Rekord-Insolvenzen: Statistisches Bundesamt stoppt Veröffentlichung – und sorgt für Aufruhr

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Das Statistische Bundesamt stellt die Veröffentlichung vorläufiger Insolvenzzahlen ein – und das mitten in einer Rekord-Pleitewelle. Die Entscheidung ist schwer nachvollziehbar.

Wiesbaden – Die Pleitewelle rollt durch Deutschland.  Forscher sehen die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Und was macht das Statistische Bundesamt? Es stellt die Veröffentlichung vorläufiger Insolvenzen ein. Die Entscheidung sorgt für Aufruhr.

In der Pressemitteilung vom Montag, 12. Januar, verkündete die Behörde noch anhand vorläufiger Angaben, dass die Zahl der bei den Amtsgerichten beantragten Regelinsolvenzen im Dezember 15,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor lag. Danach heißt es: „Mit dem Berichtsmonat Dezember 2025 stellt das Statistische Bundesamt die Veröffentlichung vorläufiger Angaben zu den Regelinsolvenzen auf Basis der Insolvenzbekanntmachungen der Amtsgerichte ein. Die endgültigen Ergebnisse werden auch weiterhin in der bisherigen Form veröffentlicht.“

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Das Statistische Bundesamt stellt die Veröffentlichung vorläufiger Insolvenzzahlen ein – und das mitten in einer Rekord-Pleitewelle (Symbolbild). © IMAGO / Bihlmayerfotografie

Statistisches Bundesamt stellt die Veröffentlichung vorläufiger Insolvenzzahlen ein

Aber: Die endgültigen Ergebnisse gibt es erst Monate später – wenn die Insolvenzen schon weiter fortgeschritten und die Mitarbeiter wahrscheinlich schon entlassen sind. Das heißt, von der Behörde würde man erst Monate später von einer Insolvenz oder Pleitewelle erfahren. Das Statistische Bundesamt schreibt, die Daten zu den vorläufigen Insolvenzverfahren würden „nicht die methodische Reife und Belastbarkeit amtlicher Statistiken“ aufweisen – doch warum wird die Statistik genau jetzt eingestellt? Die Entscheidung der Behörde kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt und ist schwer nachvollziehbar.

Die Pleiten bewegen sich auf Rekordhöhen, das öffentliche Interesse ist groß und die Behörde muss sich damit den Vorwurf gefallen lassen, die unschönen Zahlen einfach nicht veröffentlichen zu wollen. So lautet nun die gängige Erzählung in den rechtspopulistischen Medien, für die diese Entscheidung ein gefundenes Fressen ist. Einen Gefallen tut sich das Statistische Bundesamt damit also nicht, sondern sorgt nur für noch mehr Aufruhr.

IWH erhebt nach wie vor Daten – und stellt Rekord-Pleitewelle fest

Immerhin: Vorläufige Insolvenzzahlen werden nach wie vor erhoben und veröffentlicht – und zwar vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Laut dem IWH ist die Zahl der Firmenpleiten 2025 auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen. Die Forscher bezifferten die Zahl vor einigen Tagen auf 17.604. Selbst im Zuge der Finanzkrise 2009 habe die Zahl rund fünf Prozent niedriger gelegen, hieß es. Als Gründe wurden Nachholeffekte aus der Corona-Zeit und die Zinspolitik genannt. Zudem schlage die schwierige wirtschaftliche Entwicklung zu Buche. Quellen: Mitteilung Statistisches Bundesamt, Agenturen, IWH