„Keine fanatischen Prepper“: Was Behörden im Kreis Ebersberg zur Vorsorge bei Stromausfall empfehlen

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Klaus Schmid (li.), im Landratsamt Ebersberg für den Katastrophenschutz zuständig, und Jan Köhnen, Sachgebietsleiter Öffentliche Sicherheit, am Batteriespeicher des Landratsamts, der der Notversorgung dient. © Stefan Roßmann

Nach den Stromausfällen in Berlin steigt die Nachfrage nach Generatoren. Doch Experten geben andere Vorsorgetipps für den Ernstfall.

Die tagelangen Stromausfälle in Teilen Berlins nach einem Brandanschlag haben bundesweit einen Ansturm auf Dieselgeneratoren ausgelöst: Die Menschen machen sich offenkundig Gedanken, was passiert, falls sie selbst von einem solchen Vorfall betroffen wären. Klaus Schmid, im Landratsamt Ebersberg für den Katastrophenschutz zuständig, sagt dazu: „Das Wichtigste ist die eigene Resilienz.“ Und Sachgebietsleiter Jan Köhnen, verantwortlich für das Thema Öffentliche Sicherheit, ergänzt: „Man kann Vertrauen in unsere Infrastruktur haben, aber sich trotzdem darauf einstellen, in einem verantwortungsvollen, gesunden Rahmen ein paar Tage ohne Strom und Einkauf auszukommen.“

Die Behörden sind nicht in der Lage, gegen jegliches Lebensrisiko abzusichern.

Der Dieselgenerator steht zwar mit auf der Liste der Möglichkeiten, aber längst nicht ganz oben. Lärm, Gestank, der Verbrauch von Kraftstoff, den man nur in begrenzten Mengen daheim lagern sollte, und die Lebensgefahr beim Betrieb in geschlossenen Räumen sind einige Kehrseiten, die Köhnen aufzählt. Er verweist lieber auf die Hinweise des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das zu batterie- oder kurbelbetriebenen Radios zur Informationsbeschaffung sowie zu Taschenlampen, Kerzen und Campingkochern als Licht- und Hitzequellen rät.

Als sinnvollen Zeitrahmen für die Vorratshaltung an Trinkwasser und Lebensmitteln nennt das BBK sieben Tage. „Wir sind keine fanatischen Prepper“, sagt Klaus Schmid über jene Leute, die sich mit Flecktarn-Kleidung und Klappspaten auf postapokalyptische Atomkriegsszenarien einstellen. Es geht auch ohne Panikmache: Jan Köhnen (33), übrigens auch Zweiter Kommandant der Feuerwehr, erzählt, dass er etwa ein Sixpack großer Wasserflaschen in der Wohnung habe, die er eben auch so aufbrauchen könne. „Ein rotierendes System aus haltbaren Lebensmitteln ist einfach Gewöhnungssache.“ Und sein Kollege Schmid (60) bekennt mit einem Schmunzeln und in die Hände gelegter Stirn, dass es mit dem Rotieren nicht ganz so gut klappt, wenn man sich an die 20 Dosen Tomatenfisch und größere Mengen eingeschweißten Pumpernickel eingebrockt hat. „Da langt es mir schon, wenn ich dran denke …“ Über sein Zehn-Euro-Kurbel- und Solarradio vom Discounter sagt der Katastrophenschützer dagegen: „Das ist wirklich gwandt!“

Der Landkreis schnürt einen eigenen Vorsorgeplan

Essensgenuss hin oder her: Es schade eben nicht, sicherheitshalber ein bisserl was daheimzuhaben: Ukrainekrieg, die zwischenzeitliche Angst vor Gasknappheit und Sabotageakte an der Infrastruktur haben die Debatte um Katastrophenvorsorge auch im Landkreis Ebersberg verändert. Der bisherige Bedarfsplan für den Katastrophenschutz werde um ebensolche Szenarien, die kritische Infrastruktur betreffen, ergänzt. Der Landkreis Ebersberg hat zwar keine Kraftwerke oder Flughäfen, wohl aber Umspannwerke, Stromleitungen, Autobahnen, Tankstellen, Seniorenheime, Gas- und Kraftstoffspeicher, eine Kreisklinik und so weiter. „Es geht nicht mehr nur darum, wie viele Autos mit Blaulicht ich brauche“, so Sicherheitskoordinator Köhnen. Angedacht seien Planspiele, wie die einzelnen Risikoeinrichtungen damit umgehen, falls trotz aller Vorkehrungen für mehrere Tage der Saft wegbleibt.

Deutschland gilt im globalen Vergleich als eines der sichersten und wohlhabendsten Länder der Welt. Das BBK warnt aber: „Extreme Wetterereignisse nehmen zu. Durch Cyberattacken, Desinformation oder Sabotage finden Angriffe auf Infrastrukturen, Meinungsbildung und Zusammenhalt statt.“ Für die Bürger gelte deshalb: „Die Behörden sind nicht in der Lage, gegen jegliches Lebensrisiko abzusichern“, so Jan Köhnen vom Landratsamt. Wie jeder Einzelne das am besten mache, spiele man am besten selbst durch. Hilfestellung gibt der Bund online, etwa auf bbk.bund.de oder über den Vorratskalkulator auf ernaehrungsvorsorge.de.