Neue Kampfjets für die Bundeswehr: Eurofighter-Boom und CSU-Wunschtraum

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Während der Standort Bayern vom neuen Eurofighter-Boom profitiert, hängt die Zukunft des Kampfjet-Projekts FCAS am seidenen Faden. Aus der CSU bahnt sich jedoch ein Vorstoß an.

Berlin/München – Die Bundeswehr befindet sich inmitten einer Zeitenwende, die sich auch am Himmel bemerkbar macht. Während die deutsche Luftwaffe auch künftig auf das einstige „Auslaufmodell“ Eurofighter setzt, sorgt das ambitionierte Future Combat Air System (FCAS) für politische Debatten und wirtschaftliche Hoffnungen.

Doch die geplante europäische Zusammenarbeit ist ins Stocken geraten. Ein Blick auf Hightech-Standorte wie Manching und angebliche Gedankenspiele innerhalb der CSU zeigt, wie eng Industrie, Politik und vermeintliche Sicherheit miteinander verwoben sind – und wie viel für die deutsche Wirtschaft auf dem Spiel steht.

Eurofighter-Revival: Vom Auslaufmodell zum neuen Hoffnungsträger

Dabei ist der Standort Manching bei Ingolstadt ein Paradebeispiel für den Aufschwung durch Rüstungsprojekte: Hier werden Eurofighter gefertigt und gewartet – ein Jobmotor für die Region und ein Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst. Tausende Angestellte arbeiten an modernen Kampfjets, die für die Bundeswehr und internationale Partner von zentraler Bedeutung sind. Der Eurofighter Typhoon ist schließlich ein europäisches Gemeinschaftsprojekt: Neben Deutschland sind an der Produktion (Beginn 2003) Spanien, Italien und das Vereinigte Königreich beteiligt.

Eurofighter starten zu Militärübung nach Jordanien
In Bayern wird die Produktion neuer Eurofighter-Kampfjets hochgefahren. © Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Eurofighter gilt als Rückgrat der deutschen Luftwaffe. Für die Bundeswehr bedeutet das nicht nur mehr Schlagkraft, sondern auch Planungssicherheit. Jedes Land übernimmt die Fertigung bestimmter Komponenten des Kampfjets – so ist etwa Italien für Tragflächen zuständig, während Deutschland das Rumpfmittelteil produziert. Die Endmontage der Jagdflugzeuge findet anschließend im jeweiligen Land statt.

Produktionshoch bei Eurofighter: Neue Bestellungen treiben europäische Standorte an

Aufgrund der zahlreichen Bestellungen aus Deutschland, Italien und der Türkei wird die Produktion auch im Werk Manching deutlich ausgeweitet. In den vergangenen zwölf Monaten sind insgesamt 89 Aufträge eingegangen – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Die Nachfrage angesichts der geopolitischen Entwicklung sorgt dafür, dass die Fertigungskapazitäten Schritt für Schritt erhöht werden.

Die Bundesregierung hatte bereits 2020 eine Bestellung über 38 Eurofighter aufgegeben und diese jüngst im Oktober um weitere 20 Maschinen ergänzt. „Wir fahren jetzt langsam hoch, das deckt sich alles mit den Auslieferungszahlen der Flugzeuge“, erklärt Andreas Hammer, Eurofighter-Programmchef bei Airbus in einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR). Da jedes Land seine Kampfjets zu festgelegten Terminen erwartet, rechnet das Werk in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Produktionshöhepunkt.

FCAS: Future Combat Air System als weiterer Hoffnungsträger

Wirbel gibt es derweil um den geplanten Nachfolger: Mit dem Future Combat Air System (FCAS) will die Bundeswehr gemeinsam mit Frankreich und Spanien den nächsten Schritt in der militärischen Luftverteidigung gehen. Das Projekt verspricht modernste Technologie, vernetzte Systeme und eine neue Generation von Kampfjets. Für die deutsche Wirtschaft wäre FCAS ein Milliardenprojekt: Es soll nicht nur die Sicherheit, sondern auch den Technologiestandort langfristig sichern.

Bei der Umsetzung des Kampfjets-Projekts FCAS (im Bild eine Studie in Paris 2023) gibt es Probleme. Kann Deutschland den Plan alleine umsetzen?
Bei der Umsetzung des Kampfjets-Projekts FCAS (im Bild eine Studie in Paris 2023) gibt es Probleme. Kann Deutschland den Plan alleine umsetzen? © NurPhoto/Imago

Doch das Zukunftsprojekt steht seit Monaten auf der Kippe: Verzögerungen und Streit um die Verteilung von Aufträgen sorgen für Unsicherheit. Der französische Hersteller Dassault will die Führung übernehmen, Airbus und auch die deutsche Politik ist mit diesen Ambitionen nicht einverstanden. Als drittes Unternehmen ist der spanische Rüstungskonzern Indra Sistemas beteiligt.

Kampfjets für die Bundeswehr: CSU bringt FCAS-Alleingang auf den Tisch

Derweil plant die CSU im Streit um das FCAS-Projekt eine bemerkenswerte Notlösung: Sollte die europäische Zusammenarbeit scheitern, müsse Deutschland allein einen neuen Kampfjet für die Bundeswehr entwickeln, steht in einem Beschlusspapier der Klausurtagung in Seeon (der Deutschlandfunk berichtete zunächst).

Ein deutscher Alleingang könnte kurzfristig Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung sichern, birgt aber Risiken – unter anderem aufgrund der immensen Kosten. Es handelt sich bei dem „Future Combat Air System“ nicht nur um einen Kampfjet: vielmehr ein fliegendes Luftkampfsystem (der sechsten Generation), das im Verbund mit autonomen Drohnen arbeitet. Im Jahr 2040 soll es in Deutschland den Eurofighter ablösen bzw. ergänzen – und auf französischer Seite die Rafale. (PF)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/kampjet-projekt-fcas-csu-plant-notloesung-zr-94117065.html