Rohstoffe aus der Schublade: So wertvoll sind alte Handys

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Wertvoller Rohstoff: Mitarbeiter Rene Steinbrecher zeigt, wie viele Mobiltelefone in nur rund einer Woche bei der Vivo in Warngau zusammengekommen sind. © Vivo

Eine Tonne recycelter Handys liefert mehr Gold als der konventionelle Bergbau. Grund genug eigentlich, sie abzugeben, sagen Experten.

Der Markt für Elektronikgeräte entwickelt sich rasant. Vor allem Smartphones gelten schnell als veraltet und werden im Schnitt alle zwei Jahre durch ein neues Modell ersetzt. Rund 195 Millionen sogenannte Schubladen-Handys liegen allein in deutschen Haushalten. Dabei enthalten Mobiltelefone eine Menge kostbarer und seltener Rohstoffe.

Der Abbau dieser Ressourcen findet häufig unter umwelt- und gesundheitsschädlichen Bedingungen statt. Aus einer umweltfreundlichen Perspektive ist daher eine möglichst lange Nutzung der Geräte sinnvoll. Wer dennoch das neueste Modell besitzen will, kann darüber nachdenken, das alte Smartphone entweder privat oder bei Handyshops, wie dem Telefondandla in Holzkirchen, zu verkaufen.

„Handys dürfen hierfür keine Schäden aufweisen und dürfen nicht zu alt sein“, erklärt Telefondandla-Mitarbeiter Daniele Risuglia. Wichtig sei aber das vollständige Löschen der persönlichen Daten. Detaillierte Anleitungen hierfür gibt es im Internet.

Ausgediente oder kaputte Geräte können auch kostenlos bei den Wertstoffhöfen im Landkreis, außer in Schliersee und Wall, sowie bei einigen lokalen Handyshops zurückgegeben werden. „Die abgegebenen Handys gehen an Verwerter, bei denen sichergestellt ist, dass nichts mit den Daten passiert“, sagt Rigsulia. Die von den Wertstoffhöfen gesammelten Geräte werden an die Erstbehandlungsanlage der Remondis in Chieming weitergegeben. Dort werden die Geräte sortiert und nach Materialien getrennt. Im laufenden Jahr wurden laut Vivo-Sprecher Stefan Schneider bereits 350 Tonnen Elektrokleingeräte im Landkreis gesammelt, wozu auch Mobiltelefone zählen.

Die Rückführung der Handys ist für die Kreislaufwirtschaft essenziell. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft enthalten die Schubladen-Handys in Deutschland genügend Ressourcen, um den Rohstoffbedarf für die Produktion neuer Smartphones in den nächsten zehn Jahren zu decken. Das sogenannte Urban Mining ist auch deutlich effektiver als der konventionelle Bergbau. Eine Tonne alte Mobilgeräte enthält rund 250 Gramm Gold, welches bis zu 90 Prozent recycelt werden kann. Eine Tonne Golderz enthält dagegen nur rund 4 Gramm Gold. Um auf die selbe Menge zu kommen, müssen also rund 62 Tonnen Golderz gefördert werden. Ähnlich verhält es sich mit Rohstoffen wie Silber, Kupfer und Palladium, die ebenfalls in Smartphones stecken und zu 85 bis 90 Prozent recycelt werden können.

Durch die falsche Entsorgung im Restmüll gehen nicht nur die wertvollen Ressourcen verloren, sondern die verbauten Akkus sind auch mögliche Brandverursacher. Durch Druck im Müllfahrzeug oder spätestens beim Schreddern in Sortieranlagen können die Akkus Brände verursachen. Bundesweit gibt es täglich rund 30 solcher Vorfälle, die bis zum Totalschaden ganzer Anlagen reichen. Bei der Vivo, zuständig im Landkreis Miesbach für die Abfallentsorgung, konnten die Mitarbeiter kleinere Schwelbrände jeweils frühzeitig erkennen und eindämmen, teilt Schneider mit.

Die fachgerechte Entsorgung hilft also nicht nur dabei, die endlichen Ressourcen der Welt zu schützen – sie beugt auch einer Gefährdung von Menschen und Recycling-Anlagen vor. In einer Welt, in der die Rohstoffe knapper werden und der Bergbau Schäden in der Umwelt anrichtet, ist eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ein Eckpfeiler, um die Umwelt zu schützen.