„Deutschland braucht Atomwaffen“: Heftiger AfD-Krach um Forderung von Parteigründer

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Kay Gottschalk ist Mitgründer der AfD und hat nun eine interne Debatte innerhalb der AfD ausgelöst. Die Frage ist: Wie steht die AfD zu Trump, Europa und Putin?

Berlin – Kay Gottschalk, Mitbegründer der AfD und ihr ehemaliger stellvertretender Vorsitzender, hat eine interne Debatte in der AfD ausgelöst. „Deutschland braucht Atomwaffen“, sagte Gottschalk am Sonntag (18. Januar) in einem Video auf X. Spätestens seit Trump Grönland annektieren wolle, sei klar: Zwischen Ländern existierten keine Freundschaften, sondern nur Interessen. Und die Interessen der USA seien grundlegend anders als die Deutschlands und Europas.

Kay Gottschalk im Bundestag
Kay Gottschalk ist finanzpolitischer Sprecher der AfD © picture alliance/Elisa Schu

Deswegen müssten Deutschland und Europa ihre Verteidigung selbst in die Hand nehmen. „Wir brauchen das stärkste Militär, die leistungsfähigsten Soldaten und die besten Waffen“, forderte Gottschalk. Es werde schwer sein, ein gemeinsames europäisches Verteidigungsbündnis zu schmieden. „Aber es ist der einzige Weg, weg von der Abhängigkeit, hin zur Souveränität.“ Er schloss mit den Worten: „Lang lebe Europa!“ Kay Gottschalk ist stellvertretender Bundessprecher der AfD und ihr finanzpolitischer Sprecher,

AfD streitet über Atomwaffen: Für oder gegen Trump?

Diese proeuropäischen, Trump- und Putin-kritischen Äußerungen sind innerhalb der AfD eher radikal. Viele Landesverbände der Partei pflegen eine prorussische Haltung. Europa und Deutschland sollen sich ihrer Meinung nach aus dem Ukraine-Konflikt raushalten. Auch in die USA hat die AfD gute Kontakte. Mehrmals waren Mitglieder der AfD bei Trumps MAGA-Lager zu Gast. Gottschalks Worte riefen deswegen innerhalb der AfD ganz unterschiedliche Reaktionen hervor, wie Focus Online berichtete.

Der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der AfD, Markus Frohnmaier, stimmt Gottschalks Vorschlag grundsätzlich zu. Focus Online sagte er, eine „atomare Bewaffnung Deutschlands“ könne „grundsätzlich eine Option im Rahmen einer langfristigen Rückkehr zu strategischer Stärke und Verteidigungsfähigkeit sein“. Dies sei jedoch eine „grundsätzliche, hochkomplexe sicherheitspolitische Weichenstellung, die sorgfältig geprüft“ werden müsse und nicht kurzfristig entschieden werden könne. Frohnmaier war selbst mehrmals in den USA und ist Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Baden-Württemberg.

AfD-Nachwuchs offen für Atomwaffen – Kritik an Trump-freundlicher Haltung

Auch Jean-Pascal Hohm, Vorsitzender der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“, unterstützte die Forderung. Er betonte gegenüber Focus Online, dass strategische Souveränität glaubwürdige Abschreckung voraussetze. „Vor diesem Hintergrund ist eine offene Diskussion über eine nationale oder europäische Lösung in Fragen der atomaren Abschreckung legitim und geboten“, so Hohm.

Hohm hatte sich schon zuvor gegen die Trump-freundliche Linie der Partei gewendet. Er schrieb am Sonntag auf X: „Grönland: Europa darf sich nicht erpressen lassen! Grönland ist Teil eines souveränen Staates der Europäischen Union. Als Deutsche und Europäer ist es unsere Pflicht, den Dänen und den Grönländern beizustehen.“

Vor Landtagswahlen: AfD uneins über Atomwaffen, Trump und Grönland

Maximilian Krah sieht Hohms Äußerungen dagegen kritisch. Er schrieb unter Hohms X-Post: „Grönland ist geographisch Amerika. Großraumordnung? In unserem Interesse liegt erst einmal, nicht in einen Konflikt mit den USA zu geraten. Was hat uns Grönland bislang gebracht?“ Als AfD solle man „tunlichst einen Zoff mit Trump vermeiden, schließlich schützt der uns vor einem Verbotsverfahren“. Krah wurden in den letzten Jahren Verbindungen zu prorussischen Netzwerken vorgeworfen.

Auch Nikolai Sitschow, Kreisvorstand der AfD in Regensburg, wendet sich gegen Gottschalk. Er schrieb auf X: „Sehr geehrter Herr Gottschalk! Mit Ihrem militaristischen Aufruf, Deutschland mit Atomwaffen auszurüsten und sofort Krieg gegen die ganze Welt zu führen, fügen Sie dem Ansehen der AfD enormen Schaden zu.“ Sitschow forderte Gottschalks Rücktritt. Und Sebastian Wippel, innenpolitischer Sprecher der AfD im sächsischen Landtag, fragt: „Warum sollten wir mit deutschen Atomwaffen z.B. Grönland verteidigen? Warum macht es nicht Frankreich als Mitglied der EU, das Atomwaffen hat?“

Die Parteivorsitzenden quittieren die Debatte mit Schweigen. Weder Tino Chrupalla, noch Alice Weidel haben sich bisher zur Debatte geäußert. In diesem Jahr stehen für die AfD vier Landtagswahlen und die Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin an. Die AfD hofft auf gute Ergebnisse – besonders in den AfD-Hochburgen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Und auch in Baden-Württemberg hat die AfD Chancen auf ein gutes Ergebnis. Vor diesem wichtigen Wahljahr ist Uneinigkeit in der Parteispitze wahrscheinlich nicht gerne gesehen. (Quellen: X, Focus Online, eigene Recherche) (cdz)

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