„Wird immer gehyped“: Traditionsreicher Christkindlmarkt lockt Massen nach Oberbayern – Historische Kulisse

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Zeigt einem Kunden aus Seeshaupt seine Krippen: Willi Puitl. © mk

Der traditionsreiche Altbayerischer Christkindlmarkt lockte trotz Regen die Massen nach Benediktbeuern. Heuer fand der vorweihnachtliche Markt zum 50 Mal statt.

Benediktbeuern – Es war wahrlich nicht das verlockendste Wetter für einen Bummel über den Christkindlmarkt. Doch das hielt die zahlreichen Besucher am Sonntag nicht ab, zu dem überregional bekannten Altbayerischen Christkindlmarkt nach Benediktbeuern zu kommen. Heuer stand zudem ein großes Jubiläum an: Zum 50. Mal fand der traditionsreiche Markt im Herzen des Klosterdorfs statt. Bei Regen und kalten Temperaturen drängten sich viele Menschen durch die Dorfmitte, bestaunten die historischen Bauernhäuser, kauften regionale Produkte und Selbstgemachtes oder schlürften unter Regenschirmen heißen Glühwein.

Zahlreiche Besucher trotz schlechtem Wetter

„Das ist das Besondere hier: Es ist einfach immer richtig viel los“, sagt Fritz Freisl. „Bei gutem Wetter schlendern die Menschen gemütlich durch, und wenn es wie heute regnet, dann kaufen sie gezielt ein. Aber ganz gleich, ob Regen, Schnee oder Sonnenschein, sie kommen.“ Seit über zehn Jahren verkauft Familie Freisl hier Produkte aus ihrer Landwirtschaft in Schlehdorf. „Wir haben Bienen und Hühner“, erklärt Freisl. Es gibt Eiernudeln, Likör und Honig. „Die Leute kommen teilweise extra aus München und decken sich mit unserem Honig ein.“

Viele Besucher kamen trotz Regen auf den beliebten Markt.
Viele Besucher kamen am Sonntag trotz Regen und Wind auf den beliebten Markt. © mk

Seit der Geburtsstunde des Beurer Christkindlmarkts dabei ist der örtliche Frauenbund. „Beim ersten Mal war ich noch ein Kind, damals war meine Mutter im Frauenbund“, sagt Monika Seller aus dem Vorstand. Begonnen habe alles mit einer kleinen Bude mit Schmalzgebäck. Heute hat der Frauenbund Benediktbeuern drei Stände. Es gibt Kaffee und Kuchen, einen Stand mit Marmeladen, Eingemachtem und Likören und einen Bastelstand. Alles ist – das versteht sich – selbstgemacht. Beim Frauenbund ist der Christkindlmarkt, beziehungsweise die Produktion und Vorbereitung dafür, das ganze Jahr über Thema. „Einmal die Woche findet ein Treffen statt. Da wird dann gestrickt und gebastelt“, sagt Seller.

Handwerk und Individualität im Mittelpunkt

Die Individualität, das Handwerk, die vielen selbstgemachten großen und kleinen Dinge, sind es, die Willi und Rosa Puitl aus Schondorf besonders an dem Markt faszinieren. „Wir sind heuer zum zweiten Mal hier“, erklärt Rosa Puitl. An ihrem Stand mit selbstgemachten Krippen steht Rudolf Habich. Er begutachtet eine Besonderheit: Weihnachtskrippen in einer Laterne. Für den Altbayerischen Christkindlmarkt ist Habich extra aus Seeshaupt gekommen. „Bei uns ist alles Handarbeit, darauf legen wir großen Wert“, erklärt Willi Puitl. Seit 2019 ist er Krippenbaumeister. „Mir hat das schon immer große Freude gemacht, und als ich in der Rente mehr Zeit hatte, habe ich dieses Hobby nun ausgebaut.“

Manche Vereine schon seit 50 Jahren dabei

Zum festen Inventar des Markts gehört der Liederkranz. „Seit dem zweiten Jahr sind wir dabei “, sagt Ehrenvorstand Sepp Fichtner. Mit einem selbstgebauten Grill erwärmen die Vereinsmitglieder Raclett-Käse. „Die Maschine haben wir nur für diesen Zweck gebaut. Die ist einmalig“, sagt Fichtner. Vor vielen Jahren habe man mit etwas umständlich zu produzierendem Käse-Toast begonnen. Mittlerweile gibt es Raclette-Baguettes – ein absoluter Renner auf dem Markt. „Wir haben das über die Zeit hinweg professionalisiert.“ Die Semmeln sind eine Spezialanfertigung einer örtlichen Bäckerei. „Der Käse passt genau auf die Länge der Semmeln.“ Viele Besucher würden extra aus München, Starnberg und Weilheim für den deftigen Snack anreisen. Das ist für den Männnerchor wichtig. „Der Christkindlmarkt ist die Haupteinnahmequelle für alles, was der Verein unterm Jahr braucht.“

Sepp Fiechtner an der selbstgebauten Raclette-Maschine.
Sepp Fichtner an der selbstgebauten Raclette-Maschine vom Liederkranz. © mk

Schon zur Mittagszeit ist das Treiben im Herzen des Kloster-Dorfs dicht. „Benediktbeuern wird einfach immer gehyped“, freut sich Veronika Hauser vom Frauenbund, während sie fleißig Marmeladen verkauft.