Supermarkt-Inhaber Bashkim Gashi wollte die Wurst- und Käsetheke in der neuen Filiale in Germering weiterführen. Doch kurz vor der Übernahme sprangen mehrere Mitarbeiter ab.
Germering – Bashkim Gashi hatte sich das anders vorgestellt. Der 40-Jährige, der bereits die große Edeka-Filiale an der Gabriele-Münter-Straße leitet, hat Ende November den kleinen Markt an der Unteren Bahnhofstraße übernommen – und wollte dort die bestehende Wurst- und Käsetheke weiterführen. „Wir wollten eigentlich eine richtige Frischetheke behalten“, sagt er im Gespräch. Doch kurz vor der Übergabe kam alles anders.
Wie Gashi schildert, hatten zunächst alle Beschäftigten zugesagt, in der Filiale zu bleiben. „Vor ein paar Wochen dachten wir noch, dass wir die Mitarbeiter übernehmen können.“ Dann entschieden sich mehrere doch dagegen – „ihr gutes Recht“, wie er betont. Die Absagen kamen jedoch so kurzfristig, dass er binnen weniger Wochen neues Personal hätte finden müssen. „Ich habe 80 Bewerbungen gesichtet, aber kein einziger davon war Metzger“, so Gashi. Ohne Fachkraft sei eine Bedien-Theke nicht zu betreiben.
Der Betreiber musste umplanen. Statt einer frisch besetzten Theke gibt es nun verpackte Ware – „vom gleichen Fleischunternehmen wie bei der Edeka-Theke, aber eben vorverpackt“. Eine Lösung, die bei vielen Stammkunden auf Kritik stößt. Die Enttäuschung spüre er täglich, sagt Gashi: „Für die Kunden ist das natürlich doof. Die teilen uns das auch so mit.“
Die Umstellung sei für ihn selbst nicht weniger ärgerlich. „Klar ärgere ich mich, weil mir das Personal so kurzfristig weggefallen ist“, sagt er. Dass die Filiale möglichst unverändert weiterlaufen sollte, hatte er bei der Ankündigung der Übernahme noch zugesichert.
Im Moment ist die verpackte Frischware daher eine Übergangslösung. Ob eine Rückkehr zur klassischen Theke beim geplanten Umbau 2026 möglich wird, lässt Gashi offen: „Mal sehen. Vielleicht gewöhnen sich die Leute ja daran.“ Selbst wenn er kurzfristig doch einen Metzger fände, würde er nicht gleich wieder zurückbauen – „wir haben das ja gerade erst umgebaut“.
Grundsätzlich soll der kleine Markt im kommenden Jahr modernisiert werden. Die Filiale müsse dafür einige Zeit schließen, genaue Termine gebe es aber noch nicht. Die Lieferzeiten für neue Einrichtung seien lang: „Beim Umbau wollten wir die Kühltheke austauschen, aber die Lieferzeiten sind bis zu einem ganzen Jahr.“
Um Kunden trotzdem entgegenzukommen, bietet er inzwischen einen Service für ältere Menschen an: Frische Ware wird im großen Markt an der Gabriele-Münter-Straße verpackt und zur Abholung in den kleinen Edeka gebracht.
Gashi sieht die Rolle der beiden Märkte klar verteilt: Der kleine Edeka sei für „schnelle Einkäufe oder ältere Leute, für die der Weg zum anderen zu weit ist“. Die große Filiale in der City-Galerie hingegen bleibe der Ort für den Wocheneinkauf.