Sieben Kandidaten stellten sich den Fragen der Dachauer Nachrichten. Bei der AfD-Frage zeigten sich deutliche Unterschiede.
Dachau – Wer macht am 8. März das Rennen um das Dachauer Rathaus? Amtsinhaber Florian Hartmann (SPD) hat sechs Herausforderer: Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau + Volt), Markus Erhorn (FW Dachau), Christian Hartmann (CSU), Romy Kauschinger (Die Linke), Martin Modlinger (Grüne) und Jürgen Schleich (ÜB). Sie alle stellten sich nun erstmals gemeinsam bei der großen Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten vor. Zweieinhalb Stunden lang hatte das Publikum Zeit, sich am Donnerstag im ASV-Saal einen Eindruck von Dachaus Oberbürgermeister-Kandidaten zu verschaffen. Rund 400 Besucher verfolgten den Schlagabtausch vor Ort im ASV-Saal, weitere 3000 nutzten die Live-Übertragung ins Internet, um sich ein Bild zu machen.
Während die Kandidaten zu Beginn die lockere und eher kreative Aufgabe hatten, das Dachauer Wappen zu zeichnen, wurden die wichtigsten Themen für Dachau von den Besuchern im Saal via Smartphone abgefragt: Zu Verkehr, Wohnen, MD-Gelände konnten die Kandidaten im Anschluss reihum ihre Meinung und Vorschläge abgeben. Einen Bericht über diese Themenblöcke gibt es auf Lokalseite 3.
Die Besucher waren gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion gefragt. Via Smartphone wurde ermittelt, welche Themen die wichtigsten sind. In der Prioritätenliste erschienen die Themen Verkehr und Wohnen und MD-Gelände, aber auch Altstadtbelebung und Kultur tauchten auf. Im Großen und Ganzen herrschte Einigkeit unter den Kandidaten.
Verkehr
Das Verkehrsproblem der Stadt Dachau allerdings wollen die Kandidaten auf unterschiedliche Art in den Griff bekommen: Während Eisenmann dafür plädiert, die Alternativen zum Auto zu stärken, bleibt für Erhorn das Auto das „wichtigste Verkehrsmittel“. Er will die Ostumfahrung und die Unterführung am Stadtbahnhof vorantreiben und Parkplätze bauen. Gleiches fordert Christian Hartmann, der ein Gesamtverkehrskonzept will. Kauschinger will den ÖPNV stärken, den Busbahnhof „größer machen“. Modlinger setzt sowohl auf Radwege, ÖPNV und Autoverkehr – aber alles muss „sicher und zuverlässig“ funktionieren. Jürgen Schleich schlägt vor, mit Nachbargemeinden Konzepte zu entwickeln, um das Nadelöhr Dachau vom Hinterland-Verkehr zu entlasten.
Altstadt
Größeren Raum in der Debatte nahm das Thema „Altstadt“ ein, von Wiederbelebung bis hin zu den Leerständen. „Wir haben ein Aufenthaltsqualitätsproblem“, analysierte Eisenmann. Das lasse sich lösen, wenn man Parkplätze eliminiert. Erhorn und Christian Hartmann bescheinigten der Altstadt ein „Leerstandsproblem“ und kritisierten die städtische Wirtschaftsförderung als untätig. Dem Oberbürgermeister wurde es zu bunt. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Altstadt nicht schlecht reden.“ Ja, es gebe ein paar Leerstände, aber „wir haben kein Problem!“ Er listete Pop-up-Konzepte, Ausschankflächen und den wiederbelebten Biergarten auf. Und auch die Wirtschaftsförderung sei besetzt, es gebe einen regelmäßigen Austausch. Dem hatte niemand etwas entgegenzu㈠setzen.
Wohnraum
Ein weiteres wichtiges Thema, nicht nur für die Besucher, sondern auch für die Kandidaten: Bezahlbaren Wohnraum wollen sie alle schaffen. Wo und wie? Erhorn fordert zusätzlich zu mehr Wohnraum auf dem MD-Gelände ein „vernünftiges Eigenheimmodell für junge Dachauer“. Christian Hartmann findet es wichtig, private Leute zu fördern, die für ihre Kinder bauen wollen – „und dafür haben wir den Bauturbo“. Kauschinger plädiert für Nachverdichtung und will auf die Mietpreisbremse achten, während Modlinger die Nachverdichtung und das Aufstocken bei der Stadtbau und genossenschaftlichen Wohnungsbau für das Mittel der Wahl hält. Auch Schleich stimmte für Nachverdichtung. Eisenmann hat den Leerstand im Visier und möchte Eigentümern helfen, diesen zu vermieten. Der Oberbürgermeister warf mit Zahlen um sich, wie viele Wohnungen derzeit von der Stadtbau geschaffen werden, insgesamt seien es nun 1345. Zudem gebe es Regularien, mit denen Investoren zu gefördertem Wohnraum verpflichtet werden.
MD-Gelände
Vom bezahlbaren Wohnraum ging es direkt zum MD-Gelände, wo eben dieser auch geschaffen werden soll. Auch hier hatten die Besucher Gelegenheit, abzustimmen. Die ersten drei Plätze belegten: Wohnungen für Normalverdiener, Bildungs- und Kulturangebote und Gewerbe, wobei Grün- und Naturflächen als gesetzt gelten. Eisenmann allerdings sieht das MD-Gelände weiterhin als Gewerbegebiet, auch Schleich würden das beschlossene Verhältnis Wohnen 60 Prozent und Gewerbe 40 umdrehen. Hartmann hält aber an dem „gesunden Mix“ fest.
