Alkoholfreie Alternativen: Einer der größten Braukonzerne der Welt gerät ins Straucheln

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Außenansicht der ehemaligen Heineken-Brauerei, heute Heineken Experience in Amsterdam (Symbolbild). © ANP/Imago

Heineken-Chef Dolf van den Brink tritt vor dem Hintergrund schwächelnder Absätze und sinkender Gewinne zurück.

Amsterdam – Dolf van den Brink wird am 31. Mai 2026 als Vorstandsvorsitzender von Heineken zurücktreten. Damit beendet er seine fast sechsjährige Amtszeit sowie eine 28-jährige Karriere beim niederländischen Braukonzern. Offiziell begründete er den Schritt mit dem Übergang in eine neue Phase der langfristigen Unternehmensstrategie. Diese zielt auf Effizienz, Digitalisierung und die Konzentration auf wichtige Märkte ab. Das berichtet die New York Post.

Tatsächlich erfolgt der Rückzug jedoch in einer Phase wirtschaftlicher Schwäche. Im Oktober hatte Heineken eine Gewinnwarnung ausgegeben und einen Absatzrückgang von 2,3 Prozent gemeldet. Für 2026 rechnet das Unternehmen laut BBC News sogar mit weiter sinkenden Verkaufszahlen.

Heineken-Aktie verlor nach Bekanntgabe des Rücktritts 3,2 Prozent

Der Rückzug des CEO sei daher „nicht überraschend“, sagte Analyst James Edwardes Jones von RBC Capital Markets gegenüber BBC News. Trotz hoher Erwartungen habe van den Brink „nicht geliefert“. Die Aktie verlor nach Bekanntgabe des Führungswechsels in Amsterdam zeitweise 3,2 Prozent und lag am Nachmittag 4,7 Prozent im Minus, so die New York Post.

Die schwächere Nachfrage trifft auch das Segment alkoholfreier Biere. Selbst das alkoholfreie Heineken verzeichnete rückläufige Umsätze, obwohl das Produkt als Zukunftsträger galt. Analysten führen dies auf steigende Preise, veränderte Konsumgewohnheiten – insbesondere bei jüngeren Käufern – und fehlende Markenprofilierung zurück.

Suche nach Nachfolger bereits begonnen

Der Aufsichtsrat hat bereits mit der Nachfolgesuche begonnen. Van den Brink bleibt dem Unternehmen ab 1. Juni noch acht Monate als Berater erhalten, berichtete The Independent. Bereits im Oktober hatte Heineken eine Strategie bis 2030 vorgestellt. Diese konzentriert sich auf 17 Kernmärkte und reduziert Investitionen in einzelne Marken. Analysten sehen den jetzigen Zeitpunkt als passend für einen Führungswechsel.

Der Konzern beschäftigt mehr als 85.000 Mitarbeitende und verkauft über 340 Bier- und Cider-Marken in mehr als 190 Ländern. Heineken hatte außerhalb Europas selektiv expandiert, unter anderem mit dem laufenden Kauf des Getränkegeschäfts von Florida Ice and Farm in Costa Rica für 3,25 Milliarden US-Dollar. Trotzdem bleibt das Konsumumfeld schwierig. Die steigenden Lebenshaltungskosten, reduzierte Budgets und der wachsende Trend zu alkoholfreien Getränken setzen dem Unternehmen weltweit zu.

Geringere Nachfrage nach Alkohol bei Gen Z

Während seiner Amtszeit genehmigte van den Brink ein Umstrukturierungsprogramm mit rund 400 gestrichenen oder verlagerten Stellen, um die Margen zu stabilisieren. Seine Marketingkampagne, Bier als „soziales Bindeglied“ zu positionieren, konnte die Entwicklung jedoch nicht aufhalten. BBC News zufolge sehen viele Experten die geringe Alkoholtoleranz der Generation Z als Risiko für das langfristige Wachstum des Unternehmens. (Redaktion)