Farhad N. (25) raste in Mitte Februar 2025 in einen verdi-Demonstrationszug, zwei Menschen starben, 44 wurden verletzt. In München begann nun der Terror-Prozess gegen den Afghanen.
München – Er versteckt sein Gesicht hinter einer roten Mappe: Um 10:15 Uhr betrat Farhad N. (25) den Gerichtssaal A 101 des Münchner Strafjustizzentrums. Nur wenige Hundert Meter entfernt war der Afghane am 13. Februar 2025 mit einem Mini Cooper in eine Menschengruppe gefahren: In der Seidlstraße tötete er so zwei Teilnehmer einer verdi-Demo – eine Mutter und ihr Kleinkind. 43 weitere wurden teils schwer verletzt.
Anklageschrift bringt schreckliche Details ans Tageslicht
Vor dem Oberlandesgericht muss sich N. nun verantworten. Mehr als 30 Minuten lang wird die Anklageschrift durch den Bundesanwalt verlesen, es sind dramatische Momente. Denn die Verletzungen der Opfer sind teils grausig, etliche wurden von dem heranfahrenden Auto des Attentäters gerammt, weggeschleudert oder auch unter den Wagen gezogen. Mit bis zu 42 km/h war Farhad N. in die rund 1400 Teilnehmer gerast, bis sein sein Auto nach 23 Metern nur deshalb zum Stehen kam, weil sich die Menschen unter ihm quasi gestapelt hatten – und die Motorhaube sich nach oben stellte.
Auto-Attentäter zeigt Islamisten-Geste
Reue? Ist beim Angeklagten nicht im Ansatz erkennbar. Im Gegenteil: Als er von Wachtmeistern zur Anklagebank geführt wird, hebt er ganz bewusst seinen rechten Zeigefinger. Die sogenannte Tauhid-Geste ist unter Muslimen weltweit verbreitet und soll den Glauben an den einen und einzigartigen Gott symbolisieren. Nach Ermittlerangaben hatte N. nach seiner Tat „Allahu Akbar“ gerufen und gebetet. Während der anschließenden Vernehmung habe er eingeräumt, bewusst in die Teilnehmer des Demonstrationszugs gefahren zu sein - „aus einer übersteigerten religiösen Motivation heraus“, wie der Bundesanwalt dem Afghanen vorwirft. Farhad N. habe sich „aus religiösen Gründen“ zu der Tat verpflichtet gefühlt. Ab Herbst 2024 habe er sich zunehmend radikalisiert.
Vor Gericht äußerte er sich nur knapp. „Ist gut“, sagte er auf die Frage des vorsitzenden Richters Michael Höhne (65), wie es ihm heute gehe. Deutsch verstehe er „gut“, sagte N. Dennoch sitzt ein Dolmetscher für die persische Sprache Dari neben dem Angeklagten. Zu seiner Person oder zu dem Auto-Anschlag an sich verweigert Farhad N. dagegen jede Aussage. „Er wird sich dazu nicht äußern“, erklärten seine Anwälte Johann Bund und Ömer Sahinci.
Erste Zeugen sagen ab Montag aus
Am Montag wird der Prozess fortgesetzt, dann startet die Beweisaufnahme. Erste Zeugen sollen Richter Höhne zufolge am frühen Nachmittag aussagen, darunter ein Polizist. Höhne will sich zunächst einen Überblick zum Unfallgeschehen und dessen Folgen machen. Bis zum 25. Juni wird der Terror-Prozess andauern, dem sich etliche Geschädigte als Nebenkläger angeschlossen haben.