Kulturstadt
Das Thema Kultur kam unter anderem in den Leserfragen auf: Was unternehmen die Kandidaten in den kommenden fünf Jahren, um Dachau als Kunst- und Kulturstadt lebendig werden zu lassen? Alle sieben Kandidaten waren sich einig auf dem Podium: Kultur müsse weiterhin finanziell gefördert werden.
Die Frage nach der Brandmauer
Bei der Fragerunde mit grünen Ja- und roten Nein-Daumen kamen ein paar Unterschiede ans Tageslicht – durchaus pikante: „Um ein Projekt, das Ihnen am Herzen liegt, im Stadtrat durchzusetzen, bräuchten Sie die Stimmen der AfD-Räte. Halten Sie an dem Projekt fest?“, fragte DN-Redakteurin Stefanie Zipfer. Fünf rote Daumen, zwei grüne gingen in die Höhe. Christian Hartmann erklärte sein „Ja“: „Wenn es für Dachau ein super Projekt ist, warum nicht gemeinsam abstimmen?“ Genauso Erhorn: „Wenn wir ein gutes Projekt haben und die AfD stimmt mit, können wir nichts machen.“ Florian Hartmann, der der ohne zu zögern ein rotes „Nein“ in die Luft hielt, sagte klipp und klar: „Das wird es nicht geben – weil ich immer die besseren Projekte haben werde als die AfD.“ Genauso stimmten Modlinger, Schleich, Kauschinger und Eisenmann dagegen. „Die AfD ist nur darauf aus, dass Hass und Zwietracht gesät wird“, so Eisenmann.
Einigkeit herrschte bei der Frage, ob Dachau familienfreundlich ist: Alle stimmten mit Ja. Und alle Kandidaten sind davon überzeugt, dass Dachau auch in zehn Jahren noch ein guter Ort für Hobbysportler ist.
Unbequeme Fragen an die Kandidaten
Ins Schwitzen kamen die Kandidaten bei den unbequemen Fragen. Dem Amtsinhaber wurde seine Bilanz vorgelegt: Hallenbad, Zieglerbräu, MD-Gelände, Schranne – gefühlt wird nichts fertig. Aber Dachau hat neue Ampelmännchen – der einzige Erfolg der vergangenen sechs Jahre? Ein Lacher ging durchs Publikum. Hartmann ging kurz auf die Projekte ein: das Hallenbad, das ihn viele graue Haare gekostet hätte, aber diesen Herbst fertig werde, MD-Gelände sei auf dem Weg, und für den Zieglerbräu werde ein Investor gesucht.
Eisenmann habe jahrelang seine Kollegen im Stadtrat mit Radwegebau traktiert – und brüste sich nun als ideologiefreier Kandidat für alle. „Sollen wir Ihnen das abnehmen?“, so die Moderatorin. Eisenmann wies jede Ideologie von sich. Er fahre nur eben viel Rad.
Erhorn hat seinen einzigen Parteifreund im Stadtrat verloren. Die Frage an ihn lautete, ob die Freien Wähler ein Imageproblem haben – oder warum ihn keiner möge? Nach einer Werbung für seine Liste berichtete Erhorn, dass Wolfgang Moll ihn mit offenen Armen für eine Ausschussgemeinschaft empfangen habe.
Christian Hartmann wurde nach seinen eigenen Ideen der verfangenen sechs Jahre gefragt. Hartmann erklärte, dass er sich sehr stark in seiner Fraktion eingebracht habe. Auf die Nachfrage nach den Themen sagte Hartmann, dass er „in allen Themen immer voll motiviert“ dabei gewesen sei. Romy Kauschinger, die nach eigenen Angaben links, katholisch, queer ist, überfordere die Dachauer damit keineswegs, wie sie erklärte. Sie lebe seit 2004 in Dachau und sei überall integriert.
Warum er verlieren will, wurde Modlinger gefragt, der als promovierter Historiker doch sicher weiß, dass man in Oberbayern als Grüner nix wird. Modlinger setzt auf seine Erfahrung, auch die, dass er von Hartz IV gelebt hat. Und bei der Wahl zum Oberbürgermeister komme es nicht auf die Partei an, sondern auf die Person. Ob es in Dachau die ÜB überhaupt noch braucht– weil sie im Meer der Parteien und Gruppierungen untergeht. Diese Frage ging an Schleich: „Ja! Wir haben kein Parteibuch hinter uns und stimmen den Projekten zu, die für uns einen Mehrwert für Dachau haben.“
Am Ende durften die Kandidaten noch ihre gezeichneten Wappen präsentieren sowie ein Schlusswort an die Zuschauer vor Ort und im Internet richten. Welche Kunst am besten überzeugte, lag – wie auch in der Politik – im Auge des Betrachters.
Abstimmung am Ende
Am Ende wurden erneut die Besucher um ihre Stimme gebeten: Welcher Kandidat hatte sie bei der Podiumsdiskussion am meisten überzeugt? Das Ergebnis , das natürlich lediglich eine Momentaufnahme darstellt: Florian Hartmann vor Christian Hartmann vor Martin Modlinger.