Australier buddeln in Deutschland nach dem Schlüssel-Stoff der Energiewende

Im Oberrheingraben fällt der Startschuss für eines der ambitioniertesten Rohstoffprojekte Deutschlands: Das australische Unternehmen Vulcan Energy beginnt mit dem Aufbau einer Anlage, die Lithium aus geothermischer Sole gewinnen soll – klimafreundlich, lokal und in einer Größenordnung, die Europas Abhängigkeit von Importen spürbar verändern könnte.

Das „Löwenherz“-Projekt

Das Vorhaben umfasst mehrere Bohrplätze zwischen Landau, Insheim und Schleidberg. Kernstück ist die Verbindung von Geothermie und Direct-Lithium-Extraction: Thermalwasser wird aus mehreren tausend Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt, das Lithium extrahiert und das Wasser wieder zurückgeführt. Die dabei entstehende Wärme soll zudem Tausende Haushalte in Landau versorgen.

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Vulcan Energy plant, jährlich 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid herzustellen – genug für rund 500.000 Batterien für Elektroautos. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt über ihren Rohstofffonds mit bis zu 150 Millionen Euro, auch Australien steuert über seine Exportkreditagentur Mittel bei. Insgesamt umfasst die Finanzierung rund 2,2 Milliarden Euro.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) bezeichnete die Grundsteinlegung als echten „Meilenstein für die Energiewende“. „Die Lithiumgewinnung im Oberrheingraben steigert die Rohstoffunabhängigkeit Deutschlands und ist daher ein strategisches Projekt mit Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus.“

Warum Lithium für Deutschland so wichtig ist

Lithium ist der Grundstoff moderner Batterien – und damit für Elektromobilität, Energiespeicher und die gesamte Energiewende unverzichtbar. Bisher muss Deutschland fast alles importieren, oft aus Regionen mit hohem ökologischen Fußabdruck oder politischer Unsicherheit. Die geothermisch betriebene Lithiumgewinnung im Oberrheingraben gilt dagegen als besonders umweltschonend: geringer Flächenverbrauch, niedrige CO₂-Bilanz und zusätzliche erneuerbare Wärme als Nebenprodukt.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) spricht von einem „starken Signal für eine resilientere Rohstoffversorgung“. Auch die australische Botschafterin betont die Bedeutung neuer, nachhaltiger Lieferketten.

Lithiumgewinnung im Oberrheingraben soll die Rohstoffunabhängigkeit Deutschlands steigern
Lithiumgewinnung im Oberrheingraben soll die Rohstoffunabhängigkeit Deutschlands steigern dpa

Die EU mischt mit 

Parallel treibt die EU-Kommission den Aufbau eines europäischen Rohstoffzentrums voran, um unabhängiger von China zu werden, das den weltweiten Markt für Lithium und Seltene Erden dominiert. Gemeinsame EU-Einkäufe, Förderprogramme und vereinfachte Genehmigungen sollen Projekte wie jenes im Oberrheingraben beschleunigen. Die Europäische Investitionsbank unterstützt Vulcan Energy bereits mit 250 Millionen Euro.

Damit wird das „Lionheart“-Projekt zum Präzedenzfall: Es zeigt, wie europäische und nationale Förderinstrumente ineinandergreifen können, um strategische Rohstoffe in Europa selbst zu produzieren.

Drehpunkt Deutschland? 

Der Oberrheingraben ist nicht das einzige Gebiet mit Potenzial. In Sachsen-Anhalt könnten laut Studien bis zu 43 Millionen Tonnen Lithium in der Altmark lagern. In Niedersachsen und Thüringen werden Thermalwasser-Vorkommen untersucht. Im Erzgebirge plant die Zinnwald Lithium GmbH ein großes Hartgestein-Projekt – ebenfalls ein möglicher Baustein europäischer Rohstoffautonomie.

Noch ist keine dieser Quellen in Produktion. Doch der Spatenstich in Landau markiert den Beginn einer neuen Phase: Deutschland testet nicht mehr, ob es Lithium fördern kann – sondern wie schnell und wie viel.