Der 17-jährige Yaron Lavy durchlebt nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana einen Albtraum. Er bangt um mehrere enge Freunde, die in der Silvesternacht im Club „Le Constellation“ feierten. „Vier sind im Krankenhaus, eine ist tot und sechs werden noch immer vermisst“, berichtet er am Freitagmittag sichtlich gezeichnet am Unglücksort gegenüber Reportern.
Yaron in Crans-Montana: Vier Freunde sind im Krankenhaus, sechs vermisst, eine ist tot
Die Lage der Verletzten ist dramatisch: Zwei seiner Bekannten liegen derzeit im künstlichen Koma, ein weiterer Freund muss noch in dieser Woche operiert werden. Alle Opfer im Krankenhaus erlitten schwerste Verbrennungen.
Dass Yaron Lavy selbst nicht im „Le Constellation“ feierte, verdankt er einem reinen Zufall. Seine Freunde hatten ihn zwar gefragt, ob er dazustoßen wolle, doch er entschied sich letztlich für eine andere Gruppe.
Als ihn die Nachricht von der Katastrophe erreichte, eilte Lavy sofort zum Unglücksort. Gegen 1.50 Uhr – nur etwa 20 Minuten nach Ausbruch des Feuers – kam er an der Bar an, in der Hoffnung, seine Freunde unversehrt zu finden. Doch es bot sich ihm ein Bild des Grauens. „Es war schockierend. Die Leute haben geschrien, andere wurden massenweise von Krankenwagen abtransportiert“, beschreibt der Student aus Lausanne die traumatischen Szenen.
Zahl der Todesopfer steigt: „Sie war ein witziges Mädchen“
Eigentlich war die Bar nach dem Skifahren sein fester Anlaufpunkt, da sie besonders bei jüngeren Gästen beliebt war. „Ich wünschte, ich hätte irgendetwas tun können, um zu helfen“, sagt er heute verzweifelt.
Während die Anteilnahme weltweit wächst, ist das volle Ausmaß der Tragödie noch immer nicht absehbar. Rund 80 bis 100 Verletzte sollen sich nach wie vor in einem kritischen Zustand befinden. Über das Schicksal vieler Vermisster herrscht traurige Ungewissheit. Was beispielsweise mit Benjamin und den Schwestern Dalia und Alicia geschehen ist, weiß Lavy noch immer nicht.
Fest steht jedoch: Seine Bekannte Alex gehört zu den inzwischen rund 40 bestätigten Todesopfern. Mit ihr hatte er vor wenigen Monaten noch ihren 16. Geburtstag gefeiert. „Sie war eher die Freundin meiner Schwester – ein sehr herzliches und witziges Mädchen“, erinnert sich der 17-Jährige. Er selbst sei ebenfalls sehr gut mit ihr klargekommen.
Getrübte Stimmung im Nobel-Skiort: „Nicht mehr elektrisierend“
Die Katastrophe hat Crans-Montana bis ins Mark erschüttert. Die sonst so ausgelassene Stimmung im Nobel-Skiort hat sich schlagartig gewandelt. „Es ist nicht mehr so elektrisierend, wie es einmal war“, stellt Lavy fest. Auch für ihn persönlich ist die Verarbeitung des Erlebten ein schwerer Weg: „Es ist unglaublich schwer, damit umzugehen.“