Nach Abschiebung am Starnberger See: Familie in Nigeria in Not – Mutter erkrankt

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Die Mutter an Malaria erkrankt, die Kinder in unsicherem Umfeld: Die Lage der aus Berg nach Nigeria abgeschobenen Familie ist heikel. Unterstützer vom Starnberger See haben eine Petition gestartet.

Berg - Nach der Zwangsabschiebung einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Kinder aus Berg nach Nigeria hat sich die Situation der Familie dramatisch verschlechtert. Imuetynian Osayande (41) sei schwer an Malaria erkrankt, sie werde nur notdürftig versorgt. Und die Kinder Abundance (11) und Derick (7) seien in einer gefährlichen Umgebung „quasi auf sich allein gestellt“. Das berichten die Unterstützer aus Berg und Umgebung in einer Pressemitteilung. Sie haben mittlerweile eine Online-Petition gestartet, die Kinderrechte in der Abschiebepolitik fordert. Mehr als 3000 Personen haben sie unterzeichnet. Und die Helfer sammeln Spenden, um die Familie in Benin-City finanziell zu unterstützen und einen Anwalt zu bezahlen. „Wir wissen, die Chancen sind gering, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir sie zurückholen können“, sagt Alina Stroiu, die sich fast täglich mit Imuetynian Osayande austauscht.

Da waren sie noch auf deutschem Boden: Imuetynian Osayande mit ihren Kindern Abundance und Derick.
Da waren sie noch auf deutschem Boden: Imuetynian Osayande mit ihren Kindern Abundance und Derick. © privat

Nach Abschiebung am Starnberger See: Familie in Nigeria in Not

Die Mutter und ihre Kinder waren in einer Nacht Anfang Dezember unvermittelt von der Polizei abgeholt worden. Ein paar Stunden später saßen sie im Flugzeug. Die 41-Jährige hatte keine Aufenthaltserlaubnis, war allerdings sieben Jahre lang in Deutschland geduldet worden. Die Abschiebung hatte am Starnberger See große Solidarität ausgelöst – vor allem, weil die Schulkinder gut integriert waren, unter anderem als Mitglieder beim MTV Berg. Der Bub ging auf die Oskar-Maria-Graf-Grundschule in Aufkirchen. Das Mädchen besuchte die Mittelschule in Starnberg. Beide nahmen an (sportlichen) Integrationsprojekten teil, hatten Freunde gefunden, und beide sind nicht in Nigeria geboren.

Unterstützerin: Kinder traumatisiert und in brenzliger Situation

Susanne Wagner, die die Hilfe für die Familie aus Deutschland mitkoordiniert, sagt: „Die Kinder sind traumatisiert, und sie stecken in einer brenzligen Situation.“ Viel über die familiären Verhältnisse ist öffentlich nicht bekannt, nur das, was Wagner, Stroiu und Co. nach draußen geben. Imuetynian Osayande, Abundance und Derick seien bei Angehörigen untergekommen, darunter die Oma der Kinder, die sie allerdings erst durch die Abschiebung kennengelernt hätten. „Sie haben Angst, nach draußen zu gehen“, sagt Wagner. „Selbst die Schule bedeutet Gefahr.“ Die Helfer verweisen auf Bandenkriminalität und Terror in Benin-City. Die Mutter, die sich wegen der Malariaerkrankung nur wenig um die Kinder kümmern kann, sei einst ein Opfer von Menschenhandel gewesen. Sie sei psychisch sehr mitgenommen, sagt Stroiu. „Ich versuche, ihr immer wieder zu sagen, dass sie stark ist.“ Die Elfjährige und der Siebenjährige hätten nicht wirklich realisiert, dass die Rückkehr nach Deutschland wohl ausgeschlossen ist.

Anwalt versucht Einreiseverbot zu verkürzen

Nach Zwangsabschiebungen (also wenn die Ausreise nicht freiwillig erfolgte) wird ein Einreiseverbot verhängt, meist für zweieinhalb Jahre. Laut den Unterstützern versucht ein Anwalt unter anderem, auf eine Verkürzung des Einreiseverbots hinzuwirken. Laut Susanne Wagner dauern derartige rechtliche Verfahren schon mal sechs Jahre.

Selbst wenn der Anwalt also recht bekommen sollte, sei fraglich, ob es dann noch etwas bringe. „Es ist ein vorhersehbares Risiko für Leib und Leben, das nicht ignoriert werden darf“, schreibt die Gruppe in der Pressemitteilung. Sie fordern „eine sofortige politische Lösung für die Familie: Ein humanitäres Aufenthaltsrecht in Deutschland muss schnellstmöglich geprüft werden, da das Kindeswohl akut gefährdet ist. Kinderschutz darf nicht an der Grenze enden.“

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/starnberg/berg-ort65526/nach-abschiebung-aus-berg-familie-in-nigeria-in-akuter-gefahr-94121108.html