Franziska Wanninger begeistert mit Kabarettprogramm im Miesbacher Waitzinger Keller

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Kabarettistin Franziska Wanninger bei ihrem mitreißenden Auftritt im Waitzinger Keller. © Steffen Gerber

Mit scharfem Witz, viel Selbstironie und einem klaren Blick auf das Thema Abgrenzung sorgte Kabarettistin Franziska Wanninger im Waitzinger Keller für einen ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Abend.

Miesbach – Dass Kabarettistin Franziska Wanninger am Freitag im Waitzinger Keller ihr mittlerweile fünftes Programm „Wenn du wen brauchst, ruf mich nicht an“ wirklich von Herzen gerne zum Besten gab, war nicht gespielt. Die Mittvierzigerin aus Niederbayern freute sich tatsächlich darüber, ihren Jahresauftakt vor dem Miesbacher Publikum zu geben, obwohl das in der Kabarett-Szene offenbar als besonders „zach“ verschrien ist. Von Anlaufschwierigkeiten war jedenfalls keine Spur, schließlich kennt man die Wanninger und ihr Pointenbombardement hierzulande gut: In Miesbach hat sie alle ihre Programme gespielt. Mit 25 Gästen habe sie angefangen. „Und heute freut es mich, dass ich die 150-Personenmarke gesprengt habe“, rief sie unter Jubel der Fans.

Das Publikum bestand, wie dem Kichern und den hemmungslosen Lachern während des zweistündigen Auftritts zu entnehmen war, überwiegend aus Frauen. Ihnen war das High-Speed-Gequassel offensichtlich recht wesensnah, mit dem Franziska Wanninger scheinbar nebenbei ein Hohelied der Abgrenzung sang. Denn der Programmtitel „Wenn du wen brauchst, ruf mich nicht an“ war durchaus ernst gemeint. Ihr Erkenntnisgewinn mit 44 Jahren: „In meinem Alter halte ich mich nicht mehr mit Notlügen auf.“ Jetzt habe sie die Lässigkeit, auch einfach mal nicht ans Telefon zu gehen oder übergriffigen Anfragen vermeintlicher Freunde, Eltern oder sonstigem People-Pleasing schlichtweg nicht nachzukommen. Sie achte jetzt mehr auf ihre Gesundheit.

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Damit meinte La Wanninger jedoch weder Sport noch Rauchentwöhnung durch Hypnose. Sie sei schließlich in den 1990ern als jüngstes und „Nicht-Wunschkind“ von drei Kindern auf einem Einödhof unter dem Motto „Unnötige Autofahrten müssen vermieden werden“ und dem Stigma eines „orange-braunen 70er-Jahre-Overalls“ groß geworden. Sie witzelt von ihrer frühkindlichen Prägung bis zur Einsicht „Schlimmer wird es durch mich immer!“ und dass es besser ist, zu hinterfragen und auf Distanz zu gehen: zum Beispiel zum manipulativen Onkel Hans, der sie anruft, um sie zu verpflichten, nach seinem Tod seine Mansardenwohnung zu räumen, weil „sie ihm schon immer die Liebste“ gewesen sei. Weshalb er ihr später auch nur die Dichtungsringe, nicht aber den ganzen Hausstock mit 54 Mietwohnungen vermacht.

Wanninger berichtet über die Freundin, die ihr regelmäßig ihren „Höllen-Kater Muffin“ zur Pflege aufs Auge drückt, aber ihrerseits nicht einmal beim Umzug hilft. Den missglückten Zoobesuch, bei dem der kleine Anton im Löwengehege landet. Die verpatzte Hochzeit, bei der sie weniger als Trauzeugin, denn als Organisatorin und Make-up-Artistin missbraucht wird und im Morgengrauen versehentlich statt zu Gesichtswasser zu Nagellackentferner greift.

Franziska Wanninger schlüpfte bei ihrer Rückschau auf Familie, Beziehung, Karriere und technische Errungenschaften in die unterschiedlichsten Rollen. Sie schwäbelte, österreicherte und lästerte zum Vergnügen des Publikums. Das stimmte am Ende lauthals nicht nur in das Lied „Ich bin wie ich bin. Ich darf, was ich will“, sondern auch in den „Gabione-Hormone-Kondome-Song“ der Zugabe ein. Mit „Danke, Miesbach. Es war wunderbar. Ich bin mit euch wie auf einer Welle geritten“, verabschiedete sich die Kabarettistin. Bis zum nächsten Mal.