Nach irrer Münzwurf-Posse: AfD kippt eigenen Bürgermeister-Kandidaten in Moosburg

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Nach irrer Münzwurf-Posse: AfD kippt eigenen Bürgermeister-Kandidaten in Oberbayern

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Nach dem umstrittenen Münzwurf kippt die AfD ihren Kandidaten fürs Moosburger Bürgermeisteramt. Der kritisiert die Stadt und seinen Partei-Rivalen scharf.

Moosburg - Wie berichtet, war Jahnel in der Aufstellungsversammlung der AfD nach zwei Wahlgängen mit zwei zu zwei Stimmengleichheit per Münzwurf des Wahlleiters zum Bürgermeisterkandidaten der AfD ernannt worden. Sein Gegenkandidat, Kreis- und Stadtrat Gerhard-Michael Welter, der krankheitsbedingt bei dem Treffen fehlte, hatte das bereits kurz nach der Wahl kritisiert: Jahnel sei gar kein AfD-Mitglied und stehe aufgrund seiner Neonazi-Vergangenheit auch auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Sein gewichtigstes Argument aber: Eine Wahl durch Los sei ohne entsprechenden Mitgliederbeschluss auch gar nicht möglich.

Liefern sich weiter Grabenkämpfe innerhalb der AfD: Stefan Jahnel (l.) und Gerhard-Michael Welter. © privat/afo

Über Social Media hatte Welter auch heftige verbale Angriffe gegen den Wahlleiter der AfD-Nominierungsversammlung gefahren: Michael Albuschat, Ortsvorsitzenden der AfD Moosburg. Der sei, so mutmaßte Welter, „falsch gewickelt oder des Öfteren vom Wickeltisch gefallen“

„Meiner Meinung nach geht es die Stadt einen feuchten Kehricht an, in welcher Art und Weise ein Losentscheid durchgeführt wird.

Jetzt hat der AfD-Kreisverband Freising die Kandidatur zurückgezogen. Grund dafür ist eine angebliche Intervention der Kommune. Er ziehe „nach rechtlichen Bedenken seitens der Stadt Moosburg“ die Bürgermeisterkandidatur von Stefan Jahnel zurück. „Die Stadt beanstandet, dass die erforderliche Losentscheidung nicht ordnungsgemäß per Los, sondern per Münzwurf durchgeführt wurde“, heißt es in der von AfD-Kreisvorsitzendem Richard Paukner am Samstag verschickten und von niemandem unterzeichneten Mitteilung. Diese Einschätzung stoße im Vorsitz des Kreisverbands zwar auf Unverständnis. „Nichtsdestoweniger akzeptieren wir die Entscheidung.“ Jahnel sei bereits informiert worden und werde sich gegebenenfalls ebenfalls dazu äußern.

Dies ist bereits geschehen. Am späten Samstagabend wandte sich Jahnel in einer Mail, die auch ans Tagblatt ging, an „liebe Freunde, Mitstreiter, Feinde, Groupies“. In dem Schreiben übt der nunmehr verhinderte Kandidat zum Teil derbe Kritik an der Stadt. „Meiner Meinung nach geht es die Stadt einen feuchten Kehricht an, in welcher Art und Weise ein Losentscheid durchgeführt wird.“ Aus Jahnels Sicht gehe es der Stadt „einfach mal wieder darum, der AfD einen Knüppel in die Speichen zu werfen“. Er hätte den Klageweg bestritten.

Bürgermeister bezweifelt, dass es eine Beanstandung der Stadt gab

Weil der AfD-Kreisverband aber stattdessen die Entscheidung akzeptiert hat, teilt Jahnel auch gegen den parteiinternen Rivalen aus. Welter habe der Stadt den besagten „Knüppel“ gereicht. „Das jetzt so lange gelost wird, bis wir ein Ergebnis haben, dass dem Herrn Welter gefällt – sorry. Über das Stöckchen springe ich nicht. Wir könnten freilich auch gleich zur attischen Demokratie zurückkehren und Ämter gleich ganz auslosen. Vielleicht wird Herr Welter dann Oberförster.“

Ob die Stadt tatsächlich eine Beanstandung erhoben hat, ist indes noch nicht bestätigt. Auf FT-Nachfrage am Sonntag verwies Bürgermeister Josef Dollinger darauf, dass dies der Wahlleiterin in Person von Evelyn Stadler obliege. Seines Wissens nach sei es auch nicht statthaft, ein Losverfahren per Münzwurf durchzuführen. „Dass sie eine Beanstandung eingereicht hat, kann ich mir aber fast nicht vorstellen“, sagt Dollinger. Wahlleiterin Stadler selbst war bis dato nicht erreichbar.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/moosburg-afd-kippt-buergermeister-kandidat-jahnel-nach-muenzwurf-94072542.html