehen die Kämpfe an der Front in unverminderter Härte weiter. Das strategische Ziel der ukrainischen Streitkräfte sei es, „jeden Monat 50.000 Russen zu töten“, kündigte Gouverneur Iwan Fedorow zum Beginn der Woche in einer Presserunde an.
„Letzten Monat haben wir 35.000 getötet, all diese Verluste sind durch Videoaufnahmen dokumentiert“, zitiert ihn Kyiv Independent. „Wir werden sehen, wie gut der Feind monatliche Verluste von 50.000 wegsteckt. Für die Russen sind Menschen nur eine Ressource und die ersten Engpässe sind schon sichtbar.“
Trotz Ukraine-Gesprächen in Abu Dhabi: Kiew kündigt neue Offensive gegen Putin an
Laut dem Generalstab der Streitkräfte der Ukraine starben allein am Donnerstag (22. Januar) 1280 russische Soldaten. Hochgerechnet auf den Januar mit 31 Tagen, ist es realistisch, dass zirka 39600 russische Soldaten im ersten Monat dieses Jahres an der Ukraine-Front sterben könnten.
Die Mobilisierung gegen Russland bestätigte parallel zu den laufenden Verhandlungen mit den USA über ein mögliches Kriegsende auch der ukrainische Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj in einem Interview. Es gebe Erfolge bei der Mobilmachung und der Ausrüstung der ukrainischen Soldaten, sagte Syrskyj in einem Interview des Medienportals LB.ua. Die Ergebnisse seien besser als noch vor sieben Monaten.
Syrskyj geht demnach davon aus, dass Russland sich weiter die gesamte Ukraine einverleiben wolle. „Daher werden wir entsprechend Offensivoperationen durchführen“, sagte er. Die strategische Verteidigungsinitiative sei notwendig, weil die Ukraine allein durch Verteidigung keinen Sieg erringen könne. Ziel sei es, den Feind Russland zu einem noch höheren Aufwand bei Personal, Munition und Bewaffnung zu bringen.
Kiews Armeechef zieht Bilanz: Russlands Verluste im Ukraine-Krieg steigen an
Schon jetzt seien die Verluste der Russen bei den Kämpfen höher als auf ukrainischer Seite. Syrskyj schrieb in einer Bilanz für 2025, es sei gelungen, kritische Durchbrüche des Gegners zu verhindern. Seiner Einschätzung nach schalte seine Armee jeden Monat mehr russische Soldaten aus, als Moskau mobilisieren könne. Zugleich habe die ukrainische Armee die eigenen Verluste um 13 Prozent verringern können, schrieb Syrskyj ohne nähere Erläuterung.
Diese Zahlen des Militärs sind nicht im Detail überprüfbar; sie liegen aber über dem Durchschnitt der täglichen Berichte und deuten auf intensive Kämpfe hin. Vor allem in der Ostukraine gehen diese in aller Härte weiter. Durch russische Drohnenangriffe sind am Freitag (23. Januar) in der Ostukraine mindestens vier Zivilisten getötet worden, darunter ein fünfjähriger Junge.
Weitere fünf Menschen seien verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft des Gebiets Donezk auf Facebook mit. Zu den verletzten Opfern in der Ortschaft Tscherkaske im Landkreis Kramatorsk zählten drei Minderjährige. Die Siedlung ist gut 35 Kilometer von der Frontlinie entfernt.
Geschätzte Verluste von Russland im Ukraine-Krieg – ein Überblick
| Russlands Verluste | Quelle |
|---|---|
| 1.232.090 Tote und Verwundete | Generalstab in Kiew |
| 264.300 bis 374.900 Tote | BBC News |
| 163.606 Tote (verifiziert) | BBC News und Mediazona |
| 1.140.000 Tote und Verwundete | Britischer Geheimdienst |
| 984.000 bis 1.438.000 Tote und Verwundete | The Economist |
Der „Donbass ist eine Schlüsselfrage“: Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi haben begonnen
Das Gebiet Donzek liegt im Donbass. Und dieses Gebiet könnte bei den Gesprächen zwischen der Ukraine und Russland in der Hauptstadt des Golfstaats, Abu Dhabi, der Knackpunkt sein. In den Gesprächen geht es im Kern darum, ob die Ukraine sich auf die russische Bedingung für einen Waffenstillstand einlässt und sich aus dem noch von Kiew kontrollierten Teil in der ostukrainischen Industrieregion Donbass zurückzieht.
„Die Frage des Donbass ist eine Schlüsselfrage“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor den Verhandlungen. Auch der Kreml nannte den Donbass als wichtigsten Punkt. Washington unter Donald Trump drängt die Gegner Russland und Ukraine seit Monaten zu einem Ende des Kriegs. Moskau erhebt unter anderem Anspruch auf das gesamte Gebiet Donezk, das es nur zu knapp 80 Prozent kontrolliert. Kiew lehnt einen freiwilligen Abzug ab. Das Gebiet Donezk und das benachbarte Gebiet Luhansk, das russische Truppen fast vollständig kontrollieren, werden als Donbass bezeichnet.
Geführt werden die Gespräche von ukrainischer Seite vom Sekretär des Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, und dem neuen Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Budanow. Russlands Präsident Wladimir Putin entsandte für Sicherheitsfragen den Leiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow, und andere Militärs. (Quellen: Kyiv Independent, Eigene Recherche, dpa) (bg)