Einheimische, die ihr Dorf in Mundart aussprechen können: Solche Menschen sucht Karl Heinz Eisfeld. Für ein Forschungsprojekt sammelt er Tonaufnahmen, um den Klang von Orts- und Flurnamen für die Ewigkeit festzuhalten – in jeder Landkreis-Gemeinde.
Raisting, Peiting, Böbing: Wie die Ortsnamen geschrieben werden, darüber gibt‘s keine Diskussion. Doch die Aussprache kann von einem zum anderen Landkreisende durchaus variieren. Und einer macht sich nun für ein Forschungsprojekt auf, die ursprüngliche Mundart-Aussprache jedes Dorfes festzuhalten: Karl Heinz Eisfeld. Er sucht Einheimische, die bereit sind, auf ein Tonband aufzusprechen.
Eisfeld hat schon Erfahrung mit dem Projekt. Für seinen Heimatlandkreis Miesbach war er bereits bei einigen Dialektsprechern, ebenso im Landkreis Erding. Nun erforscht er den Landkreis Weilheim-Schongau. Das bayernweite Projekt wird vom Verband für Orts- und Flurnamenforschung mit der Kommission für bayerische Landesgeschichte an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften umgesetzt.
„Die Aufnahmen geben einen Eindruck, wie unsere Großeltern die Orte ausgesprochen haben“, sagt Eisfeld. Es gebe durchaus gute Gründe, diese zu erheben. „Die Aussprache in der Mundart lässt oft Rückschlüsse auf die Herkunft der Ortsnamen zu und verhilft damit auch zu geschichtlichen Erkenntnissen, zu Heimatkunde“, sagt Holzkirchner. „Sie zählt damit zum immateriellen Kulturerbe, das es zu erhalten gilt so wie Baudenkmäler.“
Viele Regionen in Bayern sind bereits erfasst. Auch in Weilheim-Schongau sind erste Aufnahmen entstanden. Eisfelds Vorgänger war in Habach, Iffeldorf, Obersöchering, Penzberg, Seeshaupt und Sindelsdorf unterwegs. Danach aber hörte er auf, „warum auch immer“, sagt Eisfeld, der sich einst auf einen Aufruf gemeldet hatte und so sogenannter Explorator wurde. „Es ist einfach eine Freude, diese Arbeit.“
Interessierte können sich melden
Derzeit sucht er nach den passenden Ansprechpartnern für die verbliebenen 28 Gemeinden in Weilheim-Schongau. Noch im Januar möchte er diese finden, ab Februar sollen dann Besuche stattfinden. Wer die typische Mundart seines Dorfs beherrscht, kann sich gern bei ihm melden. „Ich habe da gute Erfahrungen gemacht mit den Menschen, die auf mich zukommen“, sagt er. Den „Gewährspersonen“, wie sie im Forschungsprojekt genannt werden.
Mit jedem Freiwilligen telefoniert Eisfeld vorab. Sind die Gewährspersonen einmal festgelegt, kommt der 77-Jährige mit einem Aufnahmegerät zu ihnen. Dann wird sich erst über deren Person ausgetauscht. Anschließend spricht der Teilnehmer den Ortsnamen und dann auch noch andere Flurnamen oder Ortsteile auf. Der Termin dauert mindestens eine Dreiviertelstunde, bisweilen auch eineinhalb Stunden. „Manchmal kommt man ins Plaudern, es macht mir großen Spaß, den Menschen zuzuhören“, schwärmt Eisfeld. Der bisher älteste Teilnehmer war 94 Jahre alt. „Das Alter ist schon ein Marker“, sagt er über die Auswahlkriterien der Gewährspersonen. Manchmal hat er auch zwei oder drei Teilnehmer für den selben Ort – dann kann er die Aufnahmen abgleichen.
Die gesammelten Dateien werden gespeichert und verschriftlicht. Eisfeld könnte sich auch eine „publikumswirksame Verwendung“ vorstellen – zum Beispiel mit einer digitalen Karte, auf der man per Klick die Aufnahmen abspielen kann. Noch aber steht da nichts Konkretes fest. „Mein Auftrag ist es erst einmal, sicherzustellen, dass die Aussprache für die Zukunft gesichert wird.“