Eintracht Frankfurts Rekordspieler legt nach Toppmöller-Entlassung den Finger in die Wunde

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Charly Körbel sieht nach der Trainer-Entlassung Probleme bei Eintracht Frankfurt. Der Rekordspieler spricht Klartext zur aktuellen Krise.

Frankfurt – Die Entlassung von Dino Toppmöller bei Eintracht Frankfurt sorgt weiter für Diskussionen. Vereinslegende Karl-Heinz Körbel, mit 602 Bundesliga-Partien Rekordspieler der Hessen, hat sich nun erstmals ausführlich zu der Trennung geäußert und dabei den Finger in die Wunde gelegt. Der 71-Jährige sieht eine „extrem gestiegene Erwartungshaltung“ als einen der Hauptgründe für das Aus des 45-jährigen Trainers.

Eintracht-Rekordspieler Charly Körbel begrüßt beim Legends Cup des FC Bayern Ehrenpräsident Uli Hoeneß.
Eintracht-Rekordspieler Charly Körbel begrüßt beim Legends Cup des FC Bayern Ehrenpräsident Uli Hoeneß. © Bernd Feil/M.i.S./Imago

„Jetzt ist die Mannschaft gefordert“, sagte Körbel am Sonntag beim Legends Cup des FC Bayern in München, wo er mit Eintrachts Traditionsteam teilnahm. Die klaren Worte der Vereinsikone zeigen, dass auch die alten Helden der SGE die aktuelle Krise nicht schönreden wollen. Mit nur einem Sieg aus den vergangenen neun Pflichtspielen und 39 Gegentoren in 18 Bundesliga-Partien hatte sich die Situation für Toppmöller unhaltbar entwickelt.

Körbel sieht Erwartungsdruck als Problem bei Eintracht Frankfurt

Die Analyse des Rekordmannes trifft einen wunden Punkt: Nach den erfolgreichen Jahren mit dem Einzug in die Champions League und spektakulären Auftritten in der Königsklasse sind die Ansprüche in Frankfurt deutlich gestiegen. „Vier, fünf Jahre ging es bei uns nur nach oben, sportlich und finanziell. Jetzt gibt es eine Phase, wo es nicht läuft, aber da kommen wir durch“, erklärte Körbel. Die Einschätzung von Eintracht Frankfurts Ehrenmitglied zeigt das Dilemma des Vereins auf: Der Erfolg der Vergangenheit wird zur Belastung der Gegenwart.

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Toppmöller hatte die Eintracht in der vergangenen Saison erstmals über die Bundesliga in die Champions League geführt – ein historischer Erfolg für den Verein. Doch die Defensivprobleme, die bereits in der Vorsaison sichtbar waren, verschärften sich in dieser Spielzeit dramatisch. Mit 39 Gegentoren stellt Frankfurt gemeinsam mit Heidenheim die schwächste Abwehr der Liga.

Besonders bitter für Toppmöller: Nach dem 3:3 bei Werder Bremen hatte er selbst eingeräumt, dass die instabile Abwehr „ein leidiges Thema“ sei und er „in allererster Linie in der Verantwortung“ stehe. Auf die Spekulationen um Xabi Alonso als möglichen Nachfolger reagierte Körbel pragmatisch: „Alonso können wir nicht bezahlen“. Der ehemalige Real Madrid-Trainer, der mit Bayer Leverkusen als ungeschlagenem Meister Geschichte schrieb, gilt als einer der begehrtesten Coaches Europas.

Interimsweise übernehmen U21-Trainer Dennis Schmitt und U19-Coach Alexander Meier die Mannschaft. Meier, selbst eine Eintracht-Legende, soll dem erfahrenen Fußballlehrer Schmitt zur Seite stehen. Das Duo muss bereits am Mittwoch in der Champions League bei Qarabag Agdam ran – ein Spiel, das über das Weiterkommen in der Königsklasse entscheiden könnte.

Trotz der aktuellen Probleme zeigt sich Körbel, die Frankfurt-Legende lobte vor kurzem einen Neuzugang, kämpferisch: „Wir sind gut aufgestellt, weil wir ein gutes Team haben“. Der Bundesliga-Rekordmann, der selbst schwere Zeiten mit der Eintracht durchlebt hat, appelliert an die Geschlossenheit des Vereins. „Jede Trennung von einem Trainer sei schwierig“, räumte er ein, betonte aber gleichzeitig das Vertrauen in die Qualität des Kaders.

Eintracht-Rekordspieler Körbel bleibt trotz Krise optimistisch

Die Eintracht steht nach 18 Spieltagen auf Platz sieben der Tabelle – eine Position, die für einen Champions League-Teilnehmer enttäuschend ist. Mit dem Aus im DFB-Pokal bereits in der zweiten Runde und der prekären Lage in der Königsklasse droht eine Saison ohne Erfolge. Sportvorstand Markus Krösche muss nun schnell einen geeigneten Nachfolger finden, um die Ziele der Saison noch zu erreichen.

Körbels ehrliche Analyse zeigt: Bei Eintracht Frankfurt ist nach Jahren des Aufschwungs eine Phase der Neuorientierung angebrochen. Ob die Hessen die Kurve bekommen, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. (ck)