Friedrich Kalpenstein veröffentlicht in diesem Jahr neue Teile seiner „Prost“- und „Salute“-Reihe. Ein Interview über Recherchen am Gardasee und den Spagat zwischen seinen Büchern.
Palzing – Friedrich Kalpenstein goes Gardasee. Nachdem möglicherweise seine Herbert-Reihe ein Ende gefunden hat und die Tischler-Reihe extrem erfolgreich weiterläuft, hat er sich seit einiger Zeit ein neues Betätigungsfeld gesucht: Zeitler und Lanza ermitteln in und rund um Bardolino. Auch wenn der Erfolgsautor aus Palzing laut eigenem Bekunden bei seinen neuen Krimis die Humor-Handbremse etwas angezogen hat, bleibt es dennoch ein Vergnügen, dem neuen Ermittlerduo zu folgen. Das FT hat mit Kalpenstein über „Prost“ und „Salute“ gesprochen.
Herr Kalpenstein, ist nach acht Folgen mit der „Herbert“-Reihe wirklich Schluss? Zumindest lautet der Titel des achten Buches „Finale“.
Das mit dem Titel war so eine Sache. Seit dem dritten Teil der Herbert-Reihe bin ich dazu übergegangen, den Inhalt mit nur einem Wort bestmöglich zu beschreiben. Im achten Teil erreichen Herbert und sein bester Kumpel Hans das Finale eines Grillwettbewerbs. Somit war der Titel geboren. Als das Cover des Buches dann zum ersten Mal auf den verschiedenen Bücher-Portalen erschien und dieser Buchtitel sichtbar wurde, folgte auf große Freude umgehend tiefe Traurigkeit. Um ehrlich zu sein, ich kann es derzeit nicht sagen, wann und ob es mit der Reihe weitergeht.
Auf zwölf Bände und damit zwölf Fälle hat es inzwischen schon die Tischler-Reihe geschafft. Darf man sich auf noch mehr „Prost“-Fälle für Kommissar Tischler freuen?
Band zwölf kommt am 27. Januar auf den Markt und heißt „Prost, auf die Fischer“. Ich bin sehr glücklich und stolz, dass die Reihe um Hauptkommissar Tischler & Co. mit jedem weiteren Teil neue Leserinnen und Leser gewinnt. Und ja, es wird auch nach Teil zwölf weitergehen. Ich habe mit dem Plot dafür bereits begonnen.
Ziemlich neu im Angebot ist ja jetzt die „Salute“-Reihe rund um den ehemaligen Kommissar und Neu-Barista Paul Zeitler und seinen Kollegen Commissario Lanza aus Bardolino. Schauplatz ist der Gardasee.
Seit die Reihe geboren wurde, besuchen meine Frau und ich jedes Jahr den Gardasee und werden das auch für weitere Teile tun. Natürlich kann man einen Schauplatz heute hochauflösend im Internet bestaunen. Die Gerüche, die Menschen, die Sprache und das Flair kann ich jedoch nur vor Ort einfangen. Neben dem Mord und den damit verbundenen Ermittlungen möchte ich meinen Leserinnen und Lesern dieses Gefühl gerne vermitteln.
Das waren doch sicherlich angenehme Recherchen vor Ort.
Ja, es ist sehr angenehm, die Schauplätze meiner Geschichten selbst zu besuchen, bevor es wieder für Wochen und Monate an den Schreibtisch geht. Beim Schreiben selbst befinde ich mich stets gedanklich in Bardolino und erinnere mich gerne an die unterschiedlichsten Momente, die wir vor Ort erlebt haben. Da reicht eigentlich schon ein Cappuccino im Halbschatten mit Blick auf den See, den ich mir gerne wieder in meine Erinnerung zurückhole.
Was unterscheidet „Salute“ von „Prost“?
