Die REVO Hospitality Group beantragt Insolvenz für 140 Gesellschaften. Rund 5500 Mitarbeiter in 125 Hotels betroffen. Sanierung bis Sommer geplant.
Charlottenburg – Einer der größten europäischen Multibrand-Hotelbetreiber steht vor einer Umstrukturierung. Die REVO Hospitality Group, die bis 2025 unter dem Namen HR Group firmierte, hat beim Amtsgericht Charlottenburg für rund 140 Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind etwa 125 Hotels in Deutschland und Österreich sowie die Verwaltungs- und Holdinggesellschaft.
Der laufende Betrieb wird mit allen rund 5500 Mitarbeitern fortgeführt. Die Kanzlei GT Restructuring, die zu den größten Insolvenzverwalterbüros in Deutschland zählt, übernahm die Geschäftsführung der betroffenen Gesellschaften. Rechtsanwalt Gordon Geiser erklärte: „Mit den überwiegend in Eigenverwaltung beantragten Verfahren für die rund 140 Gesellschaften bestehen gute Aussichten für eine zügige Sanierung und eine langfristige Fortführung. Wir werden den Geschäftsbetrieb umgehend stabilisieren und erste Sanierungsmaßnahmen in Absprache mit den wesentlichen Stakeholdern umsetzen.“ Bei der Agentur für Arbeit wurde laut Unternehmensangaben eine Vorfinanzierung der Gehaltszahlungen für Januar bis März 2026 beantragt.
Mehrere Faktoren führten in die Krise: Investorensuche bis zum Sommer – Gehälter durch Agentur vorfinanziert
Die REVO Hospitality Group betreibt insgesamt 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern und 135 Städten, darunter unter eigenen Marken sowie als Franchisenehmer für international renommierte Hotelketten. Der Jahresumsatz beläuft sich auf 1,3 Milliarden Euro bei rund 8300 Mitarbeitern. Die Expansion verlief rasant: 2008 übernahm das Unternehmen ein erstes Hotel in Leipzig, 2020 gehörten bereits 51 Hotels zur Gruppe. Der anschließende Wachstumsschub auf aktuell 250 Hotels erwies sich als problematisch.
Als Gründe für die finanzielle Schieflage nennt das Unternehmen mehrere Faktoren. Die starke Expansion habe zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen geführt. Zudem hätten gestiegene Lohnkosten, höhere Mindestlöhne sowie erhöhte Ausgaben für Mieten, Energie und Lebensmittel das Geschäft belastet. Die Akquisition der neuen Hotels sei mit erheblichen Kosten verbunden gewesen, während die Übernachtungszahlen nicht wie erwartet stiegen und der geplante Umsatz für 2025 verfehlt wurde.
Gemeinsam mit den gerichtlich bestellten Sachwaltern und dem Gläubigerausschuss planen die Sanierungsexperten Gordon Geiser und Dr. Benedikt de Bruyn, internationale Investoren anzusprechen. „Die Eigenverwaltung ermöglicht eine schnelle Stabilisierung und eine geordnete Überleitung auf einen Investor, ohne die zahlreichen Hotelbetriebe wesentlich einzuschränken“, sagte de Bruyn. Er zeigte sich zuversichtlich, „die wirtschaftlichen Probleme der betroffenen Gesellschaften der Revo Gruppe bis zum Sommer zügig zu lösen“. Laut dem Branchenmagazin Hotel vor 9 dürften bei einer üblichen Quote von rund 15 Prozent im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung Lieferanten, Eigentümer und Geschäftspartner auf hohe Millionenbeträge verzichten müssen. (ls)