Karl Geiger verpasst die Olympia-Qualifikation. Der dreifache Medaillengewinner scheitert knapp an der DSV-Norm. Eine bittere Entwicklung einer Skisprung-Glanzkarriere.
Sapporo – Es sollte die letzte Chance werden, doch sie blieb ungenutzt. Karl Geiger, einst Deutschlands Vorzeigespringer und dreifacher Olympia-Medaillengewinner, hat die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien verpasst. Mit Platz 14 beim Weltcup in Sapporo erzielte der 32-Jährige zwar sein bestes Saisonergebnis, doch es reichte nicht für die interne Olympianorm des Deutschen Skiverbandes (DSV).
Die Enttäuschung sitzt tief bei dem Oberstdorfer. Noch am selben Tag nach dem entscheidenden Springen ärgerte sich Geiger über seinen „folgenschweren Fehler“ und schrieb bei Instagram von einer „Chance, die ich mir selbst genommen habe“. Trotz des Rückschlags zeigte sich der Allgäuer kämpferisch: „Das tut weh, gerade in einer Phase, in der es um so viel geht. Auch wenn die Olympianorm am Ende knapp verpasst wurde, fühlt sich dieses Resultat wichtig an. Es zeigt mir, dass die Arbeit der letzten Wochen nicht umsonst war und dass ich auf dem richtigen Weg bin“, schrieb Geiger.
Olympia-Aus für deutschen Skisprung-Star Karl Geiger
Dabei blickt Geiger auf eine außergewöhnliche Laufbahn zurück. Der Allgäuer krönte sich 2020 in Planica zum Skiflug-Weltmeister und sammelte bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2019 gleich zwei Goldmedaillen im Mannschafts- und Mixed-Wettbewerb. Seine olympische Silbermedaille von Pyeongchang 2018 im Teamspringen gehört zu den Höhepunkten seiner Karriere.
Besonders bitter: Geiger gewann in seiner Laufbahn insgesamt drei Olympia-Medaillen und etablierte sich als einer der konstantesten deutschen Springer. Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking holte er Bronze auf der Normalschanze und im Teamspringen. Doch diese Saison entwickelte sich zum Albtraum für den einstigen Erfolgsgaranten.
Für Deutschland haben vier Skispringer die Olympia-Qualifikation geschafft: Andreas Wellinger, Pius Paschke, Philipp Raimund und Felix Hoffmann erfüllten die DSV-Norm. Philipp Raimund zeigte in Sapporo mit Platz neun eine starke Leistung als bester Deutscher. Wellinger, Paschke und Hoffmann verzichteten auf die Wettkämpfe in Japan.
Schon die ganze Saison über steckte Geiger im Tief. Der Mann, der einst zur Weltspitze gehörte und regelmäßig um Podestplätze kämpfte, sprang der Konkurrenz hinterher. Die beiden Weltcup-Springen in Sapporo gewann der slowenische Vierschanzentourneesieger Domen Prevc und fuhr mit seinem neunten Saisonsieg im 18. Weltcup-Springen seine Dominanz weiter aus.
Für den DSV bedeutet Geigers Olympia-Aus einen herben Verlust. Der Verband hatte gehofft, dass sich der erfahrene Springer noch rechtzeitig für die Spiele qualifizieren würde. Doch trotz intensiver Arbeit mit dem Trainerteam blieb der erhoffte Durchbruch aus. Geiger, der früher zu den Leistungsträgern zählte, ist in diesem Winter zu einem der „Sorgenkinder“ der deutschen Skispringer geworden. Vor kurzem schickte sogar sein Ex-Kollege Markus Eisenbichler eine rührende Botschaft an Geiger und Wellinger.
Geigers schwierigster Winter: Vom Medaillengewinner zum Sorgenkind
Die deutschen Skispringer müssen nun ohne ihren langjährigen Leistungsträger zu den Olympischen Spielen 2026 nach Italien reisen. Für Geiger endet damit möglicherweise eine Ära – ob der 32-Jährige seine Karriere fortsetzt, ist noch offen. Seine Worte lassen jedoch Hoffnung auf eine Zukunft im Skispringen zu, auch wenn der Olympia-Traum vorerst geplatzt ist. (ck)