Die Baywa: Ein Fall für die Staatsanwälte

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Beim bayerischen Agrarkonzern geht nach der Beinahe-Pleite die strafrechtliche Aufarbeitung voran. Aber im Aufsichtsrat wird noch immer nicht aufgeräumt. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Razzia beim (Nicht-mehr-)IHK-Präsidenten und anderen: Während sich der Agrarkonzern Baywa mühsam aus seiner existenziellen Krise herausarbeitet, nimmt die strafrechtliche Aufarbeitung der Unternehmenskatastrophe Fahrt auf. Die Staatsanwälte versuchen herauszufinden, ob Ex-Führungsleuten Untreue oder ein anderes Fehlverhalten bei der Beinahe-Pleite des einstigen bayerischen Vorzeigekonzerns mit seinen über 20 000 Mitarbeitern nachzuweisen ist. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung auch für Klaus Lutz.

Der Baywa-Schriftzug steht auf einerm Gebäude am Technikzentrum des Unternehmens im Hafen von Bamberg. © Daniel Karmann/dpa/Collage

Ex-Baywa-Chef hätte früher gehen müssen

Trotzdem wäre es gut gewesen, wenn der hoch umstrittene Ex-Baywa-Chef nicht bis zuletzt an seinem IHK-Spitzenposten festgehalten hätte. Die Börse quittierte die Nachricht von den Hausdurchsuchungen mit Kursaufschlägen für die gebeutelte Baywa-Aktie. Die Justiz tut ihren Job. Und vielleicht gibt es von den Versicherungen der Betroffenen noch was zu holen für die Aktionäre.

Doch selbst wenn, wäre das nur ein Trostpflaster: Der Aktienmarkt bewertet die Baywa, die zeitweise 5 Milliarden Euro wert war, nur noch mit 400 Millionen. Eine solche Wertvernichtung hat es in Bayern nicht oft gegeben – und diese spielte sich direkt vor den Augen, besser: in Mitverantwortung der Politik ab. Als das Debakel um den (zu) hoch geflogenen Agrarriesen seinen Lauf nahm, saßen im Aufsichtsrat CSU-Größen wie der frühere Raiffeisenchef Manfred Nüssel und die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier.

Im Aufsichtsrat der Baywa sitzen bis heute CSU-Leute wie Monika Hohlmeier

Baywa-Krimi kratzt am Image des Freistaats und seiner Staatspartei

Die Razzien kratzen, ebenso wie der gesamte Baywa-Krimi, am Image des Freistaats und seiner Staatspartei, die sich so gern ihrer Wirtschaftskompetenz rühmt. Kein Wunder, dass Ministerpräsident Markus Söder und seinem Wirtschaftsminister von den Freien Wählern, Hubert Aiwanger, kein Wort zum Fall Baywa über die Lippen kommt.

Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Privat

Es wäre ja auch ein bisschen peinlich: Während die Justiz ihre Hausaufgaben macht und auch das neue Baywa-Management den Gesundschrumpfungskurs konsequent vorantreibt, sitzen im Aufsichtsrat noch immer Leute wie Hohlmeier. Gerade so, als hätte es den Fast-Zusammenbruch unter ihrer Aufsicht nie gegeben.

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