Der Benediktbeurer Bürgermeister Toni Ortlieb bewirbt sich um eine zweite Amtszeit. Der gelernte Bankkaufmann, seit 2019 im Amt, setzt auf Bodenständigkeit, Erfahrung und solides Finanzmanagement. Seine bisherige Amtszeit war von Krisen wie der Corona-Pandemie und dem Hagelunwetter 2023 geprägt, dennoch wurden zahlreiche Projekte umgesetzt und rund 17 Millionen Euro investiert.
Benediktbeuern – Toni Ortlieb blinzelt in die Wintersonne – und strahlt. „Einfach genial, ein wunderschöner Platz“, sagt der Benediktbeurer Bürgermeister und lässt den Blick über die verschneite Wiese am Moosrundweg schweifen. Ein kleiner Holzstadel steht auf dem Grundstück, früher ein Heulager. Von hier öffnet sich der Blick auf das Klosterdorf und die Silhouette der Bayerischen Voralpen – ein Panorama, das Weite schafft.
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Lieblingsplatz am Unteren Mühlbach
Für dieses Porträt zur Kommunalwahl hatte der Tölzer Kurier Ortlieb gebeten, seinen Lieblingsort zu verraten. Die Wahl fiel auf das Flurstück am Unteren Mühlbach, das er von seinen Eltern geerbt hat. Schon als Kind zog es ihn hierher. Heute ist der Ort für ihn Rückzugsraum und Kraftquelle – etwa im Sommer, wenn sich der Kommunalpolitiker um seine Bienenstöcke kümmert. Ruhe finden, Abstand gewinnen, den Überblick behalten: Fähigkeiten, die im Bürgermeisteramt gefragt sind.
Seit 2019 steht der 52-Jährige (verheiratet, drei Kinder) an der Spitze der rund 3800 Einwohner zählenden Gemeinde. Der gelernte Bankkaufmann, der bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen für das Kommunalkundengeschäft zuständig war, rückte außerplanmäßig ins Amt. Nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Hans Kiefersauer wählten ihn die Bürger zum neuen Rathauschef.
Nun bewirbt sich Ortlieb um eine zweite Amtszeit. Er tritt erneut für die Benediktbeurer Bürgervereinigung an. Dass mit Markus Schambeck von der Freien Wählergemeinschaft auch ein Herausforderer ins Rennen geht, nimmt Ortlieb gelassen. „Das gehört zur Demokratie“, sagt er. Die beiden kennen sich aus der Schulzeit, sind per Du. Alles deutet auf einen sachlichen und fairen Wahlkampf hin.
Ortlieb, ein gebürtiger Benediktbeurer, wirbt mit Bodenständigkeit, Erfahrung und Know-how. Er sei im Ort verwurzelt, gut vernetzt und behalte stets die Finanzen im Blick, sagt er. Parteipolitisch ist er ungebunden, Gleichwohl pflegt er eine politische Nähe zu den Freien Wählern und kandidiert für diese auf der Kreistagsliste. Seine bisherige Amtszeit war von Ausnahmesituationen geprägt. Zunächst legte die Corona-Pandemie das öffentliche Leben lahm, dann hinterließ das Hagelunwetter im August 2023 eine Spur der Verwüstung. Ortlieb war als Krisenmanager gefordert. Dennoch, so seine Bilanz, sei die Gemeinde in vielen Bereichen vorangekommen. Er verweist auf den Erwerb wichtiger Entwicklungsflächen – darunter das Areal der ehemaligen Don-Bosco-Jugendherberge, auf dem ein neuer Kindergarten entstehen soll.
Weitere Projekte waren unter anderem die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze, die Neugestaltung des Gemeindeparks, die Neuorganisation der Wasserversorgung sowie diverse Planungen. Insgesamt habe die Kommune während seiner Amtszeit rund 17 Millionen Euro investiert, rechnet Ortlieb vor – einschließlich der Versicherungsleistungen nach dem Hagelereignis. Eine stattliche Summe für ein Dorf dieser Größe.
An Pflichtaufgaben führt kein Weg vorbei
Die kommenden Jahre werden Benediktbeuern vor erhebliche Herausforderungen stellen. Große Handlungsspielräume bestehen nicht. „Der Weg ist aufgezeigt“, sagt Ortlieb. Der Neubau des besagten Kindergartens steht ganz oben auf der Agenda: Rund zwölf Millionen Euro soll das Vorhaben kosten. Hinzu kommt an der Grund- und Mittelschule der Bau einer Mensa, um die Ganztagsbetreuung zu ermöglichen, veranschlagt mit etwa 1,6 Millionen Euro. Pflichtaufgaben, an denen kein Weg vorbeiführt.
Eine dauerhafte Belastung bleibt das Defizit des Alpenwarmbads – um die 500 000 Euro pro Jahr. Ortlieb setzt hier auf Zukunftsinvestitionen. Photovoltaik und Solarthermie könnten helfen, schlägt er vor, die Energiekosten zu senken. Gleichzeitig spricht er sich für eine Erweiterung des Gewerbegebiets aus. Mehr Betriebe, so die Rechnung, bedeuten höhere Steuereinnahmen – Einnahmen, die die Gemeinde gut gebrauchen könnte, um ihre Infrastruktur langfristig zu sichern.