Bezahlen auf Vertrauensbasis: Experiment mit Mini-Supermarkt

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Präsentierte das Konzept für den Kiosk in Hohenbirken: Stefan Neuburg. © Tamara Rabuser (or)

Der Mini-Supermarkt in Hohenbirken soll im März starten. Die Kunden bezahlen auf Vertrauensbasis – ohne jede Überwachung durch Personal.

Bad Heilbrunn – Das Konzept wirkt aus der Zeit gefallen: ein Mini-Supermarkt, in dem die Kunden auf Vertrauensbasis bezahlen, ohne dass dies jemand überwacht. Genau dies plant Stefan Neuburg. In der jüngsten Sitzung des Heilbrunner Gemeinderats stellten Zweiter Bürgermeister Konrad Specker und Neuburg das ungewöhnliche Konzept vor. Starten soll das Projekt Anfang März, wenn es das Wetter zulässt.

Kiosk stand über ein Jahr leer

Wie berichtet endete im Februar vergangenen Jahres in Bad Heilbrunn eine Ära: Gut 100 Jahre nach der Gründung schlossen die Bäckerei Specker und zugleich der kleine Kiosk in Hohenbirken, der zuletzt nur noch samstags für drei Stunden geöffnet hatte. Alle Wiederbelebungsversuche scheiterten. Angedacht war zunächst, dass eine Bäckerei Waren liefert und die Bürger sich selbst um den Verkauf kümmern. Die Gemeinde startete eine Ausschreibung, ein aussichtsreicher Kandidat meldete sich – und löste dann seine Firma auf. Specker: „Es war klar, dass es von der Wirtschaftlichkeit her schwer wird, jemanden zu finden, der sich reinstellt und einen Laden aufmacht.“ So kam ihm der Gedanke, in Hohenbirken einen Automaten aufzustellen, „denn Menschen, die nicht Auto fahren können und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, sind in Hohenbirken bescheiden dran“. So wandte sich Specker an den Automatenbetreiber Stefan Neuburg: „Er kam mit der Idee um die Ecke, die verpackte Ware offen und immer zugänglich reinzulegen.“

Umfangreiches Sortiment

„Herr Specker hat gesagt, dass Ihr alle vertrauenswürdig seid“, ergänzte Neuburg schmunzelnd vor den Gemeinderäten und den rund 20 Zuhörern im Sitzungssaal. 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche soll es ein umfangreiches Sortiment geben – Nudeln, Eier, Reis, bis hin zu Wasser und Zahnbürsten. Wenigstens einmal pro Woche soll es frisches Brot und Semmeln geben. Neuburg will zudem Fleisch-, Wurst- und Käse-Anbieter aus der Region gewinnen. Eine Umfrage soll klären, welche Produkte die Hohenbirkener benötigen.

Preislich so günstig wie ein Supermarkt

Im Laufe des Jahres solle alles weiter ausgebaut werden, kündigte Neuburg an. Ebenso geplant sei eine Selbstbedienungs-Registrierkasse. Das Ziel sei, preislich so günstig zu bleiben wie ein Supermarkt: „Keiner muss befürchten, dass er bei uns Tankstellenpreise bezahlt und die Rolle Klopapier fünf Euro kostet.“ Klar sei, dass man mit diesem Konzept nicht viel Profit machen könne, „eventuell kommt uns aber die Gemeinde ein bisserl entgegen“.

Kiosk wird zweimal pro Woche bestückt

Gemeinderat Kilian Spindler wollte wissen, wie oft der Laden bestückt wird: „In der Regel zweimal pro Woche – das hat sich bei meinen Automaten bewährt“, antwortete Neuburg. Sollte es mehr Umsatz geben, würde er den Rhythmus anpassen. Dies sei nun einfach möglich, weil er demnächst von Innsbruck nach Garmisch-Partenkirchen umziehe. Spindler wollte zudem wissen, ob es Erfahrungswerte mit dem Konzept gebe. Er habe gehört, dass Diebstahl in ähnlichen Bauernhofläden kein Thema sei, entgegnete Neuburg. Nun müsse man abwarten, ob jemand im Kiosk übernachte oder ob „sonstwas“ passiere: „Wenn der Laden leer geräumt ist und 2,50 Euro in der Kasse sind, müssen wir es eben streichen.“