Brisante Mathe-Wende: Grüne Kultusministerin schafft Rechenform an Grundschulen in einem Bundesland ab

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Mathe-Eklat: Grüne Kultusministerin schafft Rechenform an Grundschulen in einem Bundesland ab

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Niedersachsens neue Lehrpläne stoßen auf Kritik. Die Abschaffung der schriftlichen Division sorgt für Bedenken. Kritiker befürchten Kompetenzverlust.

Hannover – Ein Vorstoß der niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sorgt für scharfe Kritik. Sie entschied, dass die kommenden Jahrgänge von Grundschülern kein schriftliches Dividieren mehr lernen sollten. Kritiker vermuten: Durch die Änderungen werden die Standards abgesenkt. Die Ministerin hält dagegen.

Ein Mädchen löst in einer Grundschule eine Matheaufgabe.
Änderungen im Fach Mathematik: Schriftliches Dividieren soll erst in weiterführenden Schulen gelehrt werden (Symbolbild). © picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Die neuen Lehrpläne gelten ab dem Schuljahr 2026/2027 in den ersten zwei Jahrgängen, spätestens ein Jahr darauf auch in den Klassen drei und vier. Statt der traditionellen schriftlichen Division sollen Kinder eine halbschriftliche Methode lernen, bei der größere Zahlen zunächst in leichter zu teilende Schritte zerlegt werden. Danach werden die Ergebnisse wieder addiert. Ziel sei, mit größeren Zahlen umzugehen.

Schriftliches Dividieren: Ein Beispiel

  • Wir starten mit der Rechenaufgabe 6450 : 6 = ?
  • Man dividiert die erste Ziffer der linken Zahl durch die Zahl rechts vom Divisionszeichen. Ginge das nicht auf, müsste man die zweite Ziffer der linken Zahl hinzunehmen. Hier haben wir Glück, die 6 passt einmal in die 6. Ergebnis: 1
  • Wir holen die 4 herunter, dort passt keine 6 hinein. Ergebnis: 0.
  • Wir holen also auch die 5 herunter. In die 45 passt die 6 siebenmal (42). Ergebnis also: 7. Aber halt, es gibt einen Rest: Die 3 nehmen wir mit in die nächste Zeile.
  • Wir nehmen die verbleibende 0 hinzu, haben in dieser Zeile also 30. Dort passt die 6 fünfmal hinein, kein Rest. Das Ergebnis: 5.
  • Insgesamt also: 6450 : 6 = 1075.
Schriftliches Dividieren - ein Beispiel.
Schriftliches Dividieren - ein Beispiel. © Münchner Merkur/Lisa Mahnke

Kritiker warnen vor dem Abschaffen schriftlicher Division in Grundschulen: „Das ist der falsche Weg!“

Das niedersächsische Kultusministerium betont: „Die schriftliche Division stellt das komplexeste aller schriftlichen Rechenverfahren dar.“ Es sei „besonders anfällig für typische Fehlerquellen wie fehlerhaftes Ziffernschätzen oder das korrekte Setzen von Nullen“. Man wolle erst ein Verständnis für „Division als Aufteilen und Verteilen“ aufbauen und dann die schriftliche Methodik lernen.

Doch nicht alle halten das Abschaffen der schriftlichen Division für einen positiven Schritt. Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, warnte gegenüber der Bild: „Traditionelle Fähigkeiten gehen verloren.“ Er betonte: „Gerade in Mathematik wird eigentlich gelernt, auf verschiedenen Wegen zur Lösung zu kommen.“

Laut Düll könnte sich die Änderung auf den weiterführenden Schulen rächen. „Denn erstens steht das schriftliche Dividieren dort wieder auf dem Lehrplan, zweitens werden dort Problemlösungskompetenzen verlangt, die in den Grundschulen nun noch einmal weniger geübt werden.“

Auch die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, kritisierte: „Das ist der falsche Weg!“ Sie meint laut der Bild: „Das schriftliche Dividieren ist von den vier Rechenverfahren das komplexeste, erfüllt aber auch verschiedene wichtige Funktionen. Allein durch das Untereinanderschreiben erlernen Kinder sauberes, formales Arbeiten. Und sie lernen, früher erlernte Kompetenzen anzuwenden. Also hier Kopfrechnen, Multiplizieren und Subtrahieren.“

Beispiel für halbschriftliche Division: So soll zukünftig in Niedersachsens Grundschulen gerechnet werden

  • Wir starten mit der Rechenaufgabe 6450 : 6 = ?. Die Division wird in mehrere einfachere Rechnungen aufgeteilt.
  • 6000 : 6 = 1000
  • 450 : 6 = 75
  • Dann addiert man die Teile zusammen: 1000 + 75 = 1075
  • Jetzt noch einfügen: 6450 : 6 = 1075

Niedersachsens Kultusministerin widerspricht Kritik – Studien zeigen Mathe-Frust

Die Kultusministerin widersprach der Kritik gegenüber dem Spiegel: „Im Gegenteil: Der Bildungsanspruch wird keineswegs gesenkt, sondern durch eine didaktische zeitliche Verschiebung qualitativ erhöht.“ Die schriftliche Division solle noch gelernt werden, aber nicht in der Grundschule.

Man orientiere sich bei der Änderung an den bundesweiten Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Dort ist die schriftliche Division nicht ausdrücklich aufgeführt. Auch die Professorin für Mathedidaktik an der TU Dortmund, Susanne Prediger, betonte im Spiegel: „Wir verschwenden im Unterricht sehr viel Zeit damit, Kinder Regeln lernen zu lassen, ohne dass sie die Hintergründe verstehen.“

TIMSS-Studien zeigten, dass immer weniger Grundschulkinder eine hohe positive Einstellung zur Mathematik haben. Die Pisa-Studie 2022 verdeutlichte hingegen: Jugendliche fühlen sich bei Mathematik hilflos und haben Angst, zu versagen. (Quellen: Bild, Spiegel, eigene Recherche) (lismah)

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