„Ich kann, ich will, ich werde“: Bäuerinnen sollen selbstbewusster sein

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Warten auf den Auftritt: Landwirtinnen aus dem Landkreis Ebersberg zeigten in der Grafinger Stadthalle bäuerliche Mode aus mehreren Jahrzehnten. © Stefan Rossmann

Die Publizistin Sabine Kronberger aus Oberösterreich ermunterte die Landfrauen mit dem Leitsatz „Ich kann, ich will, ich werde". Männer bekamen dabei einige Seitenhiebe ab.

Grafing – „Gerne Frau sein, gerne Bäuerin sein”: Dazu ermunterte die Publizistin Sabine Kronberger aus Oberösterreich die zahlreichen Landwirtinnen, die am Freitag zum Landfrauentag in die Grafinger Stadthalle gekommen waren. Die Referentin selbst ist Bäuerin, darüber hinaus als Journalistin tätig, hat eine Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert, imkert nebenbei und arbeitet auch als Moderatorin. Wortgewandt wie sie deshalb ist, servierte sie charmant verpackt den Landfrauen kleine Wahrheiten aus dem täglichen Leben, die bei den Zuhörerinnen für befreites Gelächter, bei den Herren aber eher für ertappte Mienen und leichte Proteste sorgten.

Den Spruch, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau stehe, die ihm den Rücken frei halte, ließ Kronberger jedenfalls nicht gelten. „Bei uns stehen Mann und Frau gleichberechtigt nebeneinander und schauen in die gleiche Richtung“, sagte sie über ihre Auffassung von Gleichberechtigung, die auch und gerade auf einem Bauernhof gelte.

Seitenhiebe auf die Männer sorgen für Heiterkeit

Kreisbäuerin Barbara Kronester freute sich über das rege Interesse am Landfrauentag. Das Jahr 2026 ist von den Vereinten Nationen zum Jahr der Bäuerin erklärt worden. Das war für Kronester Anlass, die Rolle der Frau auf den Bauernhöfen im Landkreis Ebersberg einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Dass die Männer im Vortrag von Kronberger manchen Hieb abbekamen, wurde von den Landfrauen mit großer Heiterkeit quittiert.

Kronberger ermunterte die Bäuerinnen dazu, selbstbewusster aufzutreten. „Landfrauen haben Dinge gelernt, die andere nicht einmal kennen“, sagte sie. „Was Ihr gut könnt, das sind eure Talente”, forderte Kronberger dazu auf, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und dabei nicht ständig an sich selbst zu zweifeln. „Seid dankbar und gütig mit euch selbst.“ Eine Frau könne alles, was sie wolle. „Wir können alles lernen, so wie Männer auch alles können“, sagte sie. Einen Leitsatz legte die Referentin den Landfrauen besonders ans Herz, und der lautet: „Ich kann, ich will, ich werde.“ Der Landfrauentag sei eine Gelegenheit, „in der Gemeinschaft Kraft zu tanken”.

„Ich bin froh, dass ich nächstes Jahr nicht mehr Kreisbäuerin bin“, meinte BBV-Kreischefin Kronester nach dem Vortrag der Referentin lachend, „weil ich mir nicht sicher bin, ob die männlichen Ehrengäste nächstes Jahr noch kommen. Mein Mann räumt die Spülmaschine ein und kann auch den Staubsauger einschalten“, fügte sie hinzu.

„Ebersberger Kleeblatt“ vorgestellt

Im Anschluss stellten Gaby Müller und Jutta Seyfried das „Ebersberger Kleeblatt” vor, ein psychosoziales Unterstützungsangebot für an Krebs erkrankte Frauen und ihre Familien. Kronester und ihre Stellvertreterin Maria Festl überreichten den beiden einen Spendenscheck über 900 Euro. Der Betrag stammt aus ehrenamtlichem Kuchenverkauf.

Bernhard Failer, Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Ebersberg, übergab einen Spendenscheck in Höhe von 2000 Euro für die Dorfhelferinnen. „Wir geben nur Geld, Ihr gebt die Leistung”, lobte Failer. Geehrt wurden Veronika Trenkler aus Emmering und Maria Hartmann aus Oberndorf, weil sie erfolgreich ihre Meisterprüfung als Hauswirtschafterinnen abgelegt haben und damit für Führungsaufgaben in landwirtschaftlichen Betrieben qualifiziert sind.

Großen Anklang fand eine Modenschau, in der landwirtschaftliche Mode aus mehreren Jahrzehnten vorgeführt wurde, angefangen in den 1950er Jahren. Die Landfrauen, die als Models fungierten, trugen dabei Originalkostüme, die zu diesem Zweck zusammengetragen wurden. Den musikalischen Rahmen für die Veranstaltung bildete die Bairer Musi.