„Sind alle nicht ganz dicht“: Köln-„Tatort“ löst heftige Debatte aus

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Fast zehn Millionen schauten zu, doch die Meinungen könnten kaum unterschiedlicher sein. Zwischen Begeisterung und blankem Unverständnis.

Am Sonntagabend war es wieder so weit: Deutschland schaltet ein, wenn Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zur besten Sendezeit ermitteln. Der Kölner „Tatort: Die Schöpfung“ lockte am 11. Januar 2026 beeindruckende 9,44 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme und erreichte einen Marktanteil von 34,7 Prozent. Doch während die Quote jubeln lässt, brodelt es in den sozialen Netzwerken und Gesprächen am Arbeitsplatz gewaltig. Von enthusiastischem Lob bis zu wütenden Kommentaren – dieser Fall polarisiert wie kaum ein anderer in jüngster Zeit.

Der „Tatort“ kam dieses Mal sehr gemischt an © Bild: WDR/Thomas Kost

Bereits wenige Minuten nach Sendestart meldeten sich die ersten Zuschauer zu Wort, und schnell wurde klar: Das Opern-Setting spaltet die Gemüter fundamental. Während einige die visuelle Umsetzung und die außergewöhnliche Kulisse feierten, hagelte es von anderer Seite harsche Kritik. Besonders pikant: Die Ähnlichkeit zum Münchner „Tatort: Das Verlangen“, der erst am zweiten Weihnachtsfeiertag lief und ebenfalls hinter den Kulissen eines Theaters spielte, sorgte für zusätzlichen Unmut.

Opern-Kulisse im „Tatort: Die Schöpfung“ nervt viele Zuschauer

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. „Ich bin schon wieder auf dem Absprung beim ‚Tatort‘. Die sind alle nicht ganz dicht. Neulich der Quatsch mit dem bayerischen Theater und heute die Kölner Oper“, schrieb ein frustrierter Zuschauer auf X (ehemals Twitter). Ein anderer zog direkte Parallelen: „Das sieht aus wie der letzte ‚Tatort‘ aus München: nur mit Oper statt Theater. Was soll das? Wer will das?“.

Doch nicht nur die thematische Doppelung stieß sauer auf. Das Opernambiente selbst wurde zum Streitpunkt. „Das Opernambiente nervt sehr“, kommentierte eine Zuschauerin, während eine andere klagte: „Zu viele Musikgenres durcheinander … Hab jetzt schon Kopfschmerzen.“ Besonders kurios: Ein User empfahl ironisch, den „Tatort“ „ohne Ton“ zu schauen. Die Inszenierung mit klassischer Musik, Arien und dem dramatischen Bühnenzauber war für viele schlichtweg zu viel des Guten. „Irgendwie komme ich nicht so wirklich rein“, fasste ein weiterer Kommentar die Schwierigkeiten zusammen, Zugang zur Folge zu finden.

„Die Schöpfung“ bekommt Lob für Kameraarbeit und Atmosphäre

Doch es gab auch die andere Seite. Trotz aller Kritik fanden sich zahlreiche Stimmen, die gerade die künstlerische Umsetzung würdigten: „Also die Bilder und Kamerafahrten heute in ‚Tatort‘ sind bislang toll.“ Manche Dialoge überraschten, und auch die visuelle Inszenierung, die das Kölner Opernhaus und die Interimsspielstätte in Köln-Deutz in Szene setzte, wurde von vielen als gelungen empfunden.

Auch Medien wie der Spiegel lobten: „Dieser ‚Tatort‘ ist robust sarkastisch im Angang und emotional überschäumend im Abgang“.
Die schauspielerischen Leistungen wurden selbst von Kritikern hervorgehoben. Behrendt und Bär lieferten in ihrem mittlerweile 94. gemeinsamen Fall gewohnt solide Arbeit ab, auch wenn manche Zuschauer bemängelten, die Kommissare würden „komplett elanbefreit“ ermitteln.

Handlung von „Tatort: Die Schöpfung“ – Mord in der Kölner Oper

Der Fall führte Ballauf und Schenk mitten in die Endproben zu Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“. Als Elli Zander, eine Mitarbeiterin der Requisite, erschossen und kunstvoll drapiert im Bühnenaufzug aufgefunden wird, beginnen die Ermittlungen in einem geschlossenen Mikrokosmos voller Eitelkeiten, Rivalitäten und künstlerischem Druck. Eine verschwundene Requisitenwaffe führt die Kommissare zu mehreren Verdächtigen aus dem Ensemble, darunter der Countertenor David Deycks (Marcel Gisdol).

Als ein zweiter Mord geschieht, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Zwischen Sängern, Technikern und der Hausmeisterin entspinnt sich ein komplexes Geflecht aus Abhängigkeiten und Motiven. Die Auflösung offenbarte schließlich, dass die patente Hausmeisterin die leibliche Mutter des Countertenors war – und hinter allen Todesfällen steckte. Der „Tatort“ nutzte die Oper nicht nur als Schauplatz, sondern als dramaturgischen Rahmen, in dem sich Bühnen- und echter Tod überlagerten.

Trotz aller Kontroversen: Die Quote spricht eine klare Sprache. „Die Schöpfung“ war die erfolgreichste Sendung des gesamten Sonntags und ließ die Konkurrenz weit hinter sich. Ob das an der Qualität des Falls lag oder schlicht an der „Tatort“-Tradition am Sonntagabend, darüber lässt sich streiten. Fest steht: Ballauf und Schenk haben mit diesem Opern-Ausflug niemanden kaltgelassen – im Guten wie im Schlechten. Wen es weiter weg zieht, der findet seit kurzer Zeit auch eine neuseeländische Krimiserie in der ARD Mediathek.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/boulevard/koeln-tatort-spaltet-zuschauer-und-kritiker-deutlich-94119260.html