Zum einen natürlich die Schauplätze. Im Chiemgau geht es zwischen meinen Protagonisten sicher manchmal deftiger zu als am Gardasee. Vielleicht auch offensichtlicher. Wer vermutet schon einen Mord mitten in Bardolino, bei Sonnenschein, leckerem Vino und dem Geruch von Yasmin, der im Frühling besonders am Seeufer seinen Zauber entfaltet. Auch der Humor unterscheidet sich bei diesen Reihen. In den Prost-Krimis kann es schon den einen oder anderen Schenkelklopfer geben, während ich in den Salute-Krimis die Humor-Handbremse etwas angezogen habe.
Und wie sind die Reaktionen der Fangemeinde auf die ersten drei Bände mit Zeitler und Lanza?
Glücklicherweise sehr gut. Eine neue Reihe neben einer bestehenden zu etablieren, ist immer eine Herausforderung und unwahrscheinlich spannend. Zum einen versuche ich, meine bestehende Leserschaft für eine neue Reihe zu begeistern, und zum anderen, neue Leser zu gewinnen. Da ist es manchmal ein schmaler Grat, den bestehenden Fans eine Umgebung zu schaffen, die zwar neu ist, in der sie sich aber schnell zurechtfinden. Ich will ja nicht einfach nur Tischler und Fink aus dem Chiemgau nach Bardolino umsiedeln, sondern neue Charaktere mit eigenem Kosmos erschaffen.
Die Bücher gibt es erneut auch als Hörbücher – gesprochen von Helmfried von Lüttichau. Gehört das inzwischen schon zum guten Ton in der Branche?
Um bei diesem schönen Wortspiel zu bleiben: Helmfried von Lüttichau verleiht meinen Geschichten einen äußerst guten Ton. Laut meines Verlags und den vielen Bewertungen funktionieren meine Romane als Hörbuch so gut, weil sie äußerst dialoglastig sind. Das verleiht meinen Geschichten eine gewisse Lebendigkeit. Helmfried von Lüttichau versteht es ungemein, den unterschiedlichsten Charakteren eine unverwechselbare Stimme und auch Stimmung zu verleihen, sodass man sie stets auseinanderhalten kann. Als das Hörbuch für „Prost – Auf die Fischer“ aufgenommen wurde, habe ich ihn im Tonstudio besucht. Es war wieder fantastisch, ihm dabei zuzusehen, wie er vor dem Mikrofon schauspielert und schon mal aufsteht, wenn es in der Geschichte hitzig wird.
Für den 2. Juni 2026 ist der vierte „Salute“-Krimi mit dem Titel „Das letzte Foto“ angekündigt. Gehen Ihnen die immer wieder neuen Ideen eigentlich nie aus?
Auf meinem Kindle Scribe, meinen zwei Diktiergeräten und unzähligen Schmierzetteln schlummern viele Gedanken, die ich unbedingt noch in neue Geschichten verwandeln möchte. Ich bin froh, dass ich mit einem Verlag zusammenarbeiten kann, der mir freie Hand lässt und mir viel Vertrauen schenkt, wenn es um neue Ideen geht. Damit sind wir seit 2015 gut gefahren. Dann kommt noch hinzu, dass sich das Stammpersonal in beiden Reihen fast schon selbstständig weiterentwickelt. Somit kann ich viel Zeit in die Recherche für den eigentlichen Mordfall aufwenden. Das macht immer sehr viel Spaß und ich lerne dabei eine Menge.
So produktiv wie Sie sind, wird doch sicherlich bald auch eine „Yamas“-Reihe beginnen, die in Griechenland spielt. Oder wie sehen Ihre mittel- und langfristigen literarischen Planungen aus?
Da die bestehenden beiden Reihen derzeit fast meine gesamte Zeit beanspruchen, stellt sich diese Frage für mich derzeit nicht. Natürlich mache ich mir Gedanken und habe auch schon den Grundstein für eine neue Reihe in der Schublade, doch das steht ganz hinten an, solange es noch allerhand im Chiemgau und am Gardasee zu ermitteln gibt. Interessant wäre es allemal, ein griechisches Ermittlerteam auf die Beine zu stellen. Und besondere Freude hätte ich an der kulinarischen Recherche. Doch egal, wo es mich in Zukunft hin verschlägt, eines ist für einen echten Kalpenstein-Roman immer wichtig. Trotz Mord – idyllisch.