Immer wieder nimmt Russland die ukrainische Energieversorgung ins Visier. In Kiew sind hunderttausende Haushalte zeitweise ohne Strom.
Kiew/Rom – Russland setzt im Ukraine-Krieg auf eine Zermürbungstaktik gegen die ukrainische Bevölkerung. Russische Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung haben immer wieder Stromausfälle zur Folge – und das im bitterkalten ukrainischen Winter. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj habe Russlands Militär vergangene Woche rund 1100 Drohnen, 890 gelenkte Fliegerbomben und 50 Raketen sowie Marschflugkörper gegen die Ukraine eingesetzt. „Auf Ziele, die keine militärische Bedeutung haben: Energieanlagen und Wohnhäuser“, so Selenskyj.
Papst äußert sich über den russischen Großangriff auf die ukrainischen Städte
Moskau habe extra das frostige Wetter abgewartet, um den einfachen Ukrainern das Leben so hart wie möglich zu machen. „Das ist bewusster, zynischer russischer Terror gegen die Menschen“, argumentierte Selenskyj. Auch Papst Leo XIV. äußerte sich zur jüngsten russischen Angriffswelle auf die zivile Infrastruktur. Auf der Social-Media-Plattform X schrieb er: „In der Ukraine fordern neue, schwere Angriffe auf die Energieinfrastruktur angesichts der zunehmenden Kälte einen hohen Tribut von der Zivilbevölkerung.“ Er bete für die Leidenden und erneuere seinen Appell, „die Gewalt zu beenden und die Bemühungen um Frieden zu verstärken“.
Der Kreml stellt die andauernde Bombardierung der Ukraine als Schläge gegen ausschließlich militärisch relevante Objekte dar, auch wenn unter der Zerstörung von Kraftwerken die Zivilbevölkerung leidet. In der Dreimillionenstadt Kiew waren nach einem Luftangriff in der Nacht zu Freitag zunächst 6.000 Wohnblocks und damit etwa die Hälfte der Wohnhäuser ohne Heizung. Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, dass es die schlimmsten Schäden an der Infrastruktur in den fast vier Jahren Krieg gegeben habe. Er riet den Bürgern, die Stadt vorübergehend zu verlassen, wenn sich anderswo ein warmer Platz und Strom finden lasse.
Hunderttausende Haushalte in Kiew ohne Strom – Russland greift erneut Kiew an
Nach Angaben des Energieministeriums waren somit anfangs etwa 500.000 Haushalte und andere Verbrauchsstellen in und um Kiew ohne Strom. „Was Kiew betrifft, ist die Lage dort am schwierigsten“, sagte Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko. Es sei bis Freitagabend aber gelungen, einen Teil der Hauptstadt, das Umland sowie Krywyj Rih wieder mit Strom zu versorgen. Trotzdem bleibe es auch an diesen Stellen bei den schon seit Wochen geltenden stundenlangen geplanten Abschaltungen.
Ihrerseits hatte die ukrainische Armee in der Nacht auf Freitag mit Raketenartillerie ein Kraftwerk im russischen Belgorod beschossen. Dessen Ausfall bewirkte nach Behördenangaben, dass etwa eine halbe Million Menschen keinen Strom hatte. „Ohne Wärmeversorgung ist fast die gleiche Anzahl, in erster Linie betrifft das 1920 Mehrfamilienhäuser. Fast 200.000 Menschen sind ohne Wasser und Abwasser“, erklärte der russische Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, in einem Video auf Telegram.
In der Nacht zum 12. Januar hatte Russland erneut die ukrainische Hauptstadt mit Drohnen angegriffen und dabei ein Gebäude im Stadtteil Solomjanskij getroffen. Wie lokale Behörden mitteilten, brach in dem Gebäude ein Feuer aus, auch mehrere Fahrzeuge gingen in Flammen auf. Der Angriff erfolgte gegen 1:30 Uhr Ortszeit mit mehreren Explosionen, wie ein Reporter des Kyiv Independent vor Ort berichtete.
Der Papst als neutraler Vermittler zwischen der Ukraine und Russland?
Die Bombardierung verschärft die ohnehin dramatische Lage in Kiew, wo nach dem russischen Großangriff vom 9. Januar immer noch über 1000 Gebäude ohne Heizung sind. Die ukrainische Luftwaffe warnte vor weiteren Drohnenwellen ab 3 Uhr morgens auf die Region Kiew. Ministerpräsidentin Julija Swyridenko erwartet deutliche Verbesserungen der Energieversorgung bis zum 15. Januar.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Papst als Vermittler zwischen der Ukraine und Russland ins Spiel bringt. Leo XIV. hatte sich schon bei seiner Wahl zum Papst für den Frieden eingesetzt, wie die Tagesschau berichtet. Am Rande der Beerdigung seines Vorgängers vermittelte Papst Franziskus ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Selenskyj im Vatikan. (Quellen: dpa/X/Kyiv Independent/tagesschau) (sischr)