Ukraine-Kriegsende durch Putin-Entführung? Das denkt Trump über den brisanten Selenskyj-Plan
Es soll ein Ende des Ukraine-Kriegs einleiten: die Verhaftung von Putin nach Maduro-Vorbild. Doch Trump zögert – trotz vieler Forderungen. Was steckt dahinter?
Washington – „Die Entführung des Neonazis Merz könnte eine hervorragende Wendung in dieser Karnevalsserie sein“ – mit diesen beispiellosen Worten drohte der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew kürzlich dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Was als amerikanische Militäroperation gegen Venezuela begann, eskaliert nun zu direkten Entführungsdrohungen gegen westliche Regierungschefs. Während Donald Trump seine aggressive Außenpolitik mit der spektakulären Festnahme von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro demonstrierte, reagierte Moskau mit einer gefährlichen Rhetorik-Offensive und provozierte damit sofort weitere Forderungen: So verlangen ukrainische und britische Politiker umgekehrt auch die Festnahme von Russland-Präsident Wladimir Putin durch das US-Militär. Die Hoffnung dahinter: das Ende des Ukraine-Kriegs zu beschleunigen.
Mit der rechtlich umstrittenen Verhaftung von Maduro hat Trump also eine Kette von wirren Forderungen nach Verhaftungen von Staatsoberhäuptern losgetreten. Zwar ist dem US-Präsidenten viel zuzutrauen. Aber das Kidnapping seines russischen Amtskollegen scheint nicht auf der Tagesordnung zu stehen.
Entführung von Putin? Trump lehnt Plan zur Beendigung des Ukraine-Kriegs ab
Auf die Frage eines Reporters, ob er nach der Maduro-Festnahme eine ähnliche Militäroperation gegen Putin in Erwägung ziehen würde und damit das Ende des Ukraine-Kriegs beschleunigen wolle, reagierte Trump äußerst zurückhaltend: „Ich denke nicht, dass das notwendig sein wird“, antwortete Trump auf die Frage von Fox-News-Journalist Peter Doocy, der sich auf jüngste Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bezogen hatte.
Selenskyj hatte nach Maduros Gefangennahme provokant erklärt, die USA „wüssten, was als nächstes zu tun sei“, wenn es um die „Festnahme von Diktatoren“ gehe. Und auch der britische Verteidigungsminister John Healey äußerte sich in diese Richtung: „Ich würde Putin in Gewahrsam nehmen und ihn für Kriegsverbrechen zur Rechenschaft ziehen“, sagte er laut dem Kyiw Independent. Healey begründete seine Position mit Verweis auf „was ich in Bucha bei einem meiner ersten Besuche in der Ukraine gesehen habe“ und „die Entführung einiger der ukrainischen Kinder, die ich in Irpin getroffen habe“. Seine Äußerungen fielen am Schauplatz eines nächtlichen Drohnenangriffs auf ein Wohngebäude in Kiew, bei dem mindestens vier Menschen getötet wurden.
Vor diesem Hintergrund hatte Medwedew sich zu einer drastischen Reaktion provoziert gefühlt. Das Szenario einer Merz-Entführung sei „durchaus realistisch“, erklärte der Vizevorsitzende des nationalen Sicherheitsrats gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur TASS. „Es gibt sogar Gründe, ihn in Deutschland zu verfolgen, daher wäre es kein Verlust, zumal die Bürger umsonst leiden“, begründete der ehemalige Kremlchef seine Drohung gegen Merz.
„Ich bin sehr enttäuscht“: Trump will mit Putin weiter über Ukraine verhandeln
Trump versuchte nun ausnahmsweise, die Gemüter zu beruhigen. Er betonte hingegen seine persönliche Beziehung zu Putin: „Ich hatte immer eine großartige Beziehung zu ihm. Ich bin sehr enttäuscht. Ich habe acht Kriege beendet; ich dachte, dieser würde in der Mitte des Feldes stehen oder vielleicht einer der einfacheren sein.“ Der US-Präsident verwies auf Russlands militärische Probleme: „Im letzten Monat haben sie 31.000 Menschen verloren, viele von ihnen russische Soldaten, und der russischen Wirtschaft geht es schlecht.“ Dennoch glaube er, dass man mit dem Kremlchef weiter über ein Ende des Ukraine-Kriegs verhandeln solle.
Trotzdem: Die Venezuela-Operation, bei der amerikanische Eliteeinheiten Maduro und seine Frau nach einem „großangelegten Schlag“ gegen Caracas festnahmen, hat eine neue Dynamik in die internationale Politik gebracht. Beide stehen jetzt wegen Narco-Terrorismus in New York unter Anklage – trotz heftiger internationaler Kritik wegen des Bruchs des Völkerrechts. Während Healey vor dem zerstörten Kiewer Wohngebäude erklärte, Putin sei „ein Mann, der gestoppt werden muss“, sucht Trump weiterhin diplomatische Lösungen.
Politische Experten warnen vor einem Überbietungswettkampf bei der Forderung nach einer Putin-Entführung. Sie bewerten die Entwicklungen kritisch. Robert Y. Shapiro von der Columbia University warnte auf Anfrage der Newsweek: „Der Versuch, Putin zu fangen, wäre zu gefährlich und würde einen Krieg mit Russland riskieren. Militärführer würden dies sicherlich infrage stellen.“ Demokratische Senatoren wie Chris Van Hollen kritisierten Trumps Venezuela-Aktion als „gefährlichen Präzedenzfall“, der „unsere Nation – und die Welt – weniger sicher“ mache. (Kyiw Independent, Newsweek, Tass, Fox News) (jek)