„Etwas besonderes, hier mitzuwirken“: Oberbayerische Wallfahrtskirche aufwendig saniert

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Franziska Siegl aus München erneuert in präziser Feinstarbeit sämtliche Fassungen. © Arndt Pröhl

Nach zwei Jahren Renovierung nähert sich die Sanierung der Stiegenkirche auf dem Tölzer Kalvarienberg dem Ende. Inventar und Figuren kehren bereits zurück. Jetzt geht‘s um den Feinschliff.

Bad Tölz – Die umfangreiche Sanierung der Stiegenkirche – der hintere Teil der Doppelkirche Heilig-Kreuz auf dem Kalvarienberg – schreitet voran. Nach mittlerweile zwei Jahren Renovierungszeit soll das Gotteshaus bald in neuem Glanz erstrahlen. Nachdem die Grobarbeiten abgeschlossen sind, geht es nun an den Feinschliff. Auch das Inventar zieht nach und nach wieder in die Kirche ein.

Für Holzrestaurations-Arbeiten – hier Teile der Altarverkleidung – ist Rosemarie Auer zuständig.
Für Holzrestaurations-Arbeiten – hier Teile der Altarverkleidung – ist Rosemarie Auer zuständig. © Arndt Pröhl

In den vergangenen Wochen standen die Holzrestaurierungs-, Maler- und Fassungsarbeiten im Fokus. Dafür waren unter anderem die Tölzer Holzrestauratorin Rosemarie Auer mit ihrem Königsdorfer Kollegen Michael Walser, Kirchenmaler Wolfgang Fritz und die Münchner Restauratorin Franziska Siegl in der Stiegenkirche und in ihren jeweiligen Werkstätten zu Gange.

Herausforderung bei Holzrestauration

Für Rosemarie Auer ist die Arbeit auf dem Kalvarienberg ein Heimspiel. „Als Tölzerin ist es natürlich etwas Besonderes, bei dieser Sanierung mitzuwirken“, sagt sie beim Ortstermin mit unserer Zeitung. Seit Beginn der Maßnahme sei sie in einer Arbeitsgruppe mit Walser für sämtliche Arbeiten am Holz zuständig. Dazu zählen unter anderem die Sitzbänke, eine Holzdecke, die Geländer der Heiligen Stiege, Reliquienkästen und Teile der Altäre.

Historische Werkzeuge und alte Restaurationstechniken

„Neben der Reinigung aller holzsichtigen Teile haben wir uns um die Holzergänzungen gekümmert, Fehlstellen ausgebessert und defekte Mechanismen, etwa bei den Sitzbänken, wieder in Gang gebracht“, sagt Auer. Eine Herausforderung sei es gewesen, dass auch nach den Ausbesserungen alles optisch zusammenpasst. „Bei einigen Säulen haben wir gemerkt, dass diese ursprünglich nie dafür gedacht waren, auch holzsichtig zu sein. Nun sollte hier aber auf die Marmorierung verzichtet werden, und da muss man schon aufpassen, dass die Farben von den Säulen, der Decke und den Bänken homogen zusammenpassen“, erklärt die Tölzerin weiter. Die Decke über den Sitzreihen sei aufwändig zu reinigen gewesen. „Sie war vom Ruß stark verschmutzt.“ Eine besondere Arbeit waren für die passionierte Restauratorin die Schnitzereien an den Reliquienkästen. Für viele der Arbeiten verwendet sie altes Werkzeug und wendet historische Techniken an. Maschinen? Fehlanzeige. „Da steckt sehr viel Handarbeit drin.“

Sind die Arbeiten an den Holzteilen – etwa bei den Altären – finalisiert, ist Franziska Siegl an der Reihe. Die Münchnerin kümmert sich um die Farbgebung und Fassungen – von der Marmorierung großer Holzabdeckungen bis zu feinsten Malereien an den Figuren. Siegl sitzt warm eingepackt in der Kirche. „Die Kälte macht einem schon manchmal zu schaffen, aber es gibt einfach einige Arbeiten, die wir nur hier vor Ort ausführen können“, sagt die Münchnerin, während sie mit einem feinen Pinsel eine Marmorierung auf ein Teil des Altars aufträgt. In ihrem Atelier hat sie sich in den vergangenen Wochen bereits um die Reinigung und einen neuen Anstrich zahlreicher Figuren und Gemälde gekümmert.

Wiedereröffnung der Kirche für Februar 2026 geplant

Organisator und Koordinator ist Mesner Heinz Bader. „Man muss immer zusehen, dass alle Gewerke gut miteinander abgestimmt sind, das ist manchmal schon eine große Aufgabe“, sagt er. Die Wiedereröffnung der Kirche ist für Ende Februar vorgesehen. „Wir sind aber gut in der Zeit. Viel Inventar, Figuren und Gemälde sind schon wieder aus den Werkstätten zurück, das macht nun schon Freude alles wieder einzurichten“, sagt die gute Seele vom Kalvarienberg.