Ryanair-Flug mit 11 Stunden Verspätung – Airline beschuldigt Verkehrsministerium: „Unnötige Regel“

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Am Berliner Flughafen strandet ein Ryanair-Flug. Die Fluggesellschaft appelliert, dass sich Passagiere beim Verkehrsminister beschweren sollten.

Berlin – Angeschnallt und abflugbereit sitzen 190 Passagiere am 12. Dezember 2025 um 23.39 im Ryanair-Flugzeug FR 146, das sie vom Flughafen Berlin-Brandenburg nach London Stansted bringen soll. Dann kommt die Durchsage des Piloten: Das Flugzeug dürfe nicht mehr abheben. Ab 23.30 Uhr gilt am Berliner Flughafen ein Nachtflugverbot. Für die Menschen an Bord geht es wieder zurück durch die Passkontrolle, darunter die Autorin dieses Textes. Der Flug wird erst am nächsten Tag um 9.30 Uhr starten. Wer in der Situation die Schuld trägt? Ryanair zieht das Bundesverkehrsministerium in die Verantwortung.

Am Flughafen Berlin-Brandburg gilt eine Nachtflugsperre: Ryanair hält diese Regel für unnötig. ©  IMAGO / Bernd Elmenthaler/ Olaf Schuelke

Der Situation vorausgegangen war eine Verspätung des Flugs von einer Stunde: Ursprünglich sollte FR146 um 22.20 Uhr von Berlin nach London starten. Doch kontinuierlich verschob sich diese Abflugzeit nach hinten. Gegen 23.20 teilte eine Angestellte des Flughafens mit, dass das Flugzeug nun bereitstehe und alles sehr zügig ablaufen müsse, um noch vor nächtlichen Flugsperre abheben zu können. Zwar sind Ausnahmegenehmigungen möglich, werden aber nur in wenigen Fällen von der verantwortlichen Flugsicherung ausgesprochen.

Nachtflugsperre Berlin: Ryanair fordert „Ansatz des gesunden Menschenverstandes“ anzuwenden

Die Ryanair-Passagiere hatten kein Glück. Am Serviceschalter stand eine Mitarbeiterin bereit und informierte: Man habe die Möglichkeit, im Flughafen-Hotel zu übernachten oder in die Stadt zurückzukehren. Die Situation sei kein Einzelfall, sagte die Mitarbeiterin zudem. Regelmäßig würden Flüge wegen der nächtlichen Sperrzeit auf den nächsten Tag geschoben.

Die Fluggäste erhielten nur wenig später eine E-Mail der Fluggesellschaft: „Es tut uns leid, dass sich Ihr Flug über Nacht verspätet hat. Grund hierfür war die Weigerung der Flugsicherung (ATC), Ihrem Flugzeug den Start in Berlin zu erlauben, da der Abflug 10 Minuten nach Beginn der Nachtflugsperre erfolgt wäre.“ Die Airline habe die Flugsicherung wiederholt dazu aufgerufen, am Berliner Flughafen einen „Ansatz des gesunden Menschenverstandes“ anzuwenden, „da unnötige Regeln wie diese zu massiven Beeinträchtigungen für Passagiere wie Sie führen“. Die eigene Verzögerung erwähnt die Fluggesellschaft in ihrer Mitteilung nicht.

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Das Unternehmen bedauere, „dass die Flugsicherung nicht die nötige Flexibilität“ aufweise, damit Airlines wie Ryanair ihre Kunden „ohne unnötige Unterbrechungen“ ans Ziel befördern könnten. Die E-Mail enthielt außerdem folgenden Aufruf: „Wir legen allen betroffenen Fluggästen nahe, sich an den Bundesverkehrsminister, Patrick Schnieder, zu wenden. Fordern Sie ihn auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um diese Situation am Flughafen Berlin zu beheben – im Interesse der Passagiere, die einfach nur von A nach B kommen wollen, ohne unverhältnismäßige Verzögerungen hinnehmen zu müssen.“ Die Airline fügt eine vorgefertigte Beschwerde-E-Mail bei.

Ein ungewöhnliches Vorgehen – das jedoch scheinbar wenig bewirkt. Auf Nachfrage unserer Redaktion teilt das Bundesverkehrsministerium mit: „Es sind keine E-Mails von Fluggästen von Ryanair bekannt, die sich wegen eines Nachtflugverbots in Berlin an Bundesminister Schnieder wenden.“ Zudem existiere in Deutschland keine allgemeine nächtliche Flugsperre, die vom Ministerium erlassen werde. „Die Landesluftfahrtbehörden legen in Bundesauftragsverwaltung die Betriebszeiten von Flughäfen und damit auch die Nachtflugregelungen als Bestandteil der Flugplatzgenehmigung fest.“ Die nächtliche Sperrzeit am Berliner Flughafen dient unter anderem dem Schutz der Bewohner umliegender Ortschaften und Stadtbezirke vor Lärmbelastung.

Auf Nachfrage bei der Fluggesellschaft, warum solche späten Verbindungen überhaupt im Programm stehen, wenn Verzögerungen bis in die Sperrzeit regelmäßig auftreten, bekam diese Redaktion eine E-Mail ohne konkrete Antwort. Die Airline verwies lediglich noch einmal darauf, dass die Flugsperre die Ursache der Verzögerung war, Reisende über E-Mails und Handy-Benachrichtigungen laufend informiert worden seien und Transfers sowie Übernachtungsmöglichkeiten arrangiert wurden. „Dem ist nichts hinzuzufügen“, so Ryanair. (Quellen: Eigene Recherche, Ryanair, Bundesverkehrsministerium, Land Berlin)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/ryanair-flug-verspaetet-sich-um-11-stunden-airline-schiebt-schuld-auf-verkehrsministerium-zr-94106959.html