Die Kaufkraft in Bayern liegt acht Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Allerdings mindern die höchsten Wohnkosten den Vorsprung der Münchner deutlich.
Allianz, BMW, Infineon, MTU, Munich Re, Scout24, Siemens und Siemens Energy: Ganze acht Dax-Konzerne beherbergt Bayerns Landeshauptstadt – ganz zu schweigen von den vielen Mittelständlern, kleinen Weltmarktführern, Start-ups. Das spüren die Oberbayern auch bei der Kaufkraft. Laut einer aktuellen Auswertung der Marktforscher von NIQ liegen gleich sieben der zehn deutschen Landkreise mit dem höchsten verfügbaren Einkommen im Süden: nämlich Starnberg, der Landkreis München, die Stadt München, Ebersberg, Miesbach, Fürstenfeldbruck und Dachau. Ähnlich hoch ist die Kaufkraft nur im hessischen Taunus, wohin Frankfurts Banker gerne ziehen, sowie im fränkischen Erlangen mit seinem riesigen Siemens-Standort.
Laut den Marktforschern von NIQ, die regelmäßig für Einzelhändler und Marken das Potenzial einzelner Regionen untersuchen, gibt es in Bayern mit Abstand die höchsten verfügbaren Einkommen im Bund. 33 666 Euro bleiben den Bayern pro Kopf im Jahr im Schnitt für Konsumausgaben, Wohnen, Freizeit und Sparen. Zum Vergleich: In Duisberg, dem Schlusslicht im Bund, sind es nur 25 235 Euro, in Bremen 27 687, in Dortmund 28 277 und in Leipzig 28 594 Euro. Insgesamt liegt Bayern rund acht Prozent über dem Bundesdurchschnitt. In Starnberg sind es sogar 37 Prozent, im Kreis München 33 Prozent und in Ebersberg 25 Prozent.
In Oberfranken steigt die Kaufkraft am deutlichsten
Um die Nettoeinkommen zu berechnen, zieht NIQ Einkommen wie Löhne und Renten inklusive staatlicher Transferzahlungen wie Kinder- oder Arbeitslosengeld heran und rechnet Steuern und Abgaben gegen. Auch Kapitaleinkünfte wie Zinsen, Dividenden und Aktiengewinne werden berücksichtigt. Demnach dürfte die Kaufkraft in Deutschland wegen höherer Löhne in diesem Jahr im Schnitt um rund fünf Prozent auf 31 193 Euro steigen. Das würde 1466 Euro pro Kopf mehr bedeuten. Besonders hoch ist laut NIQ der Zuwachs in den oberfränkischen Kreisen Lichtenfels und Coburg mit ihrem starken Mittelstand. Langsamer stieg die Kaufkraft hingegen in Regionen mit Autobauern und Zulieferern wie Wolfsburg, Baden-Baden oder Ingolstadt.
Nicht berücksichtigt sind allerdings Ausgaben für Lebenshaltungskosten, Versicherungen, Mieten und Nebenkosten wie Gas oder Strom sowie Bekleidung. Da der Großraum München mit Abstand die höchsten Mieten und Immobilienpreise in Deutschland hat, relativiert sich das gute Abschneiden der Metropolregion etwas. Zudem hängt es auch vom Anstieg der Verbraucherpreise im weiteren Jahresverlauf ab, ob die Menschen wirklich so viel mehr im Geldbeutel haben wie von NIQ erwartet.