Laden ohne Personal ist keine Lösung in Kranzberg und Allershausen

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Mit großem Interesse verfolgten die Bürger aus Kranzberg und Allershausen die Diskussion zum Thema Nahversorgung im Ort. © nb

Um die Nahversorgung ist es in vielen Gemeinden nicht gut bestellt. Auch in Kranzberg und Allershausen macht man sich Gedanken um die Zukunft der Orte – und hat sich deshalb Ideen und Ratschläge von einem Experten geholt.

Kranzberg – Volles Haus herrschte am Donnerstag im Metzgerwirt in Kranzberg, als auf Einladung der CSU-Ortsverbände Allershausen und Kranzberg darüber diskutiert wurde, wie man Nahversorgung im Ortskern sicherstellen kann. Passend zum Thema „Unser Dorf soll leben“ hatte Referent Bernd Ohlmann, Geschäftsführer vom Handelsverband Bayern, Ideen mitgebracht.

Rückblick: Für die Bürger in Kranzberg war es ein Schock, als bekannt wurde, dass der Dorfladen schließen wird. Die gute Nachricht: Es fand sich ein Nachfolger, und die Versorgung ist weiterhin gesichert. Anders sieht es im Nachbarort Allershausen aus: Hier herrscht längst ein bemerkenswerter Leerstand in der Ortsmitte – vor allem, seit der Edeka-Markt weg ist. Wie es weitergehen soll, ist ungewiss.

„Auf dem Papier haben wir eine supergute Versorgung“, sagte die Allershausener CSU-Bürgermeisterkandidatin Bianca Kellner-Zotz. Der örtliche Einzelhandel befindet sich allerdings fast nur noch in dem Gewerbegebiet auf der anderen Seite der Autobahn. „Bei uns kann man ein Kind nicht mehr alleine zum Einkaufen gehen lassen“, sagte sie. Auch die Kranzberger CSU-Bürgermeisterkandidatin Petra Horneber erinnerte sich daran, was es vor 35 Jahren beim Umzug ihrer Familie nach Kranzberg in der Ortsmitte alles gab.

Bernhard Ohlmann vertritt in seinem Handelsverband so ziemlich alles – „vom kleinen Schreibwarenladen bis hin zur großen Baumarktkette“. Über Allershausen informierte er sich auf der Homepage mit der Erkenntnis, „dass Wirtschaft dort gar nicht stattfindet“. Auswärtige Besucher bekommen dort keine relevanten Informationen, beispielsweise über verfügbare Hotelzimmer. Er machte deutlich, dass der Einzelhandel im Ort individuelle Lösungen benötigt: „Da braucht es den Maßanzug und nicht irgendetwas von der Stange.“ Und vor allem müsse das Thema Chefsache beim Bürgermeister sein – „und wenn es das nicht ist, dann muss man den Bürgermeister eben austauschen“.

Wertvolle Tipps gab Referent Bernd Ohlmann.
Wertvolle Tipps gab Referent Bernd Ohlmann. © nb

Ohlmann sprach vor mehreren Bürgermeistern und Kandidaten aus der Umgebung über das Problem vieler Kommunen mit dem Geschäftesterben. Seine Erkenntnis: „Im Internet einkaufen ist bequem, und zudem drehen viele Menschen den Euro zweimal um.“ Mit einem Kümmerer vor Ort, der mit Bänken an schönen Orten, stimmungsvollem Ambiente oder Sauberkeit das Einkaufserlebnis unterstützt, könne man dem entgegenwirken,.

Den Kommunen gab der Referent den Ratschlag mit auf den Weg, dass es in Land und Bund mehrere Fördertöpfe für die Finanzierung von Einzelhandelskonzepten gebe. So könne man für überschaubare Ausgaben von Experten einen konkreten Plan über Potenziale, Schwachstellen und Entwicklungsmöglichkeiten bekommen. „Viele Gemeinden haben keine Ahnung von diesen Fördermöglichkeiten“, wusste der Referent.

Kranzbergs 2. Bürgermeister Anton Hierhager fragte an, wie der Experte zu der Idee stehe, in den Ortsteilen mit kleinen Läden ohne Personal die Versorgung zu verbessern. Die Antwort war unmissverständlich: „Solche Läden müssen gepflegt werden. Bei 500 oder 900 Einwohnern der Orte wird sich das nie rechnen